Glencadam | aged 17 years | Reserva de Porto

Ex-Bourbon American Oak, Port Pipe Finish | 46,0%vol.

Glencadam läuft noch etwas unter dem Radar, was sicherlich auch daran liegt, dass Angus Dundee als unabhängiger Abfüller eher für Bulk-Whiskys und Hersteller von Blends für Handelsmarken aber nicht so sehr für exquisite Einzelfässer steht. Aber Glencadam tritt zunehmend aus dem Schatten und ist hier mit einem 17 Jahre alten Port Pipe Finish im gehobenen Preissegment von ca. 140 € präsent. Mit einem Whisky, der auf 46%vol. verdünnt wurde! Das ist ambitioniert.

Nosing

In der Nase kommen schöne fruchtige Weinnoten, die sich auf der Vanille-Basis der primären Bourbon-Fässer ausbreiten. Da sind rote Weingummiaromen, es kommen aber auch dunkelfruchtige reale Brombeeren. Grundlage ist ein süß-fruchtiger Pflaumensaft, der dick und süß ist und eine Fruchtsäure als regulierendes Moment erhalten hat.

Taste

Die 46%vol. sind durchaus präsent und der Whisky präsentiert sich im Geschmack nicht alt und ausgeruht, sondern durchaus mit fruchtig-spritziger Präsenz. Da ist der Pflaumensaft, das Weingummi kommt, die konkreten Früchte fehlen allerdings. Das Fass zeigt sich auch, bleibt aber flüchtig. Irgendwie ist das alles ok, will aber nicht so richtig zünden.

Finish

Das Finish hat das Problem, dass ich während dem Verkosten den Spaß am Whisky verloren habe und mir Gedanken über den Preis mache. Aber tatsächlich kommt auch im Nachklang nichts Außergewöhnliches, kein Highlight, kein Aromenblitz. Das ist guter Whisky, der wie andere Whiskys auch mit einer schönen Schokonote ausklingt. Und dann ist er weg und im Kopf bleibt die Frage, warum das 140 € wert sein soll.

Conclusion

Ok, der Whisky schmeckt. Aber er ist sicherlich nicht außergewöhnlich und die 17 Jahre sind schön aber ebenfalls nicht herausragend. Und 46%vol. sind im Grunde Grundvoraussetzung für jeden Whisky, der mehr als 30 € kostet. Das ist ein Whisky, der mit 95 € sehr gut bezahlt wäre. 140 € sind unverschämt und nehmen vollkommen die Lust, sich mit dem dem Tropfen oder der Destillerie über das Sample hinaus weiter zu beschäftigen.

Bisher hatte ich bei Glencadam immer das Problem, nicht wirklich zu wissen, wofür die Distillery steht. Irgendwie ist das alles ok – aber ist es auch toll? Dieser Whisky ist definitv zu teuer und fällt somit durch.

85 Punkte

Highlands, Loch Tummel | © Klaus Bölling, www.boelling.de

Glencadam Distillery

foundet: 1825 | Region:  Highlands
Owner: Angus Dundee Distillers
Capacity: 1.300.000 litres

Quelle: Ingvar Ronde, Malt Whisky Yearbook 2022

Glencadam gehört dem unabhängigen Abfüller Angus Dundee. Angus Dundee besitzt auch die Distillery Tomintoul. Zwei Distilleries, die Entwicklungspotential haben.

Die 1825 gegründete Brennerei kam 1954 zur Firma Hiram Walker und wurde 1987 mit dieser von Allied Lyons übernommen, zu der u. a. die Marken Ballentine’s, Teacher’s und Laphroaig gehörten. Aus Allied Lyons wurde 1994 nach der Übernahme des Sherry- und Brandy-Produzenten Pedro Domecq der Konzern Allied Domecq, welcher 2005 von Pernod Ricard geschluckt wurde.

Glencadam wurde 2000 von Allied Domecq stillgelegt und 2003 an den unabhängigen Abfüller Angus Dundee verkauft, der die Distillery als Hersteller guter Single Malts etablieren will.