Bowmore | Twelve Years Old

40,0%vol.

un-chillfiltered

chillfiltered

natural colour

coloured

un-peated

peated

cask strength

Single Cask

Fèis Ìle, Mitte der Woche: Zeit für einen unspektakulären Standard-Whisky.

Bowmore, die älteste Brennerei auf Islay, eine Distillery, die legendäre Whiskys erschaffen hat und heute Beispiel für die ganze Erbärmlichkeit der Konzern-Whiskys ist: Die Whiskys sind gefärbt bis zum Gehtnichtmehr, auf jeder Flasche werden die unter dem Meeresniveau liegenden No.1 Vaults erwähnt, in denen nur der geringste Anteil der Bowmore Whiskys lagern kann und statt mit Integrität zu werben, suggeriert man Luxus durch Werbung mit Aston Martin. Und so hat auch dieser 12jährige eine Farbe, als käme er aus den feinsten Sherry-Fässern – von denen er so wenig gesehen hat wie von den No.1 Vaults – und bietet nicht mehr als die Mindeststärke von 40%vol. Aber ab und zu muss man halt auch mal einen Industriewhisky probieren.

Nosing

An der Nase ist der Bowmore gar nicht schlecht. Die Brennerei hat einen durchaus wiedererkennbaren Rauch, der wärmer und runder ist, als der der anderen Distilleries auf Islay. Mir erscheint er weniger maritim, weniger medizinisch-qualmig. Dazu kommt etwas Zitrusfrische mit ein wenig abgeriebener Zitronenschale und einer Prise Vanille. Durch den schwachen Alkohol wird der angenehme Geruch aber nur sehr dünn und schwach aus dem Glas getragen. Trotzdem schön im Nosing.

Taste

Der Geschmack kann dann leider mit dem Nosing nicht mithalten. Die Raucharomen allein sind hier zu wenig, es fehlt die Frucht, es fehlt die Süße. Der Rauch bräuchte eine Grundlage, auf der er sich entfalten kann, Aromen, die er kontrastieren und verstärken kann. Ein paar Vanillenoten sind vorhanden, aber viel kommt nicht. Und auch hier fehlt neben den Aromen der Alkohol, der sie tragen könnte, wären sie vorhanden. Also ist es vielleicht sogar besser, dass er nur 40%vol. hat …

Finish

Ohne den Rauch wäre dieser Whisky nichts, das ist der Vorteil auch dieser Islay-Abfüllung. Der Rauch muss alle fehlenden Aromen ersetzen, was aber nur teilweise gelingt. Die Fässer hatten jedenfalls nicht mehr viel beizusteuern, es kommt etwas Muffigkeit, das war’s. Der Whisky endet trocken mit adstringierenden Noten.

Conclusion

Ohne E 150a wäre dieser Whisky wahrscheinlich heller als das Wasser aus Islays Bächen, die wenigstens der Torf färbt. Ok, er ist für unter 30 € erhältlich und hat ein definiertes Alter, das muss man ihm zu Gute halten. Und durch den tatsächlich ganz schönen Rauch kann er so nebenbei genossen werden und ist dabei sicherlich wesentlich schmackhafter, als ein Speyside-Äquivalent ohne Rauch. Das könnte eine tolle Brennerei sein, hätte sie tolle Besitzer und nicht Beam Suntory.

Bowmore, Isle of Islay | © Klaus Bölling, www.boelling.de

Bowmore Distillery

foundet: 1779 | Region: Islay
Owner: Beam Suntory
Capacity: 2.150.000 litres

Quelle: Ingvar Ronde, Malt Whisky Yearbook 2022

Bowmore ist die älteste der aktiven Islay Distilleries. Wahrscheinlich war sie eine der Brennereien, die bereits früh in eigenem  Besitz und nicht von Pächtern oder gar schwarz betrieben wurde.

Wie bei vielen Islay Destillen wechseln die Besitzer öfter. In den 1960er Jahren geht sie an Stanley P. Morrisson und die Firma Morrisson-Bowmore entsteht. 1989 steigt der japanische Konzern Suntory mit 35% ein, 1994 übernimmt der Konzern die Kontrolle über Morrisson-Bowmore. 2014 übernimmt Suntory den amerikanischen Konzern Beam, zu dem bereits die Islay Distillery Laphroaig gehört. Somit hat Beam Suntory zwei der legendärsten Islay Distilleries untzer Kontrolle. Und somit produzieren zwei großartige Islay-Brennereien Industrie-Whisky – gefärbt, kühlgefiltert und marketinggetrieben.