Glenallachie | aged 10 years | Cask Strength Batch 6

PX/Oloroso Puncheons/Rioja Barrique/Virgin Oak | 57,8%vol. | Bottled 2021

Was auch immer in den von Pernod-Ricard mit der Brennerei übernommenen Lagern so in den Fässern schlummert – Billy Walker packt es in neue Fässer und bringt in hohe Frequenz neue Abfüllungen auf den Markt, der die Whiskys mit Wohlwollen aufsaugt. So auch die 10jährigen Cask Strength Abfüllungen, hier bereits als Batch 6. Die dunkle Farbe zeigt schon, dass hier nicht an den Fässern gespart wurde. PX, Oloroso, Rioja und Virgin Oak, Respekt, da hat er sich ausgetobt der Herr Walker. Hat es sich gelohnt?

Nosing

Ja, dieser Whisky ist aufgeladen, das offenbart schon die erste flüchtige Annäherung ans Glas. Aufgeladen mit satten Sherry-Aromen, aufgeladen mit einer Weinnote, die vom Rioja stammen wird und aufgeladen mit satter Vanille. Eine Fülle von Aromen – subtil ist das nicht … Dazu kommt kräftiger Alkohol, nicht stechend, eher kühlend frisch.

Im Hintergrund und mit etwas Abstand vom Glas ist das auch angenehm modrig gärend mit Weingummi. Den Whisky kann man gut stehen lassen und immer mal wieder dran schnüffeln. Dabei kann man dann überlegen, ob das too much ist. Da man dann aber schon wieder schnüffeln möchte und auch endlich einen Schluck trinken will, ist es auf jeden Fall lecker und vielversprechend.

Taste

Okay, auf der Zunge ist der Alkohol mächtig und schiebt die Aromen kräftig nach vorn, löscht sie dann aber auch wieder aus. Hier wird Wasser gebraucht. Auch mit Wasser bleibt er mächtig mit einem öligen Mundgefühl. Insgesamt ist der Whisky halt jung, die Aromen sind stark aber noch nicht ineinander verwoben. Das ist etwas für die Freund:innen klarer, kräftiger Sherry-Whiskys. Durch die Weinfässer und das Virgin Oak kommen weitere Komponenten dazu. Ist schon ein bisschen ein brachialer Aromenhammer, der mit süßem Waldhonig beginnt und über einen kräftigen Vanilletee zum trockenen, in Holz ausgebauten Rotwein schwenkt.

Finish

Alle Aromen sind nicht sehr lange anhaltend, bleiben aber doch als ausschleichender Nachklang mit alkoholischer Kraft im Mundraum aktiv.

Conclusion

Man kann sicherlich darüber streiten, ob das große Whisky-Makers-Kunst ist. Diese Glenallachies leben von ihrer Fassstärke und den aktiven Fässern, in denen sie nachgereift werden. Aber gut ist es dann doch irgendwie und lecker ist es auch. Und eine gewisse Komplexität ist ja auch vorhanden. Also ist es auf jeden Fall ein guter Whisky.

Die Batches 5 und 6 sind in ihrer brachialen Finishkraft ähnlich, Batch 5 ist aber etwas fruchtiger mit einer starken Vanille-Pflaumen-Marillen Komponente. Das Masterpiece von Billy Walker bleibt trotzdem der alte 18er Allardice. Das war ein Sehnsuchtswhisky …

87 Punkte

Highlands | © Klaus Bölling, www.boelling.de

The Glenallachie Distillery

foundet: 1967 | Region: Speyside
Owner: The Glenallachie Distillers Co.
Capacity: 4.000.000 litres

Quelle: Ingvar Ronde, Malt Whisky Yearbook 2022

The Glenallachie Distillery ist eine junge Distillery, die nach der Whiskykrise 1989 von Chivas/Pernod Ricard übernommen und reaktiviert wurde. Die Whiskys wanderten vor allem in Blends.

Die Whiskynerds wurden 2017 auf die Distillery aufmerksam, als sie von einem Konsortium um den legendären Billy Walker übernommen wurde, nachdem er Glendronach und Co. an Brown Forman verkauft hatte (oder dies auf Druck seiner mitinvestoren tun musste …).

Billy Walker ist der Held der Wood Finishes – und das lebt er auch bei Glenallachie aus, in dem er die übernommenen Fässer mit besonderen Finishes aufwertet.

Und jetzt sind alle auf den ersten neuen Billy-Walker-Glenallachie gespannt …