Williamson | 2011 - 2021 | Asta Morris

Ex Sherry Cask | 59,9%vol. | Blended Islay Malt Whisky

un-chillfiltered

chillfiltered

natural colour

coloured

un-peated

peated

cask strength

Single Cask

Fèis Ìle läuft, wir sind mitten in der Woche, die Luft ist etwas raus, Realität hält Einzug. Die nächsten beiden Tage gehören der japanese-american-friendship: Beam Suntory. Los geht es bei Laphroaig. Und damit wenigstens etwas Glamour aufkommt, soll es ein unabhängiger Laphroaig werden. Der heißt dann Williamson, Bessie Williamson.

So ein wenig schlagen da die Hype-Sensoren natürlich an: Williamson! Bessie Williamson war die Frau der schottischen Whisky-Industrie: Vom 2. Weltkrieg bis zur Rente 1972 bestimmte sie die Geschicke der Laphroig Distillery auf Islay. Und ist damit sicherlich die Mutter des Erfolgs der heutigen amerikanisch-japanischen Konzern-Brennerei (bye bye Romantic). Aktuell ist der Name Williamson die Marke für unabhängig abgefüllte Laphroaigs, die nicht als Single Malt erscheinen dürfen, sondern teaspooned sind. Sind wir mal gespannt, welchen Teaspoon wir hier so herausschmecken …

Nosing

In der Nase ist nicht der Teelöffel dominierend, sondern der Rauch. Laphroig Rauch? Meine Güte, so sophisticated bin ich gar nicht. Islay Rauch! Süßer Islay Rauch, der maritim aber gar nicht so medizinisch ist, der eine Fruchtkomponente hat, hinter der ein gerüttelt Maß gärender Fruchttrester gammelt, was aber nicht negativ auffällt. Also eine schöne, fruchtig-süß-maritime Islay-Note. Mit Puderzcker kandierter Kelp auf dem Lagerfeuer am Strand.

Taste

Natürlich tun dem Whisky bei 59,9%vol. ein paar Tropfen Wasser gut. Aber irgendwie geht es notfalls auch ohne. Also bei Wasserknappheit oder so, soll man ja nix verschwenden. Die Süße gibt den Aromen ausreichend Halt, um gegen den Alkohol bestehen zu können. Klar, am Ende bedanken sich die Aromen für ein paar Tropfen, die das Feuer löschen und sie besser zur Geltung kommen lassen.

Finish

Am Ende bleibt verbranntes Karamell. Das gibt es ja immer mal wieder bei Laphroig, es wurden aber auch ein Gummistiefel und eine Ladung eitrige Binden karamellisiert. Und damit das Karamell nicht gänzlich verbrennt, wurde es mit einem Schwapp Wasser aus der Bucht zwischen der Distillery und der kleinen Isle of Texa und ein paar kräftigen Stängeln Kelp abgelöscht. Lecker!

Conclusion

Vielleicht kein typischer Laphroaig, vielleicht ein Laphroaig ohne all den medizinischen Kram. Aber man will doch auch nicht immer in der jod-klebrigen Ambulanz sitzen und an den Binden saugen, oder? Lecker, Islay, Punkt. Warum rennen eigentlich alle diesem parfümierten Triple Wood nach, der berechtigterweise ausläuft?

Laphroaig ist toll – aber auch Laphroaig könnte wirklich großartig sein, wenn es nicht Konzernbeute wäre. Was sollen all diese totgefärbten Brühen? Islay ist eine wilde, tolle Insel. Hier waren Schwarzbrenner zu Hause und keine Farbpanscher!

Finlaggan, Sitz der Lords of the Isles | © Klaus Bölling, www.boelling.de

Laphroaig Distillery

foundet: 1815 | Region: Islay
Owner: Beam Suntory
Capacity: 3.300.000 litres

Quelle: Ingvar Ronde, Malt Whisky Yearbook 2022

Laphroaig ist eine der klassischen Islay Distillerys. Auch wenn aktuell massig neue Distillerys auf Islay gegründet werden – Laphroaig bleibt einzigartig. Der Rauch dieser Brennerei ist krasser, hat stärkere maritime Einflüsse und eine medizinische Komponente.

Laphroaig gehört zu den wenigen Destillen, die noch einen Teil ihres Malzes selbst herstellen und mit eigenem Torf trocknen. So sieht man hier auch regelmäßig den Kiln qualmen.

Prince Charles ist einer der Fans dieser Destille, was irgendwie gut passt. Zudem ist er der legitime Nachfahre der Lords of the Isles, die ihren Sitz auf Islay hatten. Und somit ist Laphroaig vielleicht ‚der Islay Malt‘ – auch wenn andere mehr Publicity machen.