Springbank | aged 15 years | 46%vol.

lightly peated | Distillery Bottling

Springbank ist zur Zeit, Oktober 2021, stark in der Diskussion: Die Whiskys sind kaum zu bekommen und stark gehypt – die Preise manchmal unverschämt. Diesen habe ich 2018 gekauft und er hat knapp über 60 € gekostet. Das aktuelle Batch wird bei den moderaten Händlern für kanpp unter 100 € angeboten und bei den Unverschämten für 50 € mehr. Mein letzter Vorrat in der Flasche muss also womöglich noch lange halten …

Springbank füllt authentische Whiskys ab, ungefärbt und nicht kühlfgefiltert, Whiskys, wie wir sie mögen und suchen. Der Springbank hat etwas Torf und ist zweieinhalb Mal destilliert. Wie das geht steht im Internet …

Nosing

Der Rauch ist vordergründig nicht zu finden, sondern gibt den anderen Aromen einen reiferen Charakter. Dafür eine schöne Pfirsichnote, durchaus süße und reife Früchte und dann kommt doch etwas Rauch, der die Früchte schön umhüllt. Etwas Milchschokolade mit Karamell und Rauch. Orangeat ist auch vorhanden, Sherryfässer sind sicherlich mit abgefüllt worden. Vanille ist im Grundcharakter auch vorhanden.

Taste

Im Geschmack ist der torfige Rauch dann doch präsent und gibt dem Whisky Kraft. Der Alkohol bleibt trotz der 46%vol. präsent und sorgt für frische Pfefferminzaromen. Die Campbeltown Aromatik mit maritimem Einschlag und leichter ‚Kuhstall‘-Note ist da – aber elegant und nicht vorpreschend. Insgesamt ist der Rauch sehr schön, er ist aschig, hat aber auch noch einen leicht qualmigen Einschlag, der ihn interessant macht. Süße Früchte, gedünstete Birnen mit Zimt und Nelken, Pfirsiche – eine schöne Aromatik im Mund, nicht überfordernd aber lecker und süffig.

Finish

Im Nachklang bleiben Früchte mit torfigem Rauch und Karamell mit etwas Seetang. Schön.

Conclusion

Ach je – das ist ein toller Whisky mit dem richtigen Anteil von Frucht, Holz und Rauch. Es ist ein Whisky zum Trinken, der mit 60 – 70 € fair bepreist wäre, der geöffnet, getrunken aber nicht gesammelt werden muss. Ein so schöner Whisky …

Es ist erbärmlich, dass er nun zum Spekulationsobjekt geworden ist und von Zynikern gekauft und gehordet wird, denen es nicht um den Genuss, sondern um Gier, Profit und Egoismus geht. Mist!

87 Punkte

Kiln-Ofen der Springbank Distillery | © Klaus Bölling, www.boelling.de

Springbank Distillery

foundet: 1828 | Region: Campbeltown
Owner: Springbank Distillers (J & A Mitchell)
Capacity: 750.000 litres

Quelle: Ingvar Ronde, Malt Whisky Yearbook 2021

Springbank liegt in Campbeltown auf der Halbinsel Kintyre. Hier gab es einst über 30 Distillerys – heute sind Springbank und Glengyle (die zur gleichen Besitzerfamilie gehören) und Glen Scotia geblieben. Aktuell planen J & A Mitchell eine weitere Distillery.

Springbank produziert drei Marken: Longrow ist stark georft und zweifach destilliert, Springbank lightly peated und zweieinhalbmal destilliert, Hazelburn ungetorft und dreimal destilliert.Direkt auf dem Nachbargrundstück betreibt man die Glengyle Distillery, die ihre Whiskys unter der Marke Kilkerran produziert.

Springbank macht alles so, wie wir Nerds es lieben: Keine Färbung, keine Kühlfilterung, Handarbeit ohne Automatisierung, beschäftigt werden die Menschen aus der Region, das Malz wird auf eigenen Malzböden produziert, gelagert und abgefüllt wird vor Ort. So sind unsere romantischen Träume von Whisky, hier werden sie Realität.

Die Kehrseite: Natürlich werden diese Whiskys gehypt und gesammelt – das Angebot ist zu knapp, die Preise steigen, die ‚Investoren‘ wittern ihre Chance. Und alle, die diese Whiskys einfach genießen wollen, können oder wollen sie sich nicht mehr leisten. Schade um diesen guten Stoff.