Dalwhinnie | 2005 - 2020 | The Distillers Edition

43,0%vol. | Oloroso Sherry Cask Finish | gefärbt, chillfiltered

Dalwhinnie ist eine wunderbar in den Highlands gelegene Brennerei mit Wormtubs, ebenfalls Teil der Classic Malts und damit auch in den Distillers Editions vertreten. Immerhin 15 Jahre durfte der Whisky reifen und wurde im Oloroso Cask gefinished. Natürlich gefärbt und gefiltert und mehr als 43%vol. bekommt er auch nicht spendiert. Haben wenigstens die längeren Jahre im Fass dem Whisky geholfen?

Nosing

Im Aroma kommen grasige Noten, vielleicht etwas Heu. Dahinter kommt auch Holz. Insgesamt aber nicht die Kraft, die man nach 15 Jahren bei einem Whisky erwartet. Die Früchte sind auch eher hell. Ausgeprägte Nussigkeit oder Trockenfrüchte, die bei Oloroso zu erwarten wären, fehlen. Wahrscheinlich war das Finish auch hier nur kurz und oberflächlich mit schwachen Fässern.

Taste

Süße ist vorhanden, Frucht – aber alles wirkt eher wie bei einem zu hoch verdünnten Saft. Wo ist die Schokolade, wo ist das Holz? Wo sind die Noten, die diesen Highlander besonders machen?

Finish

Ok, etwas Holz. Aber nach 15 Jahren sollte ein Whisky mehr können.

Conclusion

Was macht Diageo mit seinen Distilleries? Eine bildschön gelegene Distillery, die zu den Highlights der Whiskywelt gehören könnte, Wormtubs, die für kräftige Highland-Noten sorgen könnten – und dann wird dieses dünne Produkt als Distillers Edition abgeliefert. Immerhin weiß ich jetzt wieder, warum ich trotz einiger Jahrzehnte Whiskyerfahrung nach ersten Kontakten am Beginn, als die Classic Malt der Inbegriff guter Whisky zu sein vorgaben, nie wieder Dalwhinnie im Regal hatte. Wird wohl auch so bleiben …

82 Punkte

Dalwhinnie Distillery | © Klaus Bölling, www.boelling.de

The Distillers Edition

Die Distillers Edition war immer der heilige Gral der Whiskys. Jedenfalls damals in der Anfangszeit, als die Classic Malts ein Highlight waren und die Distillers Edition die jeweilige Steigerung. Orientiert hatte man sich am großartigen Standardwerk ‚Malt Whisky‘ von the late Michael Jackson und dem jährlichen Katalog von The Whisky Store (jetzt whisky.de). Und dann kam das Internet und wir wurden Whisky-Nerds …

Was bringt die Distillers Edition heute? Vieles was Nerds hassen: Farbe, Kühlfilterung, schwachen Alkohol und oberflächliche Finishes. Diageo Standardware statt heiligem Gral.

Dalwhinnie Distillery

foundet: 1897 | Region: Highlands
Owner: Diageo
Capacity: 2.200.000 litres

Quelle: Ingvar Ronde, Malt Whisky Yearbook 2021

Die zweithöchst gelegene Distillery in Schottland liegt oberhalb von Pitlochry genau an der A 9, der Hauptverbindung zwischen Perth und Inverness in den Cairngorm Mountains.

Der Whisky vertritt die Region Highlands in den ursprünglichen Classic Malts und ist auch in der Distillers Edition vertreten. Besonders für Dalwhinnie sind die beiden Wormtubs zur Kühlung und Kondensierung des Destillats.

Diageo

Diageo ist der weltgrößte Spirituosenhersteller und der führende Whiskyhersteller in Schottland. Dem Konzern gehören 28 Distillerys, er produziert 121.370.000 Liter Alkohol in Schottland und steht damit für 30% der schottischen Whiskyindustrie.

Der Konzern ist 1997 durch den Zusammenschluss von Grand Metropolitan und deren schottischer Whiskytochter International Distillers and Vintners (IDV) mit Guiness und deren Whiskytochter United Distillers.

Führende Marke ist Johnnie Walker, weltweit auf Platz 5 der meistverkauften Whisky (alle davor sind aus Indien, aber die weltweit führende indische Marke McDowell’s No.1 gehört ebenfalls Diageo). Weitere Blends sind z. B. Bell’s und J&B. Im Malt Sektor sind die Classic Malts legendär, die für viele der Einstieg in die Whiskywelt waren.

Quelle: Ingvar Ronde, Malt Whisky Yearbook 2021 | https://scotchwhisky.com/whiskypedia/2624/diageo/