Speaker Hoyle's Select | aged 12 years | Murray McDavid

46,0%vol. | bottled 2020 | 1st fill Bourbon Barrels | Glen Moray Distillery

un-chillfiltered

chillfiltered

natural colour

coloured

un-peated

peated

cask strength

Single Cask

Man stelle sich vor, die Präsidentin des Deutschen Bundestags, Bärbel Bas, würde einen Whisky – oder in Deutschland eher Weizenkorn – auswählen, der dann unter ihrem Namen im Berliner Reichstag verkauft wird. Unvorstellbar! Nicht so in UK: Dort gibt es den Speaker’s Select.

Ok, Speaker Lindsay Hoyle ist der Nachfolger des legendären Speakers John Bercow, dessen ‚Order‘ Rufe der einzige Lichtblick in den Brexit-Debatten waren und natürlich hätte ich dessen Select lieber. Seit etlicher Zeit erscheinen in UK Whiskys der Speaker, die im House of Commons gekauft aber nicht getrunken werden dürfen. Denn für die Abgeordneten gilt Alkoholverbot im Parlament, was man angesichts der Debatten und Entscheidungen manchmal nicht glauben mag.

Abgefüllt wird der Whisky von Murray McDavid und auch wenn es nicht drauf steht, ist es wohl ein Glen Moray aus Elgin in der Speyside. Er ist nicht gefärbt und nicht kühlgefiltert.

Nosing

In der Nase kommen reife Äpfel und Birnen, Zitronencreme mit etwas holziger Bitterkeit. Dazu kommt Vanille – es ist eine klassische ex-Bourbon-Reifung. Etwas frisches Gras, aber auch Heu und Malz.

Taste

Im Geschmack hat er etwas pfeffrige Schärfe, es kommt Holz – trotzdem ist der Geschmack etwas dünn in meinen Augen. Es könnte mehr Vanille kommen, wenn es 1st fill ist. Das Holz ist vorhanden, bleibt auch auch etwas diffus. Kakao, leicht angebranntes Karamell, das für ein wenig Bitterkeit sorgt. Viel Süße und Früchte finde ich nicht, eher Würze und Kräuter. Wasser möchte ich nicht zugeben, denn einige Aromen finde ich bereits leicht wässrig.

Finish

Er hat am Ende eine Holznote, die mit leichter Bitterkeit und etwas Kakao und Karamell am Gaumen bleibt. Der Nachklang ist eher trocken und leicht adstringierend mit etwas Schärfe.

Conclusion

Insgesamt ist es ein netter Whisky zum Trinken, ein Whisky, der von der Assoziation mit den Speakern und dem britischen Parlamentarismus lebt. Als Whisky ist er irgendwie weniger auffällig, als es die Speaker sind. Trotzdem ist es beruhigend, dass es bei allen Debatten über Political Correctness, Gesundheit etc. in UK den Speaker’s Select gibt. Wir sollten bei uns darüber nachdenken, wegen mir könnte es auch ein guter Obstbrand sein. Wie wohl der Whisky von John Bercow war?
© Klaus Bölling, www.boelling.de

Glen Moray Distillery

founded: 1897 | Region: Speyside
Owner: La Martiniquaise
Capacity: 5.700.000 litres

Quelle: Ingvar Ronde, Malt Whisky Yearbook 2023

Die Distillery ging 2004 mit der Glenmorangie plc an den Luxuskonzern LVMH, wurde von diesem aber 2008 an La Matiniquaise, den zweitgrößten französischen Sprituosenkonzern, bzw. dessen schottische Whiskysparte Glen Turner verkauft.

Wurde die Distillery bei Glenmorangie plc nicht wirklich wahrgenommen, so steigen die Umsätze mit Single Malt inzwischen an. Glen Turner produziert die Blends Label 5, Cutty Sark und Sir Edward’s.

Murray McDavid

Murray McDavid war ursprünglich die Company von Mark Reynier und seinen Mitinvestoren, die dann später auch Bruichladdich übernahmen. Damit war der unabhängige Abfüller für kurze Zeit im innovativen Zentrum der Whiskywelt. Aber das ist lange Whiskygeschichte.

2012 wurde Bruichladdich zusammen mit Murray McDavid  an Remy Cointreaux verkauft, 2013 wechselte Murry McDavid zu Aceo Ltd., die zuvor vor allem als Zulieferer für die Whiskyindistrie bekannt waren.

Heute versucht sich der unabhängige Abfüller wieder am Markt zu etablieren. Die Fässer lagern in den Warehouses der ehemaligen Coleburn Distillery in der Speyside. Die Farbe Türkis hat man aus den wohl großen Zeiten beibehalten .-..