Elsburn | The Harz | Hercynian Distilling Co.

Single Malt Whisky

46,0%vol. | bottled 2024 | 13% 1st fill Bourbon, 1st u. 2nd fill Sherry

un-chillfiltered

chillfiltered

natural colour

coloured

un-peated

peated

cask strength

Single Cask

Ich habe ein Problem mit deutschen Whisky – er ist mir meist zu jung, zu teuer und oft auch auf dem falschen Equipment destilliert. Im gemeinsamen Talk mit WhiskyJason habe ich jetzt The Harz von der Hercynian Distilling Co. im Glas gehabt und war bereit, ihn nicht zu mögen. Ist mir aber nicht gelungen …

The Harz ist eine Abfüllung, die auf Regionalität und Local Barley setzt, was schon mal gut ist. Vor allem aber ist der Whisky Anfang 2025 für unter 50 € in der 0,7 l Flasche zu bekommen. Und das ist ein Gamechanger bei deutschem Whisky. Er hat eine schöne goldene Farbe, die nicht so überladen wirkt, wie bei anderen Whiskys aus dem Harz. Und im Stream hat er mir tatsächlich geschmeckt.

Nosing

In der Nase ist der Whisky nicht als deutscher Whisky erkennbar und er ist auch nicht als holzüberfrachteter Elsburn erkennbar. Da ist Vanille, da sind fruchtige, süße Noten. Der Whisky ist nicht alt, er hat aber mit etwas Ruhe im Glas auch keine Gäraromen und keine roughen, bitteren Aspekte, die ich oft bei zu jungen Whiskys finde. Mit etwas Zeit kommen schöne Holzaromen, es kommt auch Schokolade. Die Früchte sind nicht zu jung und hell, da sind reife Birnen, da sind aber auch saftige gelbe Pflaumen. Dazu kommt neben der Vanille auch ein Hauch Zimt und ein paar getrocknete Kräuter.

Taste

Im Mund ist der Alkohol kaum spürbar, der erste Antritt des Whiskys ist eher süß mit gelbfruchtigen Sherryaromen. Dann kommen die würzigeren Noten mit Holz, Vanille, etwas Zimt. Das alles geht über etwas dunklere Milchschokolade, bleibt aber eher süß mit fruchtigen Aspekten. Vielleicht könnte der Whisky etwas kräftiger und komplexer sein, insgesamt hat er aber schöne Aromen, die gut miteinander harmonieren.

Finish

Der Nachklang ist nicht zu süß, wird aber nicht bitter, metallisch oder zu mineralisch. Es bleiben angenehme Noten von Milchschokolade und Pflaumen im Mund, vielleicht auch etwas weißer Pfirsich.

Conclusion

Das ist ein deutscher Whisky, den ich richtig gut finde. Hier stimmen Preis und Qualität, der Whisky ist nicht zu jung und er wird nicht vom Fass erschlagen – was einige ja gerade bei den Abfüllungen aus dem Harz feiern. Diese Abfüllung mag ich tatsächlich sehr. Sie könnte etwas kräftiger sein – ist aber ein Whisky, der mithalten kann und zeigt, dass deutscher Whisky durchaus das könnte, was guten schottischen Whisky ausmacht: die Verbindung aus Region und Produkt zu einem guten Preis. Unter diesen Aspekten ist es mein bester deutscher Whisky bisher.

© Klaus Bölling, www.boelling.de

Dieser Whisky gehört zu den drei Whiskys, die ich im Januar im sonntäglichen Live-Talk mit WhiskyJason probiert habe.

Kann man sich hier im Video noch mal ansehen …

Hercynian Distilling Co.

founded: 2002 | Region: Harz
Owner: Karl Theodor Buchholz
Capacity: 30 – 35.000 LPA

Quelle: www.hercynian-distilling.de/deutsch/unsere-distillery

Die Hammerschmiede im Harz gehört inzwischen zu den etablierten deutschen Whiskybrennereien. Spirituosen stellt man hier seit 1985 her, 2002 kam der Whisky hinzu. Die Whiskys hatten von Anfang an Fans, denn die Hammerschmiede setzt auf den Einfluss der Fässer und hat daher immer sehr dunkle Whiskys für Farbtrinker hergestellt. Genau dies wird von anderen auch kritisiert.

Die Brennerei versteht sich eher als Manufaktur und setzt auf regionale Produkte. Anfangs trug die Hauptmarke den Namen Glen Els, was später in Elsburn geändert wurde, um der Drangsalierung durch die Scotch Whisky Association zu entgehen.

Die Brennerei hat eine recht interessante Website, auf der transparent über die Brennerei, die Herstellung und die Zutaten informiert wird.