Glendronach | aged 18 years | Allardice

Single Malt Scotch Whiskey

46,0%vol. | bottled 2013 | Spanish Oloroso Sherry Casks | created by Billy Walker

un-chillfiltered

chillfiltered

natural colour

coloured

un-peated

lightly peated

cask strength

Single Cask

Glendronach Allardice war für mich eine große Entdeckung und der Eintritt in eine neue Whiskywelt. Der Held war Billy Walker, der es in kurzer Zeit schaffte, Glendronach zu einem der gehypten Whiskys zu machen. Der 15er Revival war großartig, der 18er Allardice hervorragend, der 21er Parliament war Luxus. Eine Marke deckte viele Ansprüche und Versprechungen ab. Dann kam Brown-Forman, dann kam Rachel Barrie und nicht lange danach war der Ruf von Glendronach bei den Nerds ruiniert. Das war 2016. Dieser Abfüllung stammt aus dem Jahr 2013, ist also das Werk von Billy Walker. Der nahm die Whiskys, die er bei der Übernahme von Glendronach vorfand und füllte sie zur Nachreifung in Sherryfässer. Der Allardice reifte in spanischen Oloroso Sherry Casks. Er war in dieser Zeit für mich der Inbegriff von einem 18jährigen Whisky mit reifen und starken Aromen. Ob das ein Jahrzehnt später noch immer so ist?

Nosing

Das ist natürlich eine massive Sherryreifung, daran lässt die erste Nase keinen Zweifel. Da ist Holz, da sind die Sherryaromen, reife, dunkle Früchte, Malz und Kräuterzucker, Würze. Dann entwickeln sich die Früchte besser, es kommt Pfirsich, Mango ist vorhanden, Kirschen sind da und Pflaumenmus mit Gewürzen.

Taste

Im Mund ist der Whisky kräftig und dunkel, da sind Nussschalen, bittere Schokolade, angebranntes Karamell mit gerösteten Nüssen. Dann kommen sehr reife Kirschen und Brombeeren, schwarze Johannisbeeren sind da – aber die Früchte sind angegoren und nicht zu süß. Dazu kommt Schokolade. Das Holz ist kräftig mit trockenem Kakao.

Finish

Im Nachklang bleibt Holz am Gaumen, da ist Kirschkonfitüre, da ist Blockmalz. Der Whisky endet trocken, die Aromen werden dann aber wieder fruchtiger, es ist auch würziges, angebranntes Pflaumenmus am Gaumen.

Conclusion

Sherrybombe ist eigentlich ein Schimpfwort geworden – aber dies ist eine Sherrybombe. Eine gute Sherrybombe. Das ist nach wie vor ein besonderer Whisky. Klar, hier überwiegt das Fass, aber trotzdem sind die Aromen gut verwoben, trotzdem sind sie nicht zu aufgesetzt, sondern entwickeln sich dann eigenständig. Das Fass bringt eben nicht nur die Würze der spanischen Eiche, es hat auch die dunklen Früchte und die Nussigkeit, die für eine schöne Oloroso-Reifung sorgt. Dafür hatte Billy Walker bei Glendronach einfach ein Händchen.

Es ist eine schöne Erinnerung, diesen Whisky als Sample zu haben. Und es ist gut, noch eine weitere Flasche im Regal zu haben. Vielleicht passt der Whisky heute gar nicht mehr in die Zeit, auch ich bevorzuge eher die subtileren Reifungen. Aber es war ein reifer 18jähriger Whisky, den man sich leisten konnte, der kein Luxus war, der getrunken werden sollte.

Bealach Ratagan Viewpoint, Loch Duich | © Klaus Bölling, www.boelling.de

Glendronach Distillery

founded: 1826 | Region:  Highlands
Owner: Benriach Distillery Co (Brown-Forman)
Capacity: 2.000.000 LPA

LPA: Litres of Pure Alcohol

Quelle: Ingvar Ronde, Malt Whisky Yearbook 2026

Kurze Zeit hat Glendronach viele Träume der Whiskygemeinde erfüllt und wunderbare Whiskys produziert. Es war die Geschichte einer Konzernbrennerei, die unabhängig wird, aufblüht und dann wieder in die Hände eines Konzerns fällt, um zu verblassen. Whiskykapitalismus eben …

2008 verkauft Pernod Ricard die Distillery an die Eigentümer der Benriach Distillery, eine Investorengruppe um den genialen Whiskymaker Billy Walker. Glendronach produziert unter dessen Ägide ikonische, sherrybetonte Whiskys, die erschwinglich bleiben und qualitativ hoch bewertet werden. Ein Traum für die Whiskynerds, der hielt, bis der amerikanische Konzern Brown Forman seine Hände ausstreckte und die Investoren ihre Rendite wollten.

Billy Walker ging und übernahm Glenallachie. Der Konzern und kurz danach Rachel Barrie kamen, die Whiskys wurden unerschwinglich und ihre Qualität ermüdete … Schade!