Ben Nevis | 2011 - 2021 | Signatory Un-Chillfiltered Collection

matured in Bourbon Barrels | 46,0%vol. | Ralfy recommended

Dieser Ben Nevis ist Ralfy recommended. Die Ikone der Whisky-Vlogger hat ihm 90 Punkte gegeben und dies auch transparent begründet. Das ist ein Ritterschlag für die unabhängige Abfüllung von Signatory Vintage, die ohne Schnickschnack in Bourbon Barrels gereift wurde und auch Anfang November 2021 für unter 50 € erhältlich ist. Und das sollten wir nicht als Schnäppchen betrachten, sondern als ehrlichen Preis für einen ehrlichen, 10 Jahre alten Whisky.

Hier erfüllt Signatory schon in den Grunddaten das, was wir von einem unabhängigen Abfüller erwarten: Ehrliches Alter, ehrliche Reifung, keine Färbung – auch nicht durch nasse, künstlich aufgeladene Fässer, keine Kühlfilterung. Reeler Whisky zu einem reelen Preis. Also das Gegenteil der modernen Whiskywelt …

Nosing

Das Gegenteil der modernen Whiskywelt: Keine aufgeladenen, übertriebenen Aromen. Hier wurde im guten Bourbonfass gereift. Das bringt Vanillearomen, das bringt Frucht und das stützt den kräftigen Highlandcharakter von Ben Nevis. Der Whisky ist kräftig und voluminös, das Grunddestillat ist sicherlich nicht zu filigran, sondern bringt die Kraft und Stärke der Highlands. Die hellen Früchte und die deutliche Birne gehen hier in Richtung alter Obstsorten, denen Bitterkeit und Säure nicht weggezüchtet wurden, die eine feste, herbe Schale aufweisen. Dies könnte der Grundcharakter von Ben Nevis kombiniert mit der fruchtigen Vanille der Fässer sein.

Taste

Im Geschmack ist der Whisky kräftig und präsent, die 46%vol. sind keinesfalls zu schwach. Sie tragen Aromen reifer Äpfel und Birnen – allerdings auch hier die alten Landsorten der Streuobstwiese und nicht die parfümigen Derivate im Supermarkt. Im Hintergrund ist immer die herbe Note, die die ebenfalls vorhandene Süße konterkariert und den Whisky damit komplexerer und voluminöser macht.

Das ist alles nicht alt und durchgereift, da ist ein wilder, jugendlicher Einschlag, da sind keine gezähmten Aromen, das ist ein Whisky, der aktiv ist, der herausfordert.

Finish

Der Nachklang ist geprägt von herben Holz- und Malztönen, die sich zu einem Marzipanaroma vereinen. Das sind Bitterstoffe – allerdings nicht die der elend bitteren Totholzfässer, sondern die herbe Aromen des Windes im Tal unterhalb des Ben Nevis.

Conclusion

Das ist nicht der Whisky für den Abschluss des Abends im tiefen Samtsessel (Leder ist aus ethischen Gründen abzulehnen!) vor dem Kamin. Aber es ist der Whisky, vor dem Abschluss, es ist der Whisky für die engagierte Debatte, für die pointierte Meinung, der Whisky für die lebendige Freude am komplexen Leben, das auch herbe Momente bietet, bittere Realitäten, die aber allemal besser sind, als süßliche Ausgewogenheit oder der fadenscheinige, grob aufgetragene Glanz.

Geschwafel beiseite: Ralfy hat Recht (was ja auch niemand ernsthaft in Zweifel ziehen würde): Dieser Integrity Whisky hat 90 Punkte mehr als verdient.

90 Punkte

Glefinnan near Fort William | © Klaus Bölling, www.boelling.de

Ben Nevis​ Distillery

foundet: 1825
Owner: Nikka, Asahi Breweries
Capacity: 2.000.000 litres

Quelle: Ingvar Ronde, Malt Whisky Yearbook 2021

Ben Nevis ist eine prägnante Distillery, die an der schottischen Westküste unterhalb des höchsten Berges in Great Britain einen ausdrucksstarken Highland Malt brennt. Die Distillery gehört seit 1989 zum japanischen Nikka-Konzern.

Mit dem Boom der ‚japanischen‘ Whiskys wurde immer mehr Whsiky aus Schottland nach Japan gebracht und dort japanisiert. Nikka from the Barrel ist eigentlich ein Nikka from Ben Nevis.

Ob es mit der Änderung der japanischen Whiskyregularien künftig mehr Ben Nevis geben wird? Die Hoffnung besteht, aber die Regularien sind weich. So wird auch weiterhin Ben Nevis in den japanischen Blends von Nikka  verschwinden.

 

Signatory Vintage

Der unabhängige Abfüller wurde 1988 von Andrew Symington gegründet. Ursprünglich sollten berühmte Persönlichkeiten die Abfüllungen unterzeichnen (Signatory), was aber wohl nie stattfand.

2002 übernahm Andrew Symington die Edradour Distillery von Pernod Ricard. Dort lagern heute auch viele der Signatory Fässer.