Kilchoman | 100% Islay | 11th Edition

26 Bourbon Barrels & 7 Oloroso Sherry Butts | 50,0%vol.

Die 11. Edition des 100% Islay von Kilchoman enthält wieder mehr Sherry als der Vorgänger. Statt zwei sind hier gleich sieben Sherry Butts im Vatting. Das macht sich in der Farbe deutlich bemerkbar, der Whisky ist erkennbar kräftiger bernsteinfarben. Ansonsten gilt auch hier wie jedes Jahr: Gerste von der eigenen Rockside Farm, die seit 2015 auch der Distillery gehört, gemälzt und peated in der Distillery, gelagert, gereift und abgefüllt auf Islay. Regionaler geht es nicht … Das ist der Stoff für die Islay-Freaks.

Nosing

Der höhere Sherryanteil macht sich im Geruch bemerkbar. Waren die zwei Sherry Butts in der 10th Edition kaum auffällig, sind die 7 Butts der 11th Edition deutlich zu riechen. Der Rauch wirkt dadurch zunächst dezenter, kombiniert sich gut mit Kräuteraromen, Kräuterbonbons mit etwas Menthol oder auch leichtem Hustensaftaroma. Das wirkt aber nicht aufgesetzt, sondern harmoniert gut mit dem trockenen Rauch. Dazu kommen ein paar Rosinen und Feigen und der maritime Anklang von kandiertem Kelp (gibt es das? Wenn nicht, ist hier eine Marktlücke, dieses Produkt muss in Islay angeboten werden!).

Taste

Im Geschmack ist der Whisky zunächst trocken und störrisch, kann sich mit dem ersten Schluck noch nicht richtig entwickeln. Mit etwas Wasser öffnet er sich besser, jetzt kommt zum Rauch auch ein fruchtige Note – und ja, auch hier ist etwas kandierter Kelp oder ist es eine stark getrocknete Pflaume, die schon etwas angegammelt war? Egal, ist lecker.

Insgesamt war die 10th Edition straighter und kräftiger rauchig. Hier mildert eine feinherbe Trockenfruchtigkeit den Rauch etwas ab – der bleibt aber trotzdem mächtig.

Finish

Im Finish kommt etwas Holz mit Rauch, der den Mund ausfüllt, es bleibt auch der Nachklang des Kräuterhustenbonbons. Es ist ein Whisky, der den Abend abschließen sollte, damit der Rauch am Gaumen haften bleiben kann.

Conclusion

Die 10th Edition war die Variante für die Arbeitswoche auf Islay, die 11th Edition ist für den Sonntag, an dem man auch arbeiten muss, die Matschstiefel aber nicht mit in die Stube bringt. Aber Gäste kommen heute nicht. Es ist ein schöner, kräftiger Islay Whisky mit trocken-herbem Sherry. Etwas mehr Eleganz als bei der 10th Edition – insgesamt bleibt es aber robuster Tweed von der Farm. Für den festlichen Sonntag gibt es ja den Loch Gorm.

87 Punkte

Rockside Farm, Isle of Islay | © Klaus Bölling, www.boelling.de

Kilchoman Distillery

foundet: 2005 | Region: Islay
Owner: Kilchoman Distillery Co. (Anthony Wills)
Capacity: 650.000 litres

Quelle: Ingvar Ronde, Malt Whisky Yearbook 2022

Islay boomt – hier entstehen permanent neue Distillerien, Stand Herbst 2021 ist wohl die 12te auf der kleinen Insel in Planung. Inzwischen rebellieren die Einwohner, den Infrastruktur und Wohnungsmarkt sind diesem Boom nicht gewachsen.

Als 2005 Kilchoman als kleine Farm Distillery und die einzige Islay Distillery, die nicht am Meer liegt, eröffnet wurde, war es die erste neue Distillery seit 124 Jahren und die achte aktive auf Islay.

Die Distillery auf dem Gelände der Rockside Farm, die Brennereieigentümer Anthony Wills 2015 von den Vorbesitzern gekauft hat, produziert einen Teil ihrer Gerste selbst und mälzt auch einen Teil selbst. Der Rest wird von Port Ellen Maltings bezogen und entspricht der Ardbeg Spezifikation. Kilchoman macht also klassisch rauchigen Islay Malt.

Die Namen der Abfüllungen in der Core Range orientieren sich an benachbarten Landmarken (Machir Bay, Sanaig, Loch Gorm). Daneben gibt es jeden Menge Sonderabfüllung und spezielle Reifungen in Weinfässern.

2019 wurde die Distillery massiv erweitert  und produziert nun auf zwei zusätzlichen Stills die doppelte Menge Islay Whisky. Islay boomt …