Crisis on Islay? | Fèis Ìle 2026
Das sind keine guten Zeiten für Whisky – und das trifft natürlich auch die Whisky-Insel unserer Träume, Islay. Bereits im letzten Jahr reduzierten etliche Distilleries ihre Produktionskapazität und verlängerten die Wartungspausen. Ausreichend war das wohl eher nicht. Anfang 2026 kam dann die Schocknach-richt: Zwei der renommiertesten Islay Distilleries legen ihre Produktionsteams zusammen. Und das auf der Insel, wo zwei weitere Brennereien kurz vor der Eröffnung stehen und mindestens zwei weitere geplant sind.
Bowmore und Laphroaig, die beiden Distilleries von Suntory auf Islay, werden künftig von nur noch von einem Produktionsteam betreut. In der Realität wird das wohl heißen, dass sie künftig eher abwechselnd betrieben werden, so wie es Brown-Forman bereits mit Glenglassaugh und Benriach in der Speyside vormacht. Und auch wenn es keine betriebsbedingten Kündigungen geben soll, bietet man den Beschäftigten ein Abfindungsprogramm an. Da wird es sicherlich Beschäftigte geben, die darüber nachdenken, ob es nicht sinnvoll ist, jetzt die Abfindung zu nehmen, bevor es noch schlimmer kommt. Denn auch die umfangreichen Erweiterungspläne von Laphroaig wurden zunächst zurückgestellt.
Neben diesen auch in der Presse offensichtlichen Einschränkungen der Produktion ist unklar, wie viel die Brennereien auf Islay gerade produzieren. Wenn schon die etablierten Marken mit eingespielten Absatzmärkten Probleme haben – wie sollen sich da die neuen Brennereien etablieren? Klar interessieren die ersten Abfüllungen die Nerds und jeder will mal probieren. Aber trägt das langfristig?
2026 werden wohl zwei neue Brennereien auf Islay mit der Produktion beginnen. Die Laggan Bay Distillery hat scheinbar Portintruan überholt und wird als 11. Brennerei auf der Insel an den Start gehen. Neben den Islay Boys sind Ian Macleod Distillers am Projekt beteiligt. Die Distillery soll so um die 150.000 LPA produzieren. Das ist überschaubar – trotzdem bleibt die Frage, wo die Marktlücke für diese Brennerei ist. Aber notfalls kann der Whisky für Handelsmarken genutzt werden, die Ian Macleod herstellt.
Aber was ist mit Portintruan, der wesentlich größeren Distillery von Elixir Distillers? Dort geht es eher um 1 Mio. LPA. Auch bei Elixir gibt es Marken wie Port Askaig, für die Whisky bei anderen Distilleries, wahrscheinlich vor allem Caol Ila, zugekauft wird. Aber ganz sicher soll auch die Marke Portintruan etabliert werden. Das erhöht natürlich wieder den Druck auf die anderen Brennereien.
Und dann ist da ja auch noch immer die Planung von Pernod Ricard, die Gartbreck Distillery zu bauen. Auch das wird sicherlich kein kleines Projekt – wenn es denn konkretisiert und umgesetzt wird. Von der wesentlich kleineren Ili Distillery auf der Gearach Farm war schon lange nichts mehr zu hören – aber auch hier war die Plannung schon länger angemeldet.
Natürlich werden nach der Krise vermutlich auch wieder bessere Zeiten kommen und es wird ja ohnehin einige Jahre dauern, bis der Spirit der neuen Distilleries zu echtem Whisky gereift ist. Aber auch dann bleibt die Frage, wie sie sich zwischen den bestehenden Islay Distilleries positionieren wollen. Und eine Rückkehr des Booms der Pandemie-Jahre mit zweistelligen Zuwachsraten dürfte eher ausgeschlossen sein …
Crisis on Islay? | Fèis Ìle 2026
Die Einzeltastings gehen zwischen dem 23. Mai und dem 31. Mai jeweils um 18 Uhr online