Islay South Coast | 21 Jahre | "1816" Zombie Lady

Lagavulin | Manzanilla Sherry Butt Finish for 24 Months | 51,6%vol. | Brühler Whiskyhaus | 2021

A Dream of Scotland – die Whiskys von Marco Bonn und dem Brühler Whiskyhaus spalten sicherlich. Da gibt es die quietschsüßen Abfüllungen aus der Speyside, die manchmal nerven. Da ist der erbärmliche Hype um innerhalb weniger Minuten ausverkaufte Abfüllungen – und die folgenden Rants über Flipper etc. Und dann gibt es die Islay Abfüllungen …

South Islay heißt bei Marco Bonn Lagavulin. Und für alle, die daran zweifeln, entgleiten der Zombie Dame auf dem Label zwar die Gesichtszüge – ihre Brosche ist dafür klar lesbar. Dieser 21jährige Islay Whisky wurde zwei Jahre im Manzanilla Butt gefinisht. Das ist eine trockene Sherry-Variante, die im Gegensatz zu Marcos süßer Seite steht.

Nosing

Ach, allein dieser Rauch … Diesen Whisky muss man doch gar nicht trinken. Da ist man doch schon froh, wenn man diese Aromen schnüffeln kann. Das ist Islay, das ist Lagavulin, das hat nichts mit den Standardabfüllungen zu tun. Der Rauch ist elegant, er ist herrschaftlich, passt zum Kamin in einem Herrenhaus auf der Insel, in dem die Herr- und Damschaften sitzen, in ordentlicher Kleidung und mit Torfplacken an den Stiefeln. Und ja, die Lady des Hauses ist schon über der Zeit – aber wen stört das, wenn draußen der Wind tost und die Gischt gegen die Fenster weht?

Taste

Der Whisky wird vom Rauch getragen, wie könnte es anders sein? Aber der ist auch nach 21 Jahren noch stabil, kräftig und aschig. Das ist ein Feuer, das über die Jahre seine Kraft bewahrt hat, das im Kamin geblieben ist und nicht die Sessel und den Tisch verschwehlt hat. Aber es hat auch die Reste von salzigen Algen unter dem Torf zu Asche verglüht. Alles Karamell, alle Kräuter und Blüten sind längst verkohlt, der Whisky ist trocken aber nicht bitter.

Und der Alkohol? Welcher Alkohol? Klar, Whisky muss 40% haben, wird dieser schon haben … Nein – die 51,6%vol. sind wunderbar eingebunden, vielleicht könnte man Wasser zugeben – aber warum?

Finish

Finish? Bei diesem Whisky hofft man doch, dass er niemals endet … Die maritim-aschige Rauchnote bleibt im Mund kleben, es ist sinnlos, danach einen weiteren Whisky zu trinken und es wäre Frevel, sich danach die Zähne zu putzen. Schaut auf das Label, ihr Whisky-Zombies!

Conclusion

Na klar, das ist A Dream of Scotland. Für den Preis des Samples bekommt man sicherlich eine gute Flasche Whisky. Aber ich will jetzt darüber nicht nachdenken. Was uns bleibt, ist der Verfall. Hoffen wir darauf, dass er so grandios ist wie dieser Whisky!

91 Punkte

Lagavulin Distillery, Lagavulin Bay, Islay | © Klaus Bölling, www.boelling.de

Lagavulin​ Distillery

foundet: 1816
Owner: Diageo
Capacity: 2.600.000 litres

Quelle: Ingvar Ronde, Malt Whisky Yearbook 2021

Lagavulin ist e ine der großartigen Distillerys an Islays Südküste. Der Stil ist nicht so wild und maritim wie der der Nachbardestillen Laphroaig und Ardbeg. Es dominieren eher warm-aschige Rauchnoten.

Insbesondere der 16jährige Standardwhisky aus der Serie der Classic Malt gehört sicherlich zu den ersten Islay-Erfahrungen jedes Whsikygenießers und ist auch heute noch ein toller Whisky.

Schade, dass Lagavulin zu den typischen Konzernwhiskys von Diageo gehört …

Brühler Whiskyhaus

Das Brühler Whiskyhaus ist durchaus ein eigenständiger deutscher unabhängiger Abfüller. Marco Bonn hat eigene Fässer, die in Schottland lagern und die er individuell finisht und reift. Er ist also nicht nur auf Broker angewiesen, sondern kann auf eigenen Stock zurückgreifen. Das führt zu eigenständigen und interessanten Abfüllungen, die über eine verschworene Internet-Community schnell vergriffen sind und – sicherlich auch aufgrund der eigenständigen, manchmal provokativen Label – stark gehypt werden. Gute Abfüllungen!