Kilkerran | aged 16 years | 75% Bourbon / 25% Sherry casks

1st fill Oloroso Sherry Cask | 56,9%vol. | peated

un-chillfiltered

chillfiltered

natural colour

coloured

un-peated

peated

cask strength

Single Cask

Ein 16jähriger Kilkerran aus der Glengyle Distillery, auf deren Gelände man über den Hof von Springbank kommt. Und weil man nicht nur über den Hof dorthin gelangt, sondern die Brennerei ebenfalls der Mitchell Familie gehört, leidet sie auch unter dem Hype von Springbank. Will heißen: Die Whiskys sind rar und teuer. Was schade ist, den prinzipiell sind es einfache, gradlinige Tropfen. Der 16 jährige ist eine Vatting aus 3/4 Ex-Bourbon und 1/4 Ex-Sherry. Und von der Farbe her waren es auch nicht unbedingt 1st fill Fässer. Es ist ein Whisky aus den ersten Produktionsmonaten der 2004 wiedereröffneten Distillery.

Nosing

Der Kilkerran ist nicht verspielt oder subtil, das sind gradlinige Aromen. Reife Gartenäpfel, aber alte, herbe Sorten, etwas Birne mit rauer Schale, dazu Vanille und Campbeltown-Würze, vielleicht maritim und wachsig mit Schmieröl und Rauch, der sich nicht gleich zu erkennen gibt und auch nicht stark ist. Er gibt aber Rückgrat und Struktur. Das fesselt nicht sofort, nimmt aber immer mehr gefangen. Das ist ein rauer, grauer Tag am Hafen, paar Kutter legen an und die feinen Regentropfen stören gar nicht so sehr. Und dann ist da plötzlich ein kleiner blauer Fleck zwischen den Wolken, ein Sonnenstrahl – aber nur kurz. Und vom Kutter weht schwarzer Qualm herüber. Ein schöner Tag im Hafen.

Taste

Im Mund entwickelt er cremige Karamellnoten, die ich ihm im Geruch so gar nicht zugetraut hätte. Er bleibt auf der herb-würzigen Seite mit Vanille, aber die Sherry-Fässer haben saftige Kirschen und ein paar Datteln beigesteuert. Damit das nicht zu fruchtig-süß wird, kommt dann der Campbeltown Funk mit seiner wachsigen Rauchigkeit. Das ist alles nicht direkt aufregend – entfaltet dann aber doch mehr Komplexität und verschiedene Aromen, als man ihm beim ersten Schluck zutraut.

Finish

Im Finish bleibt der Rauch, wird am Gaumen mit der Zeit sogar stärker, etwas Holz kommt hinzu, kein Muff, höchstens sehr dezent als schmutziger Anteil der Rauchnote.

Conclusion

Das ist ein Whisky, mit dem man sich eine Zeit lang beschäftigen muss (und kann). Auf den ersten Schluck ist er einfach, etwas bitter und unspektakulär. Wenn man ihn dann nicht gleich ablehnend beiseite schiebt, entwickelt er einen starken Charakter und eine etwas störrische Schönheit. Der Whisky wird im März 2022 für 120 € angeboten – 90 € wären ok.

Kintyre Barley | © Klaus Bölling, www.boelling.de

Glengyle Distillery

foundet: 2004 | Region:  Campbeltown
Owner: Mitchell’s Glengyle Ltd. (J&A Mitchell)
Capacity: 750.000 litres

Quelle: Ingvar Ronde, Malt Whisky Yearbook 2022

Ursprünglich wurde die Distillery 1872 von William Mitchell gegründet und bereits 1925 wieder geschlossen. 2000 wurde die Silent Distillery vom Besitzer der direkt benachbarten Springbank Distillery (der mit dem Gründer verwandt ist) gekauft und reaktiviert. Damit sollte unter anderem verhindert werden, dass Campbeltown mit damals nur noch zwei aktiven Distilleries den Status als eigenständige Whiskyregion verliert.

Betrieben wird die Distillery nur wenige Monate im Jahr von der Springbank-Crew. Von dort bezieht man auch das Malz.

Die Whiskys tragen den Markennamen Kilkerran, da die Marke Glengyle inzwischen anderweitig für einen Blended Whisky registriert wurde.