Burnside | aged 24 years | The Fine Art of Whisky

Blended Malt Whisky

52,1%vol. | bottled 2023 | Refill Bourbon Cask | Brühler Whiskyhaus

un-chillfiltered

chillfiltered

natural colour

coloured

un-peated

peated

cask strength

Single Cask

Burnside? Eine Distillery mit diesem Namen gab es bis 1924 in Campbeltown – aber mit ihr hat dieser Whisky nichts zu tun. Burnside heißen heute teaspooned Whiskys der Balvenie Distillery in Dufftown und der Teelöffel Whisky der zugegeben wird, um aus einem Single Malt einen Blended Malt zu machen, dürfte von Glenfiddich oder Kininvie, den beiden anderen, auf dem gleichen Gelände beheimateten William Grant & Sons Brennreien stammen – falls man sich tatsächlich die Mühe gemacht hat, einen Schluck anderen Whisky ins Fass zu gießen.

Wie auch immer, jetzt ist es ein Blended Malt ohne direkt benannte Distillery, was den Preis, der mit 188,90 € trotzdem jenseits der Wohlfühlzone angesetzt ist, ggf. etwas im Rahmen hält. Der Whisky ist 24 Jahre alt, stammt aus dem Refill Bourbon Cask und hat eine kräftige, nicht zu dunkle, goldene Farbe. The Fine Art of Whisky ist die Reihe für die subtileren Abfüllungen des Brühler Whiskyhauses.

Nosing

In der Nase hat der Whisky ein volles Aroma mit eingekochten, weichen Birnen, etwas Nelke auf echtem Vanille-Pudding. Dazu kommen dann reife, rote Früchte, süßer Apfel, vielleicht etwas Papaya. Darunter liegen auch Gewürze, etwas Kardamom zur Nelke – im Vordergrund stehen aber die Früchte. Die Gewürze geben Tiefe und brechen die Süße. Es kommen auch ein paar Citrusnoten, am ehesten Blutorange oder Pink Grapefruit.

Taste

Im Mund ist der Whisky ölig mit fruchtiger Süße, Karamell und Tropenfruchtgummi. Etwas Wasser macht ihn weicher, zu den Früchten kommen die Gewürze, Nelke und Orangenschale, dann auch Holz, das aber eher dezent am Gaumen haftet. Zum Ende kommen mehr Noten von Schokolade mit Gewürzen, Orangenschalen und einem Hauch Chili. Der Whisky ist cremig, aber nicht zu süß. Und auch ohne Wasser ist er wunderbar zu trinken.

Finish

Der Nachklang hat Schokolade und Gewürze, ist aber ebenfalls verhalten. Trotzdem bleiben schöne Aromen im Mund, das Ende ist nicht zu trocken, die Eiche wird nicht alt und muffig.

Conclusion

Das ist tatsächlich ein eher subtiler Whisky, dessen Aromen sich langsam erschließen, der dezent bleibt. Auch das Holz ist verhalten, es ist vorhanden, wird aber nicht muffig, sondern unterstreicht die anderen Noten. So ist es eine schöne Entwicklung von einem reif-fruchtigen Antritt zu einem eher schokoladig-würzigen Nachklang. Es ist ein leckerer, gut gereifter Whisky mit feinen Aromen. Aber es ist natürlich auch ein teurer Whisky.

Scarfskerry, North Coast | © Klaus Bölling, www.boelling.de

Balvenie Distillery

founded: 1892 | Region: Speyside
Owner: William Grant & Sons
Capacity: 7.000.000 litres

Quelle: Ingvar Ronde, Malt Whisky Yearbook 2023

Balvenie ist eine der großen Dufftown Distilleries und befindet sich auf dem gleichen Gelände wie die beiden anderen William Grant Brennereien in Dufftown: Glenfiddich und Kininvie. Rechnet man die Kapazität zusammen, hat William Grant allein an diesem Standort die Möglichkeit, knapp 33 Mio. Liter Single Malt zu brennen.

Balvenie kommt dabei die Rolle zu, die luxoriöseren Malt zu brennen, was sich dann auch in der Preisrange niederschlägt. Unter dem Namen Burnside erscheinen unabhängig abgefüllte teaspooned Blended Malts, deren Hauptbestandteil Balvenie sein dürfte.

Brühler Whiskyhaus

Das Brühler Whiskyhaus ist durchaus ein eigenständiger deutscher unabhängiger Abfüller. Marco Bonn hat eigene Fässer, die in Schottland aber auch in der Eifel lagern und die er individuell finisht und reift. Er ist also nicht nur auf Broker angewiesen, sondern kann auf eigenen Stock zurückgreifen. Das führt zu eigenständigen und interessanten Abfüllungen, die über eine verschworene Internet-Community schnell vergriffen sind und – sicherlich auch aufgrund der eigenständigen, manchmal provokativen Label – stark gehypt werden. Gute Abfüllungen!