Caol Ila | A Dream of Scotland | Limburg 2022

54,7%vol. | aged 10 years | Italian Red Wine Cask Finish | Messebottling

un-chillfiltered

chillfiltered

natural colour

coloured

un-peated

peated

cask strength

Single Cask

Whisky for Two – zwei Whiskys, getastet an zwei aufeinander folgenden Tagen und ein paar Gedanken über das Tasting hinaus.

A Dream of Scotland again. Marco Bonn veröffentlicht neue Abfüllung in recht hoher Frequenz – und sie sind ruckzuck ausverkauft. Und tatsächlich stammten einige der leckersten Caol Ilas, die ich bisher hatte, aus dem Brühler Whiskyhaus. Dies ist ein 10jähriger, der im italienischen Rotweinfass nachgereift wurde. Das ist ein recht weit gespannter Begriff, sei’s drum – der Whisky schimmert leicht rötlich und könnte Spaß machen.

Nosing

Klar fragt man sich immer wenn solch ein Whisky an die Nase kommt: Warum gibt man sich mit irgendwelchen blassen Bourbon-Reifungen ab? Von den spektakulären Dreijährigen wollen wir gar nicht wieder anfangen. Überhaupt, warum gibt man sich mit Whiskys ohne Rauch ab? Das hier ist rauchige Rotwein-Creme mit feiner Vanille und da will man eigentlich nichts anderes mehr im Glas haben. Der Rauch trägt das Aroma und gibt ihm Kraft, kaschiert die Süße und die in Rotwein eingelegten Süßkirschen, Mangos und Aprikosen. Das ist schon gut …

Taste

Der Alkohol ist im Geschmack gar nicht so mächtig, der Whisky geht auch unverdünnt lässig über die Zunge. Mit ein paar Tropfen Wasser wird er aber noch lässiger und entwickelt die süße Fruchtaromatik besser. Und mein Trauma bei italienischen Weinfässern? Nein, hier finde ich keinen Schwefel. Darauf einen erleichterten weiteren Schluck. Die Rotwein-Creme mit Früchten ist auch im Mund präsent, hier kommt aber noch eine herbe Schokolade mit etwas Kakaostaub hinzu.

Finish

Zum Ende hin wird der Caol Ila wie ein guter italienischer Rotwein trocken, es bleibt der aschig-mineralische Caol Ila Rauch. Ja, der Whisky macht Spaß, den kann man genießen, riechen, schmecken, darüber philosphieren und dann trinkt man ihn und träumt von der wunderbaren Hebrideninsel an der schottischen Westküste. Oder von der Toscana – Hauptsache, man träumt. Und trinkt.

Conclusion

Auch das ist ein ruppiger Islay-Whisky, den der Rotwein gebändigt hat und der Eleganz versprüht. Auf dem Etikett ist eine elegante Dame mit Zylinder und Zigarette – aber in Wirklichkeit ist sie eine tätowierter Punkerin, die über die Finesse trockener Rotwein philosophiert – aber erst, wenn sie eine gute Portion süßer Rotwein-Creme gegessen hat. Ein Whisky für einen besonderen Abend. Aber eigentlich ist ja jeder Abend besonders.

Kilnaughton Bay, Port Ellen, Isle of Islay | © Klaus Bölling, www.boelling.de

Caol Ila Distillery

foundet: 1846 | Region: Islay
Owner: Diageo
Capacity: 6.500.000 litres

Quelle: Ingvar Ronde, Malt Whisky Yearbook 2022

Die größte Brennerei der Isle of Islay produziert für die Blends von Diageo die Whiskys, die Tiefe und Struktur geben. Aber auch eine eigene Range von Single Malts wird zunehmend gehypt.

Die wirklich guten und herausragenden Abfüllungen finden sich dabei wie so oft bei Diageo bei den unabhängigen Abfüllern, die auf die Färbe- und Filtertricks der Industrie verzichten, dafür aber über die guten Fässer verfügen.

Das Brennhaus wurde Anfang der 1970er Jahre neu gebaut und hat eine große Fensterfront vor den Brennblasen, durch die man über den Sound of Islay zur nahen Nachbarinsel Jura blickt.

Brühler Whiskyhaus

Das Brühler Whiskyhaus ist durchaus ein eigenständiger deutscher unabhängiger Abfüller. Marco Bonn hat eigene Fässer, die in Schottland lagern und die er individuell finisht und reift. Er ist also nicht nur auf Broker angewiesen, sondern kann auf eigenen Stock zurückgreifen. Das führt zu eigenständigen und interessanten Abfüllungen, die über eine verschworene Internet-Community schnell vergriffen sind und – sicherlich auch aufgrund der eigenständigen, manchmal provokativen Label – stark gehypt werden. Gute Abfüllungen!