Caol Ila | 21 Jahre | Brühler Whiskyhaus

Bourbon Hogshead | 48,3%vol. | Bottling 2021

Angeregt durch das heutige Video von Malts & Metal eine Teatime mit einem Caol Ila aus der A Dream of Scotland Reihe des Brühler Whiskyhauses, der nicht in irgendeinem Süßwein gefinisht wurde, sondern klassisch für 21 Jahre im Bourbon Hogshead reifte. Bei einer verbliebenen Fassstärke von 48,3%vol. hat der Whisky ordentlich geatmet, die strohgoldene schöne Farbe spricht für Refill.

Nosing

Klassisch ist auch das Aroma des Whiskys. Hier kommt zunächst der wunderbare Caol Ila Rauch, der kräftig ist, aber nicht die wilde Qualmigkeit der Südküsten-Whiskys hat. Auch die 21 Jahre Reifung haben dem Rauch ein paar Ecken weggenommen, ohne ihn zu sehr zu zähmen. Dahinter kommt die Fruchtigkeit mit einer dezenten Süße, reife Birnen, weiche Äpfel und Vanillemark. Etwas Pfirsich und Mango sind auch vorhanden, die Aromen sind aber dezent mit dem Understatement eines gereiften Whiskys. Der Rauch umhüllt und trägt die Fruchtaromen, Alkohol ist an der Nase als leichte Mentholnote spürbar und weht die Aromen sanft in die Nase.

Taste

Im Mund braucht der Whisky Zeit, sich zu entfalten. Er kommt mit einer leichten Vanillesüße (echte Bourbon-Vanille, kein stechendes Vanillin), dann legt sich der Rauch auf den Gaumen und in die Wangen, verbindet sich mit den Früchten zu einem schönen, rauchigen Fruchtkompott mit weißen Pfirsichen. Der Alkohol führt zu einer leicht pfeffrigen Würze. Ein paar geschälte Mandeln und etwas weiße Schokolade sind auch vorhanden, darüber ein Hauch abgeriebener Zitronenschalen.

Direktes Alter ist eher nicht spürbar, der Whisky ist durchaus süffig mit einem süßen Unterton, der vom Rauch eingefangen wird.

Finish

Das Finish ist nicht außergewöhnlich intensiv, auch hier ist das Alter eher untergeordnet. Der Rauch bleibt einige Zeit, ist aber mild und aschig, der Nachklang endet vanillig-süß ohne Adstringenz oder spürbare Trockenheit. Es bleibt auch eine kräutrige Würzigkeit mit leichtem Pfeffer unter der dann wieder die Vanillesoße oder auch weiße Schokolade hervorkommt.

Conclusion

Das ist ein leckerer Whisky, der nicht vom Fass dominiert wird und somit seine Grundaromatik gut ausspielen kann. Es ist keine wirklich alter Whisky, das Fass hat in den 21 Jahren eher dezent gearbeitet, was aber kein Nachteil ist. So ist ein wunderbarer, klassischer Caol Ila entstanden, der auch nach 21 Jahren noch eine schöne Islay-Kraft hat, die aber feiner ausdefiniert ist als bei den jüngeren Whiskys der Insel.

Mit der dezenten Süße und leichten Eleganz passt er auch zur sonntäglichen Teatime am Nachmittag. Ob man die dann aber mit der Dame auf dem Etikett des Whiskys (have a look at Whiskybase …) verbringen möchte, kann man sich bei einem weiteren Schluck Caol Ila in Ruhe überlegen.

88 Punkte

Port Askaig, Isle of Islay | © Klaus Bölling, www.boelling.de

Caol Ila Distillery

foundet: 1846 | Region: Islay
Owner: Diageo
Capacity: 6.500.000 litres

Quelle: Ingvar Ronde, Malt Whisky Yearbook 2021

Die größte Brennerei der Isle of Islay produziert für die Blend aber auch eine eigene Range und wird zunehmend gehypt.

Inzwischen finden sich viele gute Abfüllungen bei den unabhängigen Abfüllern.

Das Brennhaus wurde Anfang der 1970er Jahre neu gebaut und hat eine große Fensterfront vor den Brennblasen, durch die man über den Sound of Islay zur nahen Nachbarinsel Jura blickt.

Brühler Whiskyhaus

Das Brühler Whiskyhaus ist durchaus ein eigenständiger deutscher unabhängiger Abfüller. Marco Bonn hat eigene Fässer, die in Schottland lagern und die er individuell finisht und reift. Er ist also nicht nur auf Broker angewiesen, sondern kann auf eigenen Stock zurückgreifen. Das führt zu eigenständigen und interessanten Abfüllungen, die über eine verschworene Internet-Community schnell vergriffen sind und – sicherlich auch aufgrund der eigenständigen, manchmal provokativen Label – stark gehypt werden. Gute Abfüllungen!