Craigellachie | 2008 - 2021 | Murray McDavid

1st fill Murca Tawny Port Finish | 50,0%vol.

Dieser Craigellachie vom unabhängigen Abfüller Murray McDavid und wurde nach 12 Jahren und einem Finish im Tawny Port Fass abgefüllt. Besonders präsent ist die Abfüllung nicht, es gibt ein paar Bewertungen in der Base, die eher verhalten sind. Dabei sind die Eckdaten doch ganz interessant. Hilft also nur probieren …

Nosing

An der Nase kommen zunächst Weinromen, dunkle Steinfrüchte und dahinter etwas Würze und Kräuter. Die Früchte sind nicht klar differenzierbar, es ist Kompott, es sind klassiche Weingummis. Es kommen Pflaumen und Kirschen, etwas Pfirsich, Mango und dahinter gärt und reift der Wein. Trotz 50%vol. ist der Whisky in der Nase mild, eher süß und angenehm fruchtig. Hinter der Fruchtgumminote kommt dann die Schokolade, mehr feinherb als süß, dazu etwas Nougat. Als Unterton ist immer eine kräftige Vanille vorhanden. Insgesamt ist es ein schönes Aroma mit einer reifen Fruchtigkeit, das auch für einen Standardwhisky angemessen wäre.

Taste

Auch mit 50%vol. ist der Alkohol nicht dominierend. Er ordnet sich den Aromen unter, trägt sie etwas nach vorn. Die Aromen sind ausgewogen. Auch im Geschmack sind die Früchte eher gemischt, Assoziationen von roten Weingummis, etwas Vanille. Dann kommen auch hier die Gewürze, ohne bitter zu werden. Die Früchte gehen in eine pflaumendominierte Richtung, sind aber eher diffus und nicht zu süß mit einer interessanten Säure.

Finish

Der Nachklang ist entspannt, da ist wenig Holz, da ist wenig Bitterkeit. Aber insgesamt bleibt ein schöner Nachklang mit Cassis und etwas Schokolade. Das ist alles vielleicht nicht aufregend – aber es ist lecker.

Conclusion

Das ist ein schöner Whisky, ein Whisky, der nicht primär auffällig ist, der nicht polarisiert. Hier gibt es schöne Weinaromen, hier gibt es eine dezente Süße, englisches Weingummi, das noch nicht die volle Dröhnung an Zucker und Aromastoffen abbekommen hat. Das ist ein leckerer Whisky, vielleicht etwas zu süffig, denn es fehlt das Holz, das ihn mit bitteren Tönen komplexer machen würde. Ein gut gereifter, gut zu trinkender Whsiky, der nicht eindimensional oder langweilig ist.

87 Punkte

© Klaus Bölling, www.boelling.de

Craigellachie Distillery

foundet: 1891 | Region: Speyside
Owner: John Dewar & Sons (Bacardi)
Capacity: 4.100.000 litres

Quelle: Ingvar Ronde, Malt Whisky Yearbook 2021

Craigellachie ist eine von fünf Destillerien, die zu Dewar’s und damit Bacardi gehören. Die Distillery kühlt das Destillat mit Worm Tubs, Kupferröhren, die surch ein Wasserbad führen. Damit hat der Whisky weniger Kupferkontakt als in den modernen Kondensatoren, was zu einem schwereren, schwefligeren Whisky führt, der ggf. eine längere Reifung erfordert, dafür aber einen eigenständigen Charakter aufweist. Nur noch wenige Destillerien in Schottland nutzen diese traditionelle Technik.

Murray McDavid

Murray McDavid war ursprünglich die Company von Mark Reynier und seinen Mitinvestoren, die dann später auch Bruichladdich übernahmen. Damit war der unabhängige Abfüller für kurze Zeit im innovativen Zentrum der Whiskywelt. Aber das ist lange Whiskygeschichte.

2012 wurde Bruichladdich zusammen mit Murray McDavid  an Remy Cointreaux verkauft, 2013 wechselte Murry McDavid zu Aceo Ltd., die zuvor vor allem als Zulieferer für die Whiskyindistrie bekannt waren.

Heute versucht sich der unabhängige Abfüller wieder am Markt zu etablieren. Die Fässer lagern in den Warehouses der ehemaligen Coleburn Distillery in der Speyside. Die Farbe Türkis hat man aus den wohl großen Zeiten beibehalten .-..