Craigellachie | A Dream of Scotland | aged 14 years

bottled 2021 | 1st Fill Ex-Pedro Ximenez Sherry Butt | 54,1%vol.

un-chillfiltered

chillfiltered

natural colour

coloured

un-peated

peated

cask strength

Single Cask

Craigellachie ist eine Distillery, die zu John Dewar & Sons und somit zu Bacardi gehört. Die Brennerei hat eine anerkannte Core Range, ist aber auch bei den unabhjängigen Abfüllern gut präsent. Für die Core Range ist die Distillery stolz auf ihre Worm Tubs, die dem Whisky einen besonders kräftigen Charakter verleihen sollen.

Dieser Craigallachie von ADOS wurde im PX Butt gefinisht und hat eine satt dunkelgoldene Farbe, die auf Sherry-Kraft verweist. Die Hoffnung ist, dass es nicht nur süßer PX ist, sondern auch der Whisky seinen Einfluss geltend macht.

Das Etikett ziert die Rabendame mit den blutigen Händen. Dann schauen wir mal, wie blutig das Tasting wird.

Nosing

Im Aroma ist es natürlich ein unverkennbares Sherry-Finish. Die Süße ist nicht zu aufdringlich, aber da sind die eingelegten Früchte, da sind Kräuter und Gewürze, etwas Zimt und Fenchel – und da ist auch eine gemüsige Anmutung, die typisch für Craigellachie ist.

Taste

Ohne Wasser ist der Whisky etwas zu alkoholbetont und die Aromen entfalten sich nur schwer. Mit Wasser wird es besser, die Aromatik ist aber verhalten. Es kommen Schokoaromen, herbe Mousse au chocolat. Aber es fehlen die Trockenfrüchte, der Whisky ist mehr auf der herb-süßen Schokoladenseite, denn auf der fruchtigen Seite. Insgesamt wirken die Aromen aber etwas aufgesetzt und unzureichend mit dem Whisky verbunden.

Finish

Vielleicht ist der Nachklang die enttäuschendste Erfahrung: Der Whisky ist nicht sehr nachhaltig, das Holz hinterlässt wenig Eindruck.

Conclusion

Das ist ein Whisky, dessen Schwerpunkt auf dem Finish liegt, das Original Destillat ist eher nebensächlich. So ist auch kein ausgeprägter Einfluss der Worm Tubs spürbar. Allerdings gibt auch das Fass nicht so viel Tiefe und Komplexität her.
Es ist ein Whisky, der das PX-Finish nach vorne stellt. Das gibt ansprechende Aromen – ist damit aber auch etwas beliebig. Der Whisky ist lecker, er bietet aber wenig Herausforderung und er ist etwas generisch, da das Grunddestillat eine untergeordnete Rolle spielt, was schade ist, da Craigellachie einen ganz eigenen Charakter mit gemüsigen Noten entwickeln kann. Somit sind die Eindrücke auch schnell verflogen.

© Klaus Bölling, www.boelling.de

Craigellachie Distillery

foundet: 1891 | Region: Speyside
Owner: John Dewar & Sons (Bacardi)
Capacity: 4.100.000 litres

Quelle: Ingvar Ronde, Malt Whisky Yearbook 2022

Craigellachie ist eine von fünf Destillerien, die zu Dewar’s und damit Bacardi gehören. Die Distillery kühlt das Destillat mit Worm Tubs, Kupferröhren, die durch ein Wasserbad führen. Damit hat der Whisky weniger Kupferkontakt als in den modernen Kondensatoren, was zu einem schwereren, schwefligeren Whisky führt, der ggf. eine längere Reifung erfordert, dafür aber einen eigenständigen Charakter aufweist. Nur noch wenige Destillerien in Schottland nutzen diese traditionelle Technik.

Brühler Whiskyhaus

Das Brühler Whiskyhaus ist durchaus ein eigenständiger deutscher unabhängiger Abfüller. Marco Bonn hat eigene Fässer, die in Schottland lagern und die er individuell finisht und reift. Er ist also nicht nur auf Broker angewiesen, sondern kann auf eigenen Stock zurückgreifen. Das führt zu eigenständigen und interessanten Abfüllungen, die über eine verschworene Internet-Community schnell vergriffen sind und – sicherlich auch aufgrund der eigenständigen, manchmal provokativen Label – stark gehypt werden. Gute Abfüllungen!