Islay South Coast | 12 Jahre | "1816" Zombie Man

Lagavulin | Palo Cortado Finish for 14 Months | 56,4%vol. | Brühler Whiskyhaus | 2021

Drei South Islay Abfüllungen hat das Brühler Whiskyhaus im Herbst 2021 auf den Markt gebracht, alle weisen mit der Jahreszahl 1816 auf die Brennerei hin. Und alle drei haben elegante Zombies auf dem Etikett, was sicher auch spalten wird. Mit 12 Jahren ist dies die jüngste und hellste Abfüllung des Zombie Trios, gefinisht wurde im Palo Cortado Fass, was für eher trockene Aromen sorgen sollte.

Nosing

Auch hier kommt an der Nase ein wunderbarer Rauch, der nicht stinkig ist, sondern kräftig holzig und aschig. Auch hier ist unter der Asche noch glimmende Glut. Dazu kommen dann auch Früchte, Kirsche und Banane, vielleicht etwas Pfirsich. So entsteht ein schönes Aroma, an dem man lange schnüffeln möchte. Das Aroma ist fruchtiger, als bei der 21jährigen Zombie Lady, die mehr trockene Holztöne hat. Die 13jährige Friends of ADOS Abfüllung aus dieser Serie hat einen Hauch mehr Qualm. Der 12jährige Zombie Man hat daher wahrscheinlich den klassischsten Rauch der drei 1816er.

Taste

Auch hier ist der Alkohol kräftig aber nicht störend, das geht wunderbar ohne Wasser. Der Geschmack ist trocken und rauchig, Früchte kommen etwas unter dem Rauch und sind matschig, konzentriert. Das Mundgefühl ist ölig und süß – der Whisky ist aber trocken, hat Rauch, Holz und Nussschalen. Auch im Geschmack ist das klassisch Islay. Zum Rauch kommt ein Hustenbonbon mit Menthol, Kirsche und Cassis.
Im Geschmack ist der 13jährige 1816 Friends of ADOS süßer mit mehr Hustensaft und Malz. Und die 21jährige Lady ist trocken holziger mit einem Touch Pflaumenmus. Tatsächlich ist der 12jährige der fruchtigste und kräftigste der drei 1816er.

Finish

Natürlich bleibt auch hier der Rauch lange und kräftig im Mund. Dazu kommt etwas Holz, das Finish ist trocken aber nicht adstringierend.

Conclusion

Tatsächlich ist der 12jährige der klassischste der drei Zombie Lagavulins. Mit kräftigem Alkohol ist er sehr präsent, schön rauchig und hat auch ein paar schrumplige Zwetsche auf der Fruchtseite. Aber süß ist er nicht.

Die drei 1816er sind ein tolle Serie mit unterschiedlichen Charaktern – auch wenn sie eindeutige Lagavulins sind. Vielleicht gefällt mir der 12jährige am besten? Aber ich bin nicht sicher. Die 21jährige Lady ist wunderbar, am Ende aber mit ursprünglich 269 € deutlich zu teuer gewesen. Der 13jährige hat als Friends of ADOS Abfüllung 90 € gekostet, der 12jährige 95€, was zumindest eine Überlegung wert (gewesen) wäre. Alle drei Whiskys sind starke Abfüllungen, die gut gefinisht sind, ohne dass die Fässer den Charakter zu sehr dominieren. Auf die rauchigen Whiskys von Marco Bonn ist Verlass!

90 Punkte

Lagavulin Bay, Islay | © Klaus Bölling, www.boelling.de

Lagavulin​ Distillery

foundet: 1816
Owner: Diageo
Capacity: 2.600.000 litres

Quelle: Ingvar Ronde, Malt Whisky Yearbook 2021

Lagavulin ist e ine der großartigen Distillerys an Islays Südküste. Der Stil ist nicht so wild und maritim wie der der Nachbardestillen Laphroaig und Ardbeg. Es dominieren eher warm-aschige Rauchnoten.

Insbesondere der 16jährige Standardwhisky aus der Serie der Classic Malt gehört sicherlich zu den ersten Islay-Erfahrungen jedes Whsikygenießers und ist auch heute noch ein toller Whisky.

Schade, dass Lagavulin zu den typischen Konzernwhiskys von Diageo gehört …

Brühler Whiskyhaus

Das Brühler Whiskyhaus ist durchaus ein eigenständiger deutscher unabhängiger Abfüller. Marco Bonn hat eigene Fässer, die in Schottland lagern und die er individuell finisht und reift. Er ist also nicht nur auf Broker angewiesen, sondern kann auf eigenen Stock zurückgreifen. Das führt zu eigenständigen und interessanten Abfüllungen, die über eine verschworene Internet-Community schnell vergriffen sind und – sicherlich auch aufgrund der eigenständigen, manchmal provokativen Label – stark gehypt werden. Gute Abfüllungen!