The Tasteful Weekend | Whisky from the Cellar

Unter den Whiskyfreaks ist es ja eine weitverbreitete Gewissheit, dass Sherryfässer auch nicht mehr das sind, was sie mal waren. Wobei auch nicht so ganz klar ist, wie sie denn wirklich waren. Denn eigentlich waren es ja auch nur Transportfässer und nur ganz selten Fässer aus einer Solera. Aber natürlich kennt auch jeder die aufgesetzten, generischen Sherryarmonen mancher Abfüllung. Michel Couvreur wollte Whiskys in alten, lang mit Sherry belegten Fässern reifen. Und er reifte nicht vor Ort in Schottland, sondern in seinem Felsenkeller im Burgund.

Michel Couvreur selbst ist 2013 verstorben, die Firma wird aber von seiner Familie fortgeführt. Zentrum ist das Anwesen der Familie in Bouze-lès-Beaune im Burgund mit einem 150 m in den Felsen getriebenen alten Keller. Dieser ist teilweise sehr feucht, Wasser tropft von der Decke und es entwickelt sich ein eigenes Microklima. In diesem Keller wird der Whisky gereift – zumindest für einen Teil der Reifezeit. Verwendet werden alte, besondere Sherry- oder auch Portfässer und andere Vorbelegungen. Es geht darum, dass die Fässer lange für die Reifung der Süßweine Verwendung fanden. Die Reifung steht bei den Abfüllungen im Vordergrund, das Destillat spielt eine Nebenrolle.

Daher wird die Brennerei in der Regel nicht angegeben, es gibt auch keine Hinweise. Es ist in Schottland destillierter Whisky, das steht auf dem Etikett. Meist werden verschiedene Fässer mit Inhalt aus unterschiedlicher Herkunft miteinander vermählt. Natürlich eignet sich der Keller mit seinen feucht-gammeligen Wänden und Fässern hervorragend für den Mythos von einem ganz besonderen Whisky. Und natürlich gibt es so auch einen gewissen Hype um die Abfüllungen.

Leaving Britain | © Klaus Bölling, www.boelling.de

Ich habe bei diesem Tasting gemerkt, dass mich der Hype nicht so sehr ergreift. Die Abfüllungen unterscheiden sich deutlich von den offensichtlichen Sherrybomben, die es ab und an bei Signatory gibt. Hier sind die Aromen wesentlich komplexer und weniger aufgesetzt und generisch. Ich habe aber auch einen schwefligen Funk, der mir weniger gefällt und den ich schwer einordnen kann. Liegt es an der besonderen Reifung – oder liegt es nicht vielleicht doch eher an Schwefelverbindungen, die dem Wein zugesetzt wurden oder zur Konservierung der Fässer dienten? Für manche sind das aber gerade die Aromen, die sie an den Abfüllungen so schätzen. Bei mir ist das leider nicht so, daher fand ich die beiden Abfüllungen hier eher schwierig.

The Tasteful Weekend | Whisky from the Cellar

Das zweite Tasting geht Sonntagabend um 18 Uhr online