Glen Scotia | 10 Jahre | Campbeltown Malts Festival 2021

Bordeaux Red Wine Cask Finish | 56,1%vol.

Das Campbeltown Malts Festival ist seit einigen Jahren für die Glen Scotia Distillery Anlass zur Veröffentlichung einer Sonderabfüllung, die zum Glück nicht nur vor Ort sondern auch im Whiskyhandel verfügbar ist.

Zum Festival 2021, das nur online stattfinden kann, ist es eine junge, ungetorfte Abfüllung mit einem Finish im Bordeaux Red Wine Cask. Die Farbe ist recht unspektakulär golden, ein direkter Rotweineinfluss ist eher nicht vorhanden.

Nosing

Ein Glen Scotia ohne Peat in diesem Jahr. Der Whisky kommt zunächt mit roten Frtuchtnoten an die Nase, die trotz der erst 10 Jahre dunkel und reif wirken. Es sind keine unreifen Hefenoten spürbar, der Alkohol ist gut eingebunden. Die Jugend ist allenfalls durch eine fruchtige Frische vorhanden. Kirschsaft mit einem hohen Anteil Schattenmorellen, aber nicht zu sauer, der Wein eher in Form einer Weingummi-Note. Die Aromen sind kräftig und ausgeprägt, mit Wasser kommt noch ein wenig Holz dazu.

Taste

Auf der Zunge entfaltet der Whisky neben der fruchtigen Kirscharomatik einen Aspekt von gärendem Rotwein und der trockenem Bitterkeit eines rotweingefinishtem Casks. Hinzu kommen die Noten von britischem Weingummi, etwas herber und nicht so süß. Der Whisky entwickelt einen Campbeltown-Charakter, der maritime Noten und somit Komplexität und Reife in den Whisky bringt. Dabei fahlt allerdings der etwas schmutzige Aspekt der rauchigen Glen Scotias.

Finish

Am Ende bleibt ein kirschdominiertes Bonbon mit Menthol und feinem Holz im Ausklang. Der Alkohol ist kräftig, aber nicht brennend, die Aromen bleiben durchaus etwas länger und trocken werdend im Mund.

Conclusion

Ein sehr schöner Vertreter der Festival-Serie, der den älteren und rauchigen Abfüllungen der letzten Jahre nicht nachsteht.

88 Punkte

Campbeltown auf der Halbinsel Kintyre | © Klaus Bölling, www.boelling.de

Eigentlich sollte Campbeltown an der Bar ja durch Springbank vertreten sein. Aber das ist ja gerade rum: Overhyped, overpriced, nicht zu bekommen. Aber Glen Scotia holt auf, steigert die Qualität und das Renommee.

Die jährlichen Festivalabfüllungen sind ein Muss an der Bar. Besondere Reifungen, mal getorft oder wie hier ohne Torf, gute Fassauswahl und trotzdem (noch …) zu einem fairen Preis erhältlich. Und auch tatsächlich erhältlich: Die 2021er Abfüllung ist auch Ende des Jahres in den Shops vorhanden und nächstes Jahr folgt die Nachfolgerin. Slainte!

Glen Scotia Distillery

foundet: 1832 | Region:  Campbeltown
Owner: Loch Lomond Group (Hillhouse Capital)
Capacity: 800.000 litres

Quelle: Ingvar Ronde, Malt Whisky Yearbook 2021

Drei Distillerys sind von den 1825 etwa 30 Brennereien übriggeblieben. Auch wenn vor allem Springbank gehypt wird – Glen Scotia hat sich in den letzten Jahren zu einem echten Tipp entwickelt. Noch sind die Whiskys bezahlbar und verfügbar. Aber sie geraten leider immer mehr in den Fokus.

Aktuell gehört die Brennerei zur Loch Lomond Group, die wiederum der chinesischen (Hongkong) Kapitalgesellschaft Hillhouse Capital gehört.