Longrow | aged 18 years | Edition 2024
Single Malt Scotch Whiskey
46,0%vol. | bottled 2024 | 90% Sherry, 10% Port | Springbank Distillery
un-chillfiltered
chillfiltered
natural colour
coloured
un-peated
peated
cask strength
Single Cask
Longrow 18, die rauchige Version aus der Springbank Distillery. Der Importeur gibt 165 € als UVP an – ob es den Whisky zu diesem Preis in den Shops gab, kann ich jetzt nicht mehr nachvollziehen. Es dürfte zumindest schwierig gewesen sein. Aber ist der mit Mondpreisen verbundene Hype um die Whiskys der Springbank Distillery gerechtfertigt? In der Krügerauktion im Mai und im Juni 2025 gab es diese Abfüllung für 181 € und für 185 €. Das liegt nicht weit über dem UVP und dürfte für die Verkäufer ein Verlust gewesen sein. Aber egal – ich habe ein Sample und freue mich darauf den Longrow zu probieren.
Nosing
Springbank hat einen besonderen Rauch, der ist hier sofort offensichtlich. Dazu kommen in der ersten Nase satte, reife Birnen und Äpfel mit einer Zitrusnote. Der Whisky ist sehr fruchtig und saftig, da sind Pfirsiche, da ist Mango, da ist eine überreife Ananas. Und dazu kommt Campbeltown Funk, ein süßer Rauch mit etwas Brackwasser vom Hafen. Der Port wird vielleicht durch einen Klecks Erdbeer Konfitüre vorstellig.
Taste
Auch im Geschmack offenbart sich der Rauch direkt als Campbeltown Rauch. Er ist kräftig, aber nicht zu stark, der Alkohol ist mit 46%vol. sehr sanft und die Fruchtaromen sind süß und saftig. Auch hier kommen Ananas, weißer Pfirsich und etwas Limette. Der Rauch hat auch im Geschmack den erwarteten Schmutz – oder besser Funk.
Finish
Am Gaumen bleibt der Campbeltown Funk mit süßem Rauch und etwas Frucht. Der Whisky ist im Nachklang nicht trocken, eher leicht herb durch den Rauch. Und Campbeltown bleibt dann lange am Gaumen und in den Wangentaschen.
Conclusion
Ein sehr guter Campbeltown Whisky mit einem deutlichen Funk und einer deutlichen Fruchtnote. Der Whisky ist tatsächlich süffig, er hat Holz, dass aber nicht über die Fruchtnoten dominiert. Ein wunderbarer Whisky, der gut zu einem Sommerabend auf Kintyre passt. Die Springbank Whiskys haben tatsächlich oft einen Charakter, der wiedererkennbar ist und ein Alleinstellungsmerkmal ist. Dieser Longrow hat zudem eine Harmonie, die den 18 Jahren geschuldet ist – die aber trotzdem noch ausreichend Wildheit der West Coast mitbringt.
Springbank Distillery
founded: 1828 | Region: Campbeltown
Owner: Springbank Distillers (J & A Mitchell)
Capacity: 500.000 LPA
LPA: Litres of Pure Alcohol
Quelle: Ingvar Ronde, Malt Whisky Yearbook 2026
Springbank liegt in Campbeltown auf der Halbinsel Kintyre. Hier gab es einst über 30 Distilleries – heute sind Springbank und Glengyle (die zur gleichen Besitzerfamilie gehören) und Glen Scotia geblieben. Aber weitere Brennereien werden in den nächsten Jahren an den Start gehen.
Springbank produziert drei Marken: Longrow ist stark getorft und zweifach destilliert, Springbank lightly peated und zweieinhalbmal destilliert, Hazelburn ungetorft und dreimal destilliert. Direkt auf dem Nachbargrundstück betreibt man die Glengyle Distillery, die ihre Whiskys unter der Marke Kilkerran produziert.
Springbank macht alles so, wie wir Nerds es lieben: Keine Färbung, keine Kühlfilterung, Handarbeit ohne Automatisierung, beschäftigt werden die Menschen aus der Region, das Malz wird auf eigenen Malzböden produziert, gelagert und abgefüllt wird vor Ort. So sind unsere romantischen Träume von Whisky, hier werden sie Realität.
Die Kehrseite: Natürlich werden diese Whiskys gehypt und gesammelt – das Angebot ist zu knapp, die Preise steigen, die ‚Investoren‘ wittern ihre Chance. Auch wenn die Whiskys zu einem guten UVP herausgegeben werden, sind sie dafür eher nicht zu kaufen – zumindest nicht ohne Beziehungen zu Händlern vor Ort. Einige Online-Shops legen gleich eine ordentliche Schippe drauf und nehmen den Zweitmarktpreis vorweg. Und viele Fans, die diese Whiskys einfach nur genießen wollen, können oder wollen sie sich dafür nicht mehr leisten. Schade um diesen guten Stoff.