St Patrick's Day | Crisis? What Crisis?
St Patrick’s Day ist für mich immer ein guter Anlass, mich mal wieder mit irischem Whiskey zu beschäftigen. Meist beginnt das Problem damit, dass ich gar nicht weiß, welchen Whiskey ich zu diesem Anlass probieren soll. Wenn ich mir anschaue, welche irischen Whiskeys ich seit dem letzten St Patrick’s Day verkostet habe, dann sind das gerade mal zwei Abfüllungen. Und das waren keine Abfüllungen von den vielen neuen Distilleries. Vielleicht auch ein Ausdruck für die Krise, in der der irische Whiskey scheinbar steckt.
Krise ist ja immer ein großes Wort. Und ob es sie für den irischen Whiskey gibt, ist vielleicht auch eine Frage des Blickwinkels. Aus Sicht von Jameson gibt es sie sicherlich, die Marke ist stark vom amerikanischen Markt abhängig. Und wenn allgemeiner sinkender Alkoholgenuss auf irrsinnige Zollpolitik trifft, ist das auf jeden Fall ein Krisenmoment, der zum zeitweisen Stopp der Produktion in der Midleton Distillery führt. Aber was ist mit den vielen neuen Distilleries, die überall in Irland entstanden sind?
Auch da gibt es kritische Nachrichten. Die Waterford Distillery ist insolvent und geschlossen, Powerscourt ist verkauft, wird aber immerhin weitergeführt. Und schaue ich mal in unsere eigene Whisky Bubble mit den Blogs und Vlogs bleibt ebenfalls der Eindruck, irischer Whiskey finde eher selten statt.
Für mich hat das einen klaren Grund – ich kann irischen Whiskey nicht richtig greifen. Es gibt unzählige Marken, die einen sind Bonder, die anderen sind eine Distillery, die nächsten einfach eine Marke – aber wer produziert eigentlich eigenen Whisky und füllt ihn ab? Stammt der Fercullen von Powerscourt nun aus den Beständen von Teelings Cooley Distillery, wurde er bei Great Northern destilliert oder ist es doch auch schon eigenes Destillat? Wahrscheinlich trifft alles zu – was mich als Nerd nervt und dazu führt, dass ich bisher keinerlei Lust hatte, Fercullen zu probieren. Schaue ich mal durch das Angebot bei Irish Whiskeys, haben die wenigsten Abfüllungen eine Altersangabe und bei den wenigsten ist für mich erkennbar, wo sie hergestellt wurden. Aber ich schaue auch mit den Augen eines Nerds für schottischen Whisky auf die Szene.
Bisher stammen die irischen Whiskey, die ich wirklich mag noch immer aus den drei Distilleries Bushmills, Midleton und Cooley. Um den Blick etwas zuu erweitern, habe ich für dieses Tasting zwei Abfüllungen der Dingle Distillery ausgesucht. Bei Dingle ist zumindest klar, dass sie ihren eigenen Spirit destillieren. Und dann gibt es noch eine Abfüllung aus dem Brühler Whiskyhaus, die wahrscheinlich aus den alten Cooley Beständen stammt – und auf die ich mich dann auch am meisten freue. Ziel für 2026 ist es jedenfalls, mehr interessante irische Whiskeys zu finden …
Die Tastings gehen in den nächsten Tagen jeweils um um 18 Uhr online.