Laphroaig | Triple Wood | NAS

Ex-Bourbon, Quarter Casks, European Oak Casks | 48,0%vol. | Bottling 2020

Was macht diesen Whisky so besonders, dass er zur Zeit überall gehypt wird? Laphroaig hat angekündigt, ihn einzustellen. Und? Es ist ein NAS Whisky, er ist kühlgefiltert, er ist gefärbt. Sollen sie doch, was könnten wir schon vermissen?

Die Whisky-Gemeinde ist seltsam. Gefärbt-gefilterte Whiskys ohne Alter werden gewöhnlich verachtet – dieser wird gehortet. Warum nur?

Nosing

Da ist sofort Sherry in der Nase, Sherry und europäisches Holz – zumindest wenn man weiß, dass es vorhanden sein muss. Eigentlich ist da nur Sherry, typischer seasoned Sherry. Bowmore kann das, Laphroaig kann das auch. Drei Fässer, das sollte Aroma geben. Und es gibt Aroma! Und zwar ein schönes Aroma. Warme Sherry-Töne, satte Kirschen, ein wenig süße Datteln, Kräuter und kräftiges Holz, das aktiv und nicht ausgelutscht ist. Ach ja – und Rauch, Laphroaig-Rauch. Der Rauch ist hier schön eingewoben in die fruchtig-süße Aromatik und das Holz. Das zähmt ihn ein wenig, ohne ihm die Kraft zu nehmen. Es ist Laphroaig-Rauch mit Sahne Häubchen. Und einem Fausthieb Holz.

Taste

Im Geschmack spiegelt sich das Aroma aus dem Nosing wider. Da sind keine jungen, unreifen Noten, die von einem NAS zu erwarten wären. Die haben auch gar keine Chance, sich gegen den Sherry, das Holz und den Rauch durchzusetzen. Mit 46%vol. kompensiert der Whisky die Schwäche des 10jährigen, mit dem Sherry konterkariert er dessen Kargheit. Der Whisky hat auch im Geschmack Wärme, Tiefe und ein wenig Reife basierend auf Rauch und Holz.

Finish

Der Nachklang ist geprägt vom Rauch, der Sherrysüße und Holz. Da ist aber keine störende Bitterkeit, da sind keine alten, toten Fässer.

Conclusion

Warum wird dieser Whisky gehypt? Weil er gut ist! Das ist kein Komplexitätsmonster, nichts zum langen Analysieren und Sezieren – das ist ein leckerer Whisky mit kräftigen Islay-Rauch, der getrunken werden will. Es ist einer der modernen, fassbetonten Whiskys, die mit verschiedenen Fässern in wenigen Jahren zu gutem Trinkstoff geboostert werden. Ein Whisky, der mit seinem ursprünglichen Preis um die 40 € fair bepreist war.

Nun geht er wohl vom Markt. Das macht die letzten Flaschen zu Sammelobjekten, die leider niemals genossen werden. Dabei ist es doch gar kein großer Whisky. Es ist einfach ein wunderbar zu trinkender Whisky mit Rauch, Sherry und schönem Holz. Nicht mehr – aber eben auch nicht weniger.

86 Punkte

Der Kiln qualmt - Laphroaig Distillery, South Islay | © Klaus Bölling, www.boelling.de

Laphroaig Distillery

foundet: 1815 | Region: Islay
Owner: Beam Suntory
Capacity: 3.300.000 litres

Quelle: Ingvar Ronde, Malt Whisky Yearbook 2021

Laphroaig ist eine der klassischen Islay Distillerys. Auch wenn aktuell massig neue Distilerys auf Islay gegründet werden – Laphroaig bleibt einzigartig. Der Rauch dieser Distillery ist krasser, hat stärkere maritime Einflüsse und eine medizinische Komponente.

Laphroaig gehört zu den wenigen Destillen, die noch einen Teil ihres Malzes selbst herstellen und mit eigenem Torf trocknen. So sieht man hier auchregelmäßig den Kiln qualmen.

Prince Charles ist einer der Fans dieser Destille, was irgendwie gut passt. Zudem ist er der legitime Nachfahre der Lords of the Isles, die ihren Sitz auf Islay hatten. Und somit ist Laphroaig vielleicht ‚der Islay Malt‘ – auch wenn andere mehr Publicity machen.