Bruichladdich | 2011 | Bere Barley

1st fill Bourbon Casks Jim Beam, Jack Daniels | 50,0%vol. | 10 years

Ein Islay Malt mit Gerste von Orkney ohne Rauch – dafür aber 10 Jahre alt? Das ist auf jeden Fall etwas besonderes. Bere Barley ist eine Besonderheit der Orkney Inseln hoch im Norden, wird von den dortigen Destillerien aber nicht verwendet. Arran hatte mal einen Bere Barley, regelmäßig verwendet wird das schwierig zu kultivierende Getreide aber nur von Bruichladdich. Es gab mal eine Version mit Bere Barley von Islay – mittlerweile greift man aber wieder auf Ernten aus Orkney zurück. Zwei meiner Lieblingsinseln in einer Flasche: Das wird interessant.

Nosing

Im Aroma kommen Getreide mit Hefe, Teignoten und saure Früchte. Der Whisky ist frisch, Alkohol nicht spürbar, trotz der 50%vol. und nach 10 Jahren ist auch noch kein Holz zu spüren. Die 1st fill Bourbon Casks haben nur leichte Vanille hinterlassen, dazu kommen grasig-grüne Noten und etwas Herbstlaub mit Erde. Über allem liegt eine süße Note von hellen noch nicht ganz reifen Mirabellen. Nach einiger Zeit werden die Aromen herber, jetzt kommt auch die Eiche und die Vanille entwickelt sich stärker.

Taste

Beim ersten Schluck sind Mirabelle und Reneklode präsent, erst beim zweiten Schluck kommen Vanille und Holz dazu. Mit 10 Jahren hat dieser Bere Barley eine deutlich reifere Aromatik als einige Vorgänger Abfüllungen, die getreide- und hefelastiger waren. Hier sind auch im Geschmack Fruchtnoten von gelben Pflaumen und Vanillepudding, der die Säure der Pflaumen etwas dämpft und einfängt. Dazu kommen aber auch die grasig-erdigen Noten, die aber nicht im Vordergrund stehen.

Finish

Das Holz bleibt vor allem im Finish mit leichter Bitterkeit, ist aber insgesamt noch frisch und unverbraucht. Der Nachklang ist eher mittellang und nicht anhaltend und nachhaltig.

Conclusion

Das ursprüngliche Getreide aus dem hohen Norden gibt diesem Whisky einen besonderen Aspekt mit, eine Erdigkeit und getreidige Frische. Es sind aber immer auch tiefe Wolken mit Regen und feuchter Erde vorhanden, die gut zu Isdlay und Orkney pasasen. Auch ohne direkten Vergleich ist dieser Bere Barley runder und reifer als Vorgängerversionen.

87 Punkte

Bruichladdich Distillery, Isle of Lslay| © Klaus Bölling, www.boelling.de

Bruichladdich Distillery

foundet: 1881 | Region: Islay
Owner: Rémy Cointreau
Capacity: 1.500.000 litres

Quelle: Ingvar Ronde, Malt Whisky Yearbook 2021

Eine Distillery mit allen Geschichten über Glanz und Elend der Whiskyindustrie. Nach etlichen Besitzerwechseln wird die Brennerei 1995, damals im Besitz von Whyte & Mackay, geschlossen. Und es beginnt eine der großen Geschichten des Whiskys.

2000 kauft Murray McDavid, der unabhängige Abfüller mit Mark Reynier als einem der Investoren, die Distillery. Reynier wird der Mastermind, der die Distillery mit Jim McEwan and the late Duncan McGillivray zu neuem Leben und Glanz erweckt und mit Wine Cask Finishes und Fassexperimenten die Whiskyszene aufmischt.

Bruichladdich wird zu einem Kreativpool und entwickelt mit dem rauchigen Port Charlotte und dem noch rauchigeren Octomore neue Spezifikationen. Aber Reynier ist nicht allein, es sind weitere Investoren an Bord. Und die lecken Blut als Rémy Cointreau die Distillery 2012 kaufen möchte und die damals unglaubliche Summe von 58 Mio. Pfund auf den Tisch legt.

Die Distillery geht an den Konzern, die Geeks trauern, Reynier ist nur sehr bedingt einverstanden. Zwei Jahre später investiert er sein Geld in eine stillgelegte Guinness-Brauerei in Waterford und setzt fortan viele der auf Islay entwickelten Ideen in Irland um.