Glendronach | aged 21 years | Parliament

Oloroso & Pedro Ximénez Sherry Casks | 48,0%vol. | Bottling 2015

Ein Whiskytraum, der leider zu Ende geht. Diese wunderbare Flasche habe ich 2016 zum Einzelpreis von 99,95 € gekauft – und da Allardice und Revival mit dabei waren, gab es inkl. Rabatt alle drei für 199 €. Ich habe das damals nicht als großes Schnäppchen verstanden, sondern als ordentlichen Preis für einen Whisky, den ich mir nicht alle Tage leiste. Das ist noch nicht lange her und daran sollten wir uns immer erinnern, wenn uns die Kolleg:innen im Whiskytube weismachen wollen, irgendein hergelaufener Glendingsbums sei fair bepreist, weil er in einem schmierigen Sherryfass lag und jetzt 130 € kostet. Beim gleichen Händler würde das gleiche Paket heute mit aktuellen Abfüllungen und dem gleichen Rabatt ca. 365 € kosten. Das ist Abzocke und verdirbt den Spaß am Whisky. Bald ist die Flasche leider leer und dieser Whiskytraum zu Ende geträumt. Eine neue Flasche Parliament wird es wohl nicht mehr geben.

Nosing

Schönheit und Eleganz, das sind Attribute, die ich diesem Whisky im Nosing zuschreiben würde. Da ist kräftiger Sherry. Er kommt aber nicht mit einer süßen Aufdringlichkeit an die Nase, weil hier klug mit den Fässern gearbeitet wurde und Oloroso und PX für eine feine Harmonie sorgen. Das ist ein Whisky für die Festtage, der bereits in der Nase selbstbewusst und elegant auftritt. Unterlegt ist das Ganze mit sauren Fruchtaromen, getrockneten Aprikosen mit Zimt und gerösteten Mandeln. Schwarze und rote Johannisbeeren sind dabei – aber nicht als saurer Saft, sondern als süßer Gelee.

Taste

Im Antritt hat der Whisky mit 48%vol. ordentlich Kraft ohne zu brennen, dann entfaltet sich das Aromenspektrum mit reifem Sherry, Weingummi und würzigen Aromen mit Anis, Zimtrinde und Kräutern. Die Aromen verteilen sich gut im Mund und sind ineinander verwoben, hinzu kommt ein Wechselspiel aus Würze und Süße, dass diesen Whisky süffig macht, ohne dass er oberflächlich wird. Auch im Geschmack unterstreicht der Parliament, dass er ein Whisky für die Festtage ist, wenn feinere Aromen gewünscht sind. Auch Weihnachtsaromen mit Honig-Lebkuchen und Spekulatius sind vorhanden.

Finish

Auch wenn der Schluck längst durch die Speiseröhre verschwunden ist, bleibt im Mund noch ein wohliger Sherryhauch, der mit gutem Holz und feiner Würze am Gaumen haftet.

Conclusion

Revival, Allardice und Parliament waren das Dreigestirn der herausragenden Whiskys – und man konnte sie sich leisten, öffnen und genießen. Der Parliament ist dabei der Festtagswhsiky, der feiner, eleganter und tiefgründiger als die beiden anderen ist. Der Alladice ist würziger und nussiger, lässt dafür aber die Eleganz des Parliament etwas missen. Das ist einfach ein toller Whisky und man muss ihm leider eine Träne nachweinen. Mit Billy Walker gab es bei Glendronach eine kurze, prachtvolle Blüte. Brown Forman wird erfolgreich sein und sicherlich hochprofitabel die Distillery neu aufstellen. Aber der Charme und die Magie sind verflogen. Es ist eine weitere überteuerte Marke mit nivellierten Whiskys. Noch drei, vier Drams – dann ist die Flasche leer und der Traum erst einmal vorbei. What a pity.

Highlands near Blair Atholl | © Klaus Bölling, www.boelling.de

Glendronach Distillery

foundet: 1826 | Region:  Highlands
Owner: Benriach Distillery Co (Brown Forman)
Capacity: 2.000.000 litres

Quelle: Ingvar Ronde, Malt Whisky Yearbook 2022

Kurze Zeit hat Glendronach viele Träume der Whiskygemeinde erfüllt und wunderbare Whiskys produziert. Es war die Geschichte einer Konzernbrennerei, die unabhängig wird, aufblüht und dann wieder in die Hände eines Konzerns fällt, um zu verblassen. Whiskykapitalismus eben …

2008 verkauft Pernod Ricard die Distillery an die Eigentümer der Benriach Distillery, eine Investorengruppe um den genialen Whiskymaker Billy Walker. Glendronach produziert unter dessen Ägide ikonische, sherrybetonte Whiskys, die erschwinglich bleiben und qualitativ hoch bewertet werden. Ein Traum für die Whiskynerds, der hielt, bis der amerikanische Konzern Brown Forman seine Hände ausstreckte und die Investoren ihre Rendite wollten.

Billy Walker ging und übernahm Glenallachie. Der Konzern und kurz danach Rachel Barrie kamen, die Whiskys wurden unerschwinglich und ihre Qualität ermüdete … Schade!