Glengoyne | aged 18 years

43,0%vol. | Ex-Bourbon and Oloroso Sherry Casks | bottled 2020

un-chillfiltered

chillfiltered

natural colour

coloured

un-peated

peated

cask strength

Single Cask

Whisky for Two – zwei Whiskys, getastet an zwei aufeinander folgenden Tagen und ein paar Gedanken über das Tasting hinaus.

Ein 18jähriger Glengoyne, der in einer riesigen Kiste daher kommt, die Ralfy der Brennerei (im übertragenen Sinn …) um die Ohren gehauen hat, weil Ressourcen und Geld verschwendet werden. Geld, das besser in ein stärkeres Bottling investiert worden wäre, denn 43%vol. sind arg dünn für eine Abfüllung, die im Mitte 2022 in den meisten Shops über 120 € kostet. Der Whisky hat eine gesunde, goldene Farbe. Mal sehen, ob er Qualitäten hat, die den Preis rechtfertigen.

Nosing

Im Geruch hat er zunächst Qualitäten, die ihn als guten Whisky auszeichnen. Es sind aber vornehmlich Aromen, die ich zunächst mit einem Bourbon-Fass assoziere. Da ist eine fruchtige Vanille mit gelben Pflaumen und reifen Birnen, erst im Hintergrund schwingt eine Marzipan-Note, die vom Oloroso rühren könnte.

Taste

Auch im Geschmack ist es ein satter Pflaumensaft, der mit süß-saurem Wechselspiel die Aromen dominiert. Gefällig mit leichtem Alkohol und etwas trockener Bitterkeit am Ende. Das ist gut – aber das ist nicht außergewöhnlich und es ist auch nicht alt. Insgesamt sind die Aromen zu dünn und erreichen nicht die von einem 18jährigen zu erwartende Tiefe.

Finish

Etwas Marzipan bleibt mit gutem Willen zusammen mit restlicher Süße von den Pflaumen und einer leichten Bitterkeit. Für einen bleibenden Eindruck reicht das nicht aus.

Conclusion

Das Problem mit aktuellen Whiskys wie diesem ist die Erwartung, die aufgrund der aufgerufenen Preise geweckt wird. Dieser Whisky erfüllt sie nicht. Er ist zu dünn, das Oloroso-Fass hat zu wenig Eindruck hinterlassen. Er ist lecker und trinkt sich nett. Aber für 120 € möchte ich keinen netten Whisky – da möchte ich einen außerordentlich gereiften Whisky, der Eindruck hinterlässt. Das tut dieser Whisky nicht. Es gibt keinen Grund, ihn zu kaufen, er ist aufgeblasen und überteuert – ein unsympathischer Whisky.

© Klaus Bölling, www.boelling.de

Glengoyne Distillery

foundet: 1833 | Region: Highlands
Owner: Ian MacLeod Distillers
Capacity: 1.100.000 litres

Quelle: Ingvar Ronde, Malt Whisky Yearbook 2022

Die Brennerei Glengoyne liegt günstig für  Besucher:innen direkt an der A 81 nicht weit von Glasgow entfernt im Naturpark Trossarchs, gebaut auf der Grenze zwischen den Lowlands und den Highlands. Dabei liegt das Brennhaus bereits in den Highlands während die Lagerhäuser in den Lowlands liegen. GlenGoyne ist das Tal der Gänse, eas auch das Logo widerspiegelt.

Seit 2003 gehört die Brennerei Ian MacLeod Distillers, die sie von der Edrington Group übernahmen. Spezialität ist die Reifung der Whiskys in Sherryfässern, was immer wieder auch zu Vergleichen mit Macallen führt. Man ist stolz auf eine langsame Destillation und unterstreicht das mit dem Slogan ‚Unhurried since 1833‘.

Insbesondere die älteren Abfüllungen aus der Range sind inzwischen aber selbst im Luxussegment angekommen und preislich eher ambitioniert.