Aberlour | 2012 - 2023 | Signatory Vintage

Single Malt Scotch Whisky

58,5%vol. | aged 11 years | Two 1st fill Oloroso Sherry Butts | Archangel No. 2 | bottled for Kirsch Import

un-chillfiltered

chillfiltered

natural colour

coloured

un-peated

peated

cask strength

Single Cask

Ok, ich habe es dann doch gemacht. Eigentlich bin ich mit solchen Abfüllungen ziemlich durch. Sherrybombe, teurer Dekanter, an den Haaren herbeigezogene Serie, fragwürdiges Etikett – absurder Preis. Und diese Abfüllung erfüllt alle Kriterien. Ein Erzengel mit Kapuze ohne Gesicht. Echt jetzt? Kapuze ohne Gesicht darf der Tod von Ruthe! Dazu eine schlecht lesbare Fraktur-Schrift. Kann man sich kaum schlimmer ausdenken. Aber es gab den Whisky in einer Teilung zweier Aberlour-Abfüllungen. Und die zweite hat mich wirklich interessiert. Und ein bisschen neugierig war ich dann doch auch auf diese hier.

Abgefüllt wurden zwei 11jährige Oloroso Sherry Butts, also kein Single Cask, 58,5%vol, die Farbe nicht so schrecklich dunkel – vielleicht schafft es Signatory ja doch mal wieder, eine überzeugende Abfüllung zu machen. Verkauft wird der Whisky ab 125 € etwas unter UVP von 129,90 € ist. Whisky frisch aus der Preistreiberei …

Nosing

Im Nosing würzige Sherry Noten mit frischem, kräftigem Alkohol, etwas brennend, dazu deutliches Holz, das aber nicht zu stark ist. Vielleicht etwas Kirschkuchen mit würzigem Teig, wenig Süße, kaum Schokolade oder Nougat, dafür Anklänge von (echtem) Lakritz. Im Kirschkuchen sind jetzt auch frische Orangenzesten und Orangeat. Das ist ein nettes Aroma, allerdings recht verschlossen, holzlastig und nicht allzu tief und komplex.

Taste

Im Mund ist der Alkohol dann trotz Verdünnung zu stark, der Whisky hat dadurch ein recht dünnes Mundgefühl und wenig Aromen. Das Holz ist vorhanden und tatsächlich ganz nett, dann aber weg und es kommen keine anderen Aromen. Das ist etwas verstörend. Wo ist der Kirschkuchen? Das Irre ist – es blitzen zwischendurch schöne, fruchtige Noten auf, die aber sofort wieder hinter einer dann undurchdringlichen Wand aus Alkohol und Holz verschwinden.

Finish

Das dünne Mundgefühl spiegelt sich auch im Nachklang wieder. Da ist etwas Holz das verschwindet, dann bleibt ein leicht adstringierendes Gefühl und etwas alkoholische Schärfe.

Conclusion

Das ist nicht die Erwartung an Aberlour, der in seinen originalen Abfüllungen ja trotz Konzernfirlefanz wie Farbe und Filterung oft ganz nette Sherryabfüllungen hervorbringt. Dies ist eine Abfüllung, die irgendwie nicht fertig ist. Aber wahrscheinlich war sie auch gar nicht zum Trinken gedacht. Vier Erzengel und vier apokalyptische Reiter sind geplant, die gesammelt und ungeöffnet in den Schrank gestellt werden können. Ein wunderbares Geschäft. Und wahrscheinlich ist es tatsächlich das Beste, diese Flasche geschlossen zu lassen. Denn es wird schwierig, sich diese Flasche schön zu reden und teuer, sie sich schön zu trinken. Um solche Abfüllungen sollte man einen Bogen machen – aber das wusste ich ja vorher.

Aberlour Distillery, Charlestown of Aberlour, Speyside | © Klaus Bölling, www.boelling.de

Aberlour Distillery

founded: 1879 | Region: Speyside
Owner: Chivas Brothers Ltd (Pernod Ricard)
Capacity: 3.800.000 litres

Quelle: Ingvar Ronde, Malt Whisky Yearbook 2022

Aberlour gehörte zu Campbell Distillers, die bereit 1974 von Pernod Ricard übernommen wurden. Aberlour wurde zur führenden Whisky-Marke des Konzern in Frankreich.

2001 übernahm Pernod Ricard dann auch Chivas Brothers und vereinte unter dieser Gesellschaft die schottischen Whiskyaktivitäten.

Aberlour steht für sherrygereifte Speyside-Whiskys und hat eine Reihe verschieden alter Abfüllungen in der Core Range. Leider sind sie gewöhnlich gefärbt und kühlgefiltert.

Signatory Vintage

Der unabhängige Abfüller wurde 1988 von Andrew Symington gegründet. Ursprünglich sollten berühmte Persönlichkeiten die Abfüllungen unterzeichnen (Signatory), was aber wohl nie stattfand.

2002 übernahm Andrew Symington die Edradour Distillery von Pernod Ricard. Dort lagern heute auch viele der Signatory Fässer.

Das Sample für dieses Tasting stammt aus einer Flaschenteilung des Whisky-Tubers Peter Woessmann vom Kanal Whisky Turntable, dessen Verkostungsvideo ich hier verlinke, da auch er beide Whiskys miteinander verglichen hat.