Tullibardine | The Marquess Collection | Double Wood

46,0%vol. | 1st Fill Bourbon and 1st Fill Sherry | 2005 - 2020

Ein prächtig verpackter Tullibardine in Trinkstärke, dem die 1st fill Fässer nach 15 Jahren eine schöne, aber nicht übertriebene Farbe gegeben haben. Die Marquess Collection ist dem Markgrafen Sir William Murray of Tullibardine gewidmet und bringt limitierte Abfüllungen besonderer Reifungen. Dieser Double Wood reifte in 1st fill Bourbon und 1st fill Sherry-Fässern für immerhin rund 15 Jahre, was dem Marquess of Tullibardine angemessen sein sollte.

Nosing

Frische Fruchtaromen, Fruchtsaft, süß mit abgestimmter Säure, Obstsalat mit Grapefruit und Melonen. Darüber kommt dann eine süße Vanillesoße mit Mandelsplittern und Milchschokolade, vielleicht auch Mandelcreme mit weißer Schokolade. Der Whisky riecht nicht alt und tief, sondern frisch und fruchtig reif. Er bleibt auf der süßen Seite der Aromen, mit nur leichten Holzaromen und keiner wahrnehmbaren Bitterkeit. Der Alkohol ist bei 46,0%vol. nicht spürbar. Im Hintergrund ist eine Weißweinnote mit Getreide zu spüren, Haferbrei und Heu. Insgesamt ein schönes Aroma, das Lust auf den ersten Schluck macht.

Taste

Im Geschmack kommen zu den Früchten Nuss und Schokolade, leicht herbe Holzaromen. Rote Früchte, Brombeere und gesägtes Holz. Der Whisky startet fruchtig und kommt dann über die Nuss und Schokolade zu einem angenehmen, trockenen Holzfinish. Ein süffiger Whisky mit etwas Zitrusschale und Schokolade. Da ist viel vom Bourbon-Fass und der Sherry kommt eher frisch-weinig auf die Zunge.

Finish

Schokolade mit Nuss und etwas Holz, mittellang auslaufend mit einem Anklang von Marzipan und Mozartkugel. Angenehm auf der Zunge.

Conclusion

Ein durchaus komplexer Whisky, der nicht mit überladenen Fassnoten kommt, sondern von der Frucht bis zum Holz eine schöne Erfahrung ist. Lecker und gut zu trinken ohne störende Faktoren. Vielleicht zu lecker und süffig. Es ist kein Whisky, bei dem man bis in den Untergrund graben muss, um ihn zu dekonstruieren – er muss getrunken werden. Der Preis ist angemessen und gut.

87 Punkte

© Klaus Bölling, www.boelling.de

Tullibardine Distillery

foundet: 1949 | Region: Highlands
Owner: Terroir Distillers (Picard Vins & Spiritueux)
Capacity: 3.000.000 litres

Quelle: Ingvar Ronde, Malt Whisky Yearbook 2022

Tullibardine ist eine 1949 gegründete Distillery, auch wenn man gerne mit der Jahreszahl 1488 operiert. Zu dieser Zeit gab es dort eine Bierbrauerei, bei der King James – derjenige, der 1495 den Mönch John Cor im Kloster Lindores Abbey 1495 mit der Herstellung von aqua vitae beauftragte – nach seiner Krönung in Scone Bier einkaufte. Nun gut, Bier und Whisky, ist ja der gleiche Ausgangsstoff …

Und die 1927 stillgelegte Brauerei, die auf die ursprüngliche Brauerein von 1488 zurückgeht, wurde 1949 aufgekauft und zur Brennerei umgebaut – der ersten neueröffneten Brennerei in Schottland seit dem Jahr 1900.

Nach einigem Hin und Her wurde die Destillerie 1994 geschlossen, 2003 von neuen Eigentümern gekauft und mit dem Erlös vom Verkauf eines Teils des Brennereigeländes als Einkaufszentrum wieder in Betrieb genommen. Viele der alten Fassbestände mussten umgefüllt werden, da sie in schlechten Fässern lagen. Inzwischen gehört die Distillery einer französischen Weinhandelsgesellschaft, was zumindest den Nachschub hochwertiger Weinfässer sichert.

Die Marquess Collection, in der besonders gereifte Abfüllungen veröffentlicht werden, ist nach dem Marquess Sir William Murray of Tullibardine, der zu den 1745 Gefolgsleuten gehörte, die Bonny Prince Charlie von Frankreich nach Schottland begleiteten, um mit dem Aufstand er Jacobiten den Thron für die Stewarts zurückzuerobern. Murray wurde gegangen genommen und starb 1746 im Londoner Tower.