Islay South Coast | aged 14 years | A Dream of Scotland 'Shortie'

Single Malt Whisky

55,1%vol. | bottled 2023 | Refill Sherry Cask Matured | undisclosed Ardbeg | Brühler Whiskyhaus

un-chillfiltered

chillfiltered

natural colour

coloured

un-peated

peated

cask strength

Single Cask

Der kleine Jack Russell Terrier Shortie mutig im Boot auf grünlich tosender See – an welche Distillery der Südküste Islays soll man dabei nur denken. Der Whisky reifte im Refill Sherry Cask, da steht nirgends etwas von einem Finish. Und da man natürlich an eine Distillery denken muss, die davon lebt, junge NAS Whiskys mit abenteuerlicher Story zu ebensolchen Preisen auf den Markt zu bringen, erscheinen die 154,50 € Ausgabepreis für eine 14jährige Vollreifung irgendwie erklärlich. Spaß machen sie trotzdem nicht. Aber wer hat schon Spaß in diesen Zeiten? Die See stürmt, die Schiffe schlagen leck. Aber Shortie wird es schaffen und sicher an der Islay South Coast landen.

Nosing

Ein zunächst etwas verschlossener Whisky, der seine Aromen etwas widerwillig herausrückt. Aber dann kommen sie, der Rauch ist kräftig, weniger ölig, mehr mineralisch, insgesamt etwas salziger als bei zwei zuvor verkostenten Whiskys aus der Distillery eine Bucht weiter westlich. Die Refill Sherry Aromen sind fester eingebunden als bei einem Finish. Es kommt Karamell mit Mangocreme und Mandeln, vielleicht ein Hauch süßer Fenchel, etwas Anis-Dragee.

Taste

Das ist eine Vollreifung, hier haben sich die Aromen über 14 Jahre miteinander verwoben. Da ist eine dunkle Schokolade mit Splittern von Mokkabohnen, dazu kommt gelber Pfirsich mit Gewürzen, Fenchel und Anis sind wieder da, ebenso die Mandelcreme, etwas Rafaello. Aromen, die dann durch den mineralisch-maritimen Rauch richtig lecker werden.

Finish

Die cremige Süße bleibt im Hintergrund spürbar während sich im Mund eine herbe Trockenheit ausbreitet und den Gaumen mit dem martimen Rauch vergühter Algen auskleiden. Sorry, der Whisky entzieht sich einer einfachen, nüchternen Beschreibung.

Conclusion

Während die beiden Portfinishes zuvor auf den ersten Schluck brilliert haben, ist dies ein Whisky wie die Queen of the Hebrides herself. Man muss seine Schönheit entdecken, dann lässt er einen nicht mehr los. Der Whisky ist wild und schön, da ist der bedrohliche Sturm mit allem Getöse und Rauch. Aber der kleine, süße Hund wird sicher ankommen. Aus dieser Diskrepanz bezieht der Whisky seine Stärke. Kaum vorstellbar, dass die alterslosen Marketing-Ardbegs jemals diese Kraft und Reife erreichen können.

Port Ellen, Islay South Coast | © Klaus Bölling, www.boelling.de

Ardbeg Distillery

founded: 1815 | Region: Islay
Owner: The Glenmorangie Co (Moët Hennessy)
Capacity: 2.400.000 litres

Quelle: Ingvar Ronde, Malt Whisky Yearbook 2023

Ardbeg ist eine der klassischen Islay Brennereien, an deren Standort bereits vor der Etablierung der jetzigen Brennerei 1815 gebrannt wurde.

1981 wurde die Brennerei geschlossen, 1989 wurde die Produktion wieder aufgenommen, um 1996 erneut zu schließen. Ein Jahr später übernimmt Glenmorangie Co die Distillery und führt sie zu neuem Ruhm.

Heute gehört sie zu den Distilleries, die mit Sonderabfüllungen einen massiven Hype auslösen und für diese Whiskys Phantasiepreise erlösen können. 2021 wurde die Produktionskapazität verdoppelt. Trotz Hype und verachtenswerten Sonderabfüllungen verfügt die Brennerei über eine ordentliche, bodenständige Core Range, was den Ärger über die Eskapaden etwas besänftigt. Allerdings ist die Schraube irgendwann überdreht …

Brühler Whiskyhaus

Das Brühler Whiskyhaus ist durchaus ein eigenständiger deutscher unabhängiger Abfüller. Marco Bonn hat eigene Fässer, die in Schottland lagern und die er individuell finisht und reift. Er ist also nicht nur auf Broker angewiesen, sondern kann auf eigenen Stock zurückgreifen. Das führt zu eigenständigen und interessanten Abfüllungen, die über eine verschworene Internet-Community schnell vergriffen sind und – sicherlich auch aufgrund der eigenständigen, manchmal provokativen Label – stark gehypt werden. Gute Abfüllungen!