Laphroaig | Port Wood | NAS

1st-fill Bourbon, finish in Port Barrels | 48,0%vol.

Der klassische Laphroaig aus dem Bourbon Cask wird hier im Port Barrel gefinisht. Das ist vielversprechend. Das Manko: Der Whisky hat kein Alter, der Whisky ist gefärbt – der Whisky ist Ende 2021 fast 100 € teuer (und manchmal auch mehr). Ist er das wert?

Nosing

Ja, das ist Islay Rauch, der Whisky kann und will seine Herkunft nicht verhehlen. Aber es ist nicht der absolut stinkige Laphroaig-Rauch, das Port-Fass gibt ihm noch eine fruchtige Komponente und das 1st fill Bourbon-Fass hat auch gut Vanille beigesteuert. Der Whisky riecht nicht süß – hat aber gegenüber anderen Laphroaigs, die medizinisch und trocken riechen eine fruchtig-süßere Struktur, es kommen auch Honignoten, ein paar Heidelbeeren und Pflaumen mit Vanille.

Taste

48%vol. sind eine angenehme Trinkstärke. Der Whisky ist im Geschmack trotz fehlender Altersangabe nicht vordergründig jung oder unreif – aber er ist ja auch kräftig rauchig, das kaschiert zu junge Aromen. Der Rauch ist stark und hat den Islay-Südküsten-Charakter. Er ist aber weniger maritim/medizinisch als in anderen Laphroaigs. Das gibt dem Whisky etwas mehr Eleganz und Verspieltheit. Insgesamt ist er nicht sehr komplex. Im Geschmack dominiert der Rauch mit einem dunkelfruchtigen Schliff – die Fruchtigkeit ist aber nicht klar definiert und es fehlen nach hinten heraus klare Holznoten, die erst mit dem Alter kommen.

Finish

Die Raucher haben den Vorteil, dass im Finish immer der Rauch vorhanden ist und der Whisky damit einen definierteren Nachklang hat. Das Finish ist trotzdem nicht nachhaltig anhaltend, dazu fehlen klare Holzaromen.

Conclusion

Keine Frage, das ist ein schöner Whisky, vielleicht ist er sogar besser als der gehypte Triple Wood, dessen Aromen etwas zu vordergründig aufgesetzt wirken können. Der Port Wood ist subtiler und besser ausbalanciert. Aber es ist natürlich kein 100 € Whisky, dazu fehlen die Reife, die Komplexität und die Integrität.

Dem Triple Wood habe ich im Tasting 86 Punkte gegeben. Der Port Wood ist besser als der Triple Wood – aber nicht besser als 86 Punkte. Vielleicht habe ich den Triple Wood aufgrund des aktuellen Hypes auch überbewertet. Den Port Wood finde ich besser, weil die Aromen schöner ineinander verwoben sind. Realistischer Preis: 50 €.

86 Punkte

Malting Floor, Laphroaig Distillery, South Islay | © Klaus Bölling, www.boelling.de

Laphroaig Distillery

foundet: 1815 | Region: Islay
Owner: Beam Suntory
Capacity: 3.300.000 litres

Quelle: Ingvar Ronde, Malt Whisky Yearbook 2021

Laphroaig ist eine der klassischen Islay Distillerys. Auch wenn aktuell massig neue Distilerys auf Islay gegründet werden – Laphroaig bleibt einzigartig. Der Rauch dieser Distillery ist krasser, hat stärkere maritime Einflüsse und eine medizinische Komponente.

Laphroaig gehört zu den wenigen Destillen, die noch einen Teil ihres Malzes selbst herstellen und mit eigenem Torf trocknen. So sieht man hier auchregelmäßig den Kiln qualmen.

Prince Charles ist einer der Fans dieser Destille, was irgendwie gut passt. Zudem ist er der legitime Nachfahre der Lords of the Isles, die ihren Sitz auf Islay hatten. Und somit ist Laphroaig vielleicht ‚der Islay Malt‘ – auch wenn andere mehr Publicity machen.