Port Charlotte | 13 Jahre | A Dream of Scotland

Bordeaux Grand Cru Wine Cask Finish | 55,1%vol. | Bottled 2021

Der Halloween Single Malt der A Dream of Scotland Serie des Brühler Whiskyhauses ist für das Fest der Kürbismonster zu spät erschienen. Ein festlicher Whisky wird ein Port Charlotte mit 13 Jahren und Bordeaux Grand Cru Finish aber sicherlich auf alle Fälle sein. Könnte also auch etwas für die Weihnachtstage sein. Entsprechend rotgolden ist die Farbe dieses Whiskys.

Nosing

Das ist kein sauberer, aschiger Rauch, hier qualmt es, hier räuchert es, hier liegt feuchter Seetang auf der Glut. Dahinter kommen aber süße, dunkelfruchtige Aromen, die an schweren Rotwein erinnern. Alkohol ist an der Nase nicht präsent.

Das ist ein reifer Whisky mit schweren, süßen Aromen, dunkler Mousse au Chocolat mit Brombeer-Sirup und Rotwein, abgeschmeckt mit einem kleinen Schuss Hustensaft und kandierten Kirschen.

Taste

Trotz 55,1%vol. braucht der Whisky kein Wasser, hier brennt und prickelt nichts, hier ist nichts scharf, der Alkohol bringt höchstens Kraft und Schwere. Das ist unzweifelhaft ein Festtagswhisky, der nach dem schweren Weihnachtsmahl bestehen kann. Der Rauch eröffnet das Geschmackspotpourri mit maritimem Qualm. Dann kommt aber bereits die Rotweincreme mit dunkler Schokolade und eingedickten Kirschen, Preiselbeeren und Heidelbeeren.

Finish

Der Rauch bleibt mit schokoladigen Fruchtnoten im Mundraum präsent. Herbe Schokolade mit viel Kakao, die mit einer geräuchterten Waldfruchtkonfitüre gefüllt ist.

Conclusion

Das ist ein Dessert-Whisky, der mit schwerem Alkohol ganz ohne weitere Verdünnung genossen werden kann, der süß ist aber nicht zuckrig, der an einen tief-dunklen Rotwein erinnert, der schwer und trocken ist – aber nicht adstringiernd oder gar bitter. Hier wird die Süße mit ausreichend tiefen, fruchtig-herben Aromen kontrastiert. Sehr lecker!

90 Punkte

Port Charlotte and Loch Indaal, Isle of Islay | © Klaus Bölling, www.boelling.de

Bruichladdich Distillery

foundet: 1881 | Region: Islay
Owner: Rémy Cointreau
Capacity: 1.500.000 litres

Quelle: Ingvar Ronde, Malt Whisky Yearbook 2021

Eine Distillery mit allen Geschichten über Glanz und Elend der Whiskyindustrie. Nach etlichen Besitzerwechseln wird die Brennerei 1995, damals im Besitz von Whyte & Mackay, geschlossen. Und es beginnt eine der großen Geschichten des Whiskys.

2000 kauft Murray McDavid, der unabhängige Abfüller mit Mark Reynier als einem der Investoren, die Distillery. Reynier wird der Mastermind, der die Distillery mit Jim McEwan and the late Duncan McGillivray zu neuem Leben und Glanz erweckt und mit Wine Cask Finishes und Fassexperimenten die Whiskyszene aufmischt.

Bruichladdich wird zu einem Kreativpool und entwickelt mit dem rauchigen Port Charlotte und dem noch rauchigeren Octomore neue Spezifikationen. Aber Reynier ist nicht allein, es sind weitere Investoren an Bord. Und die lecken Blut als Rémy Cointreau die Distillery 2012 kaufen möchte und die damals unglaubliche Summe von 58 Mio. Pfund auf den Tisch legt.

Die Distillery geht an den Konzern, die Geeks trauern, Reynier ist nur sehr bedingt einverstanden. Zwei Jahre später investiert er sein Geld in eine stillgelegte Guinness-Brauerei in Waterford und setzt fortan viele der auf Islay entwickelten Ideen in Irland um.

Brühler Whiskyhaus

Das Brühler Whiskyhaus ist durchaus ein eigenständiger deutscher unabhängiger Abfüller. Marco Bonn hat eigene Fässer, die in Schottland lagern und die er individuell finisht und reift. Er ist also nicht nur auf Broker angewiesen, sondern kann auf eigenen Stock zurückgreifen. Das führt zu eigenständigen und interessanten Abfüllungen, die über eine verschworene Internet-Community schnell vergriffen sind und – sicherlich auch aufgrund der eigenständigen, manchmal provokativen Label – stark gehypt werden. Gute Abfüllungen!