Tobermory | aged 12 years | Original Bottling

Single Malt Scotch Whisky

46,3%vol. | 1st Fill Ex-Bourbon & Virgin Oak

un-chillfiltered

chillfiltered

natural colour

coloured

un-peated

peated

cask strength

Single Cask

Zuletzt habe ich den 12jährigen Tobermory hier vor vier Jahren verkostet und war nicht sonderlich begeistert. Nun habe ich noch ein Sample im Vorrat – eine gute Gelegenheit den Klassiker aus der Core Range mal wieder zu probieren. Denn es müssen ja nicht immer die Single Casks sein. Immerhin ist der Tobermory wohl ein ungefärbter und nicht kühlgefilterter Whisky, die Farbe passt zur Reifung in 1st Fill ex-Bourbon und Virgin Oak. Die peated Whiskys der Distillery, also die Abfüllungen mit dem Namen Ledaig, gefallen mir meist sehr gut. Zu den ungetorften Tobermorys habe ich noch nicht so richtig den Zugang gefunden.

Nosing

Im Nosing hat der Whisky eine frische Note, helle Früchte, allerdings auch herbe Fruchtschalen sind spürbar. Es ist eine Mentholnote vorhanden, obwohl der Alkohol die nicht zu starken 46,3%vol. der Burn Stewart Bottlings hat. Diese Note vermischt sich mit dem Holz, es könnte auch eine Pfeffrigkeit sein, die vom Virgin Oak kommt. Die Holzwürze ist eher herb mit Bitterstoffen und dominiert über Vanille und Honignoten, die im Hintergrund bleiben. Junge New-Make-Noten werden nach einiger Zeit im Glas schwächer und geben der würzigen Vanille mehr Platz. Es kommen jetzt auch frische Zitrus-Aromen. Insgesamt wirkt der Whisky aber eher jung als reif.

Taste

Die Pfeffrigkeit bleibt auch im Geschmack und die Eichenwürze aus den frischen Fässer ist vorhanden. Ich finde diesen Holzcharakter störend. Im alten Tasting fand ich das Holz muffig – das habe ich hier nicht, es ist aber etwas zu stark in der Würzigkeit und erinnert eher an eine schlecht conchierte, billige Schokolade. Es deutet sich eine vanillige Cremenote an, die dann aber von der pfeffrigen Schärfe oder auch scharfem Nelkenöl verdrängt wird. Auch ein paar Tropfen Wasser helfen wenig, der Whisky bleibt eher verschlossen, zumindest was Fruchtaromen und Süße angeht, die bei einer Bourbon-Reifung zu erwarten wären.

Finish

Tatsächlich bleiben die scharfen Bestandteile im Mundraum vorhanden, etwas Holz und wenig Vanille, der Nachklang ist ingesamt trocken.

Conclusion

Auch beim zweiten Tasting überzeugt mich der Whisky nicht. Er ist nicht schlecht – aber ich suche nach einem Argument, warum ich ihn kaufen sollte und kann es nicht finden. Vielleicht hätte man auf Virgin Oak verzichten sollen und den Whisky nur in guten ex-Bourbon-Fässern reifen sollen. So ist der Whisky irgendwie sehr eindimensional und wenig komplex.

Tobermory Lighthouse Cottage, Isle of Mull | © Klaus Bölling, www.boelling.de

Tobermory Distillery

founded: 1798 | Region: Islands (Highlands)
Owner: CVH Spirits
Capacity: 1.250.000 LPA

LPA: Litres of Pure Alcohol

Quelle: Ingvar Ronde, Malt Whisky Yearbook 2026

Tobermory Distillery in der gleichnamigen pittoresken Stadt auf der Isle of Mull gehörte zu Burn Stewart Distillers bevor diese zunächst von einem karibischen Finanzinvestor übernommen wurden und 2013 an die südafrikanische Distell Group verkauft wurden. Wie alle ehemaligen Burn Stewart Whiskys werden die Tobermory Standards mit 46,3%vol. abgefüllt.

Burn Stewart war nicht Bestandteil der Übernahme der Distell Group durch Heiniken und ging daher im April 2023 in CVH Spirits (Capevin Holding) auf.

Die Distillery produziert zwei Marken. Unter dem Brennereinamen Tobermory werden die nichtrauchigen, ungetorften Whiskys abgefüllt. Und unter der Marke Ledaig erscheinen stark rauchige eigenständige Abfüllungen, die bei den Fans sehr beliebt sind. Ledaig ist der Name unter dem John Sinclair die Brennerei 1798 gründete.

2019 wurde die Brennerei nach einer zweijährigen grundlegenden Überarbeitung wiedereröffnet.