Springbank | aged 10 years | Distillery Bottling 2018

lightly peated | 46%vol.

Springbank – auch das 10jährige Einstiegsbottling ist 2021 massiv gesucht, gehypt und im Preis durch die Decke gegangen. Das ist schade, denn wenn die eigenen Vorräte irgendwann aufgebraucht sind, ist es fraglich, ob sich der Nachkauf preislich noch realistisch umsetzen lässt. Denn am Ende ist es ein 10jähriger Whisky und es stellt sich die Frage, ob der Hype gerechtfertigt ist. Diese Abfüllung stammt noch aus dem Jahr 2018. Da war das Preisgefüge noch nicht so aus dem Ruder gelaufen.

Nosing

Getreide, helle Früchte und ein Feuerhauch – Springbank hat ein typisches Aroma, das hier gut zur Geltung kommt. Die Früchte sind noch jung und und etwas grün, es kommt aber auch eine Süße, vielleicht ein Hauch Vanille und ein zarter Hauch verbrannter Nussschalen – also so müssten verbrannte Nussschalen jedenfalls riechen. Dann kommt auch frisch gepresster Orangensaft und leichte Eiche mischt sich zum Aroma. Das hat junge Aspekte – ist aber nicht jung und ist erstaunlich vielschichtig. Und der Wind weht eine Prise vom Hafen hinüber zur Brennerei.

Taste

Das ist rauchiger Oragensaft mit dem Öl, das aus der Schale spritzt, wenn sie geknickt wird. Dazu kommen Gewürze, Vanille und Muskat. Der Whisky hat alles, was einen Springbank ausmacht – aber in zarterer, flüchtigerer Form, als bei den älteren Springbanks. Dazu kommt dann die milde Eiche, keine Bitterkeit und etwas Vollmilchschokolade.

Finish

Es bleibt ein Hauch Rauch mit leicht maritimen Aspekt, es bleibt auch ein wenig Holz – für 10 Jahre ist das Finish schön und komplex.

Conclusion

Das ist immer wieder ein erstaunlicher Whisky, der für sein eigentlich junges Alter schon wunderbar komplex und reif ist, aber trotzdem junge und frische Aspekte gewahrt hat. Springbank ist ausgewöhnlich und rgt auch in Campbeltown heraus, obwohl dort alle drei Distilleries außergewöhnlich gute Whiskys machen (können, wenn sie wollen …).

Die Brennerei ist zu Recht ‚Best Distillery 2021‘ bei den OSWAs geworden. Hoffentlich sind die Whiskys irgendwann auch bei uns wieder zu halbwegs normalen Preisen zu kaufen.

86 Punkte

Potstills der Springbank Distillery | © Klaus Bölling, www.boelling.de

Springbank Distillery

foundet: 1828 | Region: Campbeltown
Owner: Springbank Distillers (J & A Mitchell)
Capacity: 750.000 litres

Quelle: Ingvar Ronde, Malt Whisky Yearbook 2021

Springbank liegt in Campbeltown auf der Halbinsel Kintyre. Hier gab es einst über 30 Distillerys – heute sind Springbank und Glengyle (die zur gleichen Besitzerfamilie gehören) und Glen Scotia geblieben. Aktuell planen J & A Mitchell eine weitere Distillery.

Springbank produziert drei Marken: Longrow ist stark georft und zweifach destilliert, Springbank lightly peated und zweieinhalbmal destilliert, Hazelburn ungetorft und dreimal destilliert.Direkt auf dem Nachbargrundstück betreibt man die Glengyle Distillery, die ihre Whiskys unter der Marke Kilkerran produziert.

Springbank macht alles so, wie wir Nerds es lieben: Keine Färbung, keine Kühlfilterung, Handarbeit ohne Automatisierung, beschäftigt werden die Menschen aus der Region, das Malz wird auf eigenen Malzböden produziert, gelagert und abgefüllt wird vor Ort. So sind unsere romantischen Träume von Whisky, hier werden sie Realität.

Die Kehrseite: Natürlich werden diese Whiskys gehypt und gesammelt – das Angebot ist zu knapp, die Preise steigen, die ‚Investoren‘ wittern ihre Chance. Und alle, die diese Whiskys einfach genießen wollen, können oder wollen sie sich nicht mehr leisten. Schade um diesen guten Stoff.