Longrow | Red | aged 13 years | bottled 2020

Bourbon / Sherry + Chilean Cab. Sauv. | 51,6%vol. | peated, distilled two times

un-chillfiltered

chillfiltered

natural colour

coloured

un-peated

peated

cask strength

Single Cask

Longrow Red – der heilige Gral der Campbeltown Whiskys (oder ist das der Springbank Local Barley)? Who knows. Auf jeden Fall auch einer der Whiskys, der die Gemüter erhitzt, weil er in den Läden für Preise weit oberhalb der Preisempfehlung der Brennerei oder der Preise in UK verkauft wird. Da werden wir also über den Ladentisch gezogen. Und warum machen das die Händler (ok, nicht alle …)? Weil sie es es können, weil wir (ok, nicht alle …) dieses unwürdige Spielchen mitmachen.

Und der Whisky? 10 Jahre in Bourbon Barrels und Refill Sherry Hogsheads gereift, dann drei Jahre in Cabernet Sauvignon Barrels aus Chile nachgereift und mit Cask Strength in 9.000 Flaschen mit einer wunderbar rot-goldenen Farbe abgefüllt. Natürlich nicht kühlgefiltert oder gar gefärbt, wir sind bei Springbank.

Nosing

Traumhaft. Das Aroma in der Nase ist tatsächlich traumhaft. Der Rauch ist nicht aggressiv oder qualmig, er hüllt die Aromen wunderbar ein und gibt ihnen Kraft. Es kommen reife Früchte, Kirschen und Rotweinnoten, es kommt warmes Holz, es kommt die rauchige Campbeltown-Note, der Funk – aber hier in der eleganten Variante. Frisch geduscht mit Rotweinseife kann er trotzdem seine wahre Herkunft aus den fragwürdigen Vierteln Campbeltowns nicht verleugnen. Traumhaft.

Taste

Im Geschmack sind die 51,6%vol. kräftig, aber nicht störend. Ein paar Tropfen Wasser können nicht schaden. Es kommt eine mit Kirschkonfitüre gefüllte, kräftige Schokolade, Rotwein-Creme mit Karamell – aber dann kommt der Fluch der Weinfässer: Schwefel. Es ist entsetzlich, dieser tolle Whisky wird – wie so viele andere – durch Schwefel getötet. Keine Ahnung, ob andere ihn tatsächlich nicht schmecken oder gar lecker finden: Hier zerstört er einen wunderbaren Whisky. Das ist Mord! Ich kann ihn etwas beiseite schieben, er macht den Whisky nicht ungenießbar, wie es bei ein paar anderen Flaschen der Fall ist. Er ist aber nicht lecker und er stört diesen tollen Whisky.

Finish

Etwas Holz, etwas Rotwein, alles umhüllt von leckerem Rauch aus dem Kamin, die Kirschtörtchen stehen bereit – und dann kommt durch’s Fenster der Pesthauch von der Schwefelbude nebenan.

Conclusion

Ja, die Whiskyindustrie hat ein Problem. Weinfässer werden zunehmend zum Finish genommen, was Sinn macht, denn Cabernet Sauvignon wird sicherlich häufiger getrunken als Sherry. Und die Ergebnisse sind ja auch oftmals großartig. Aber Weinfässer müssen z. B. für die Reise von Chile nach Campbeltown konserviert werden, damit am Ende kein Essig-Gurken-Whisky entsteht. Also räuchert man die Fässer mit Schwefelkerzen aus. Hört sich eklig an – ist auch eklig und zerstört diesen tollen Whisky.

Ich genieße ihn trotzdem ab und an, schließe genießerisch die Augen und lehne mich zurück – nur um sie kurz später wieder entsetzt zu öffnen und einen leisen Flüch auszustoßen. Dieser Whisky ist eine vertane Chance!

Springbank Distillery, Campbeltown, Kintyre | © Klaus Bölling, www.boelling.de

Springbank Distillery

foundet: 1828 | Region: Campbeltown
Owner: Springbank Distillers (J & A Mitchell)
Capacity: 750.000 litres

Quelle: Ingvar Ronde, Malt Whisky Yearbook 2021

Springbank liegt in Campbeltown auf der Halbinsel Kintyre. Hier gab es einst über 30 Distillerys – heute sind Springbank und Glengyle (die zur gleichen Besitzerfamilie gehören) und Glen Scotia geblieben. Aktuell planen J & A Mitchell eine weitere Distillery.

Springbank produziert drei Marken: Longrow ist stark georft und zweifach destilliert, Springbank lightly peated und zweieinhalbmal destilliert, Hazelburn ungetorft und dreimal destilliert.Direkt auf dem Nachbargrundstück betreibt man die Glengyle Distillery, die ihre Whiskys unter der Marke Kilkerran produziert.

Springbank macht alles so, wie wir Nerds es lieben: Keine Färbung, keine Kühlfilterung, Handarbeit ohne Automatisierung, beschäftigt werden die Menschen aus der Region, das Malz wird auf eigenen Malzböden produziert, gelagert und abgefüllt wird vor Ort. So sind unsere romantischen Träume von Whisky, hier werden sie Realität.

Die Kehrseite: Natürlich werden diese Whiskys gehypt und gesammelt – das Angebot ist zu knapp, die Preise steigen, die ‚Investoren‘ wittern ihre Chance. Und alle, die diese Whiskys einfach genießen wollen, können oder wollen sie sich nicht mehr leisten. Schade um diesen guten Stoff.