Springbank | aged 10 years | bottled 2016

Bourbon & Refill Barolo | 46,0%vol. | lightly peated, distilled two-and-a-half times

un-chillfiltered

chillfiltered

natural colour

coloured

un-peated

peated

cask strength

Single Cask

Zweiter Tag der Campbeltown Week, wird Zeit für einen Klassiker. Das ist ein Whisky aus einer anderen Zeit: Dieser 10jährige Springer wurde 2016 abgefüllt. Da war Springbank ein Geheimtipp der Whisky-Nerds, Whisky mit Ecken und Kanten, nicht everyones Darling, gern auch etwas teurer, dafür aber handgemacht, ehrlich und vor Ort destilliert, gereift und in Flaschen gefüllt. Integrity Whisky aus der Lieblingsbrennerei von Ralfy. Und heute? Ein vom Markt gefegter Hype-Whisky, der zu Phantasie-Preisen angeboten und von Menschen gekauft wird, die ihn sammeln aber nicht trinken. Erbärmlich.

Nosing

Der will halt nicht auf den ersten Blick gefallen, ist wie sein Heimatort, den man auch erstmal entdecken muss. Dann hat er eine Mischung aus roten Kirschen, die zusammen mit frischem Rasenschnitt vergären, etwas Vanille-Schote und einen Hauch Zimt. Zwischendurch kommt auch mal ein Hieb Nelke. Mit 10 Jahren ist das aber nicht unreif, es kommen keine Wash- und Hefe-Noten, es kommt keine metallische Jugend.

Taste

Auch im Geschmack wirkt er nicht jung und unreif. Er ist kräftig, hat Biss, der Alkohol ist mit 46%vol. nicht scharf, aber vorhanden. Und er hat den Campbeltown Funk, die kleine Kante, den Hauch vom im Hafenbecken schwappenden Brackwasser mit Ölspuren und Algenfäden, der ihm mit Eichennoten verbunden einen stabilen Grundcharakter gibt.

Finish

Der Whisky ist nicht süß und klingt mit herb-bitteren Tönen, leicht adstringierend aus. Der Rauch ist vorhanden, aber nicht vordergründig spürbar. Zusammen mit dem Funk und einer schönen, leichten Eichenaromatik gibt er dem Whisky Tiefe und einen durchaus langen Nachklang.

Conclusion

Manchmal könnte man heulen, wenn man bedenkt, was für tolle Whiskys es vor gerade mal fünf Jahren zu vernüftigen Preis gab. [Disclaimer: Ja, nur wenn man das derzeitige Weltgeschehen mal vergisst. Und das muss man manchmal tun! Wenn man es dann wieder zulässt, muss man sowieso heulen und schreien, aber dann hat man auch den Whisky vergessen.]

Was für ein einfacher, toller Whisky. Der möchte mit seinen 10 Jahren nicht toller erscheinen, als er ist, der braucht keine klebrigen Fässer. Das ist einfach gut gemachter Whisky. Ich vermisse ihn!

IT in der Springbank Distillery, Campbeltown, Kintyre | © Klaus Bölling, www.boelling.de

Springbank Distillery

foundet: 1828 | Region: Campbeltown
Owner: Springbank Distillers (J & A Mitchell)
Capacity: 750.000 litres

Quelle: Ingvar Ronde, Malt Whisky Yearbook 2021

Springbank liegt in Campbeltown auf der Halbinsel Kintyre. Hier gab es einst über 30 Distillerys – heute sind Springbank und Glengyle (die zur gleichen Besitzerfamilie gehören) und Glen Scotia geblieben. Aktuell planen J & A Mitchell eine weitere Distillery.

Springbank produziert drei Marken: Longrow ist stark georft und zweifach destilliert, Springbank lightly peated und zweieinhalbmal destilliert, Hazelburn ungetorft und dreimal destilliert.Direkt auf dem Nachbargrundstück betreibt man die Glengyle Distillery, die ihre Whiskys unter der Marke Kilkerran produziert.

Springbank macht alles so, wie wir Nerds es lieben: Keine Färbung, keine Kühlfilterung, Handarbeit ohne Automatisierung, beschäftigt werden die Menschen aus der Region, das Malz wird auf eigenen Malzböden produziert, gelagert und abgefüllt wird vor Ort. So sind unsere romantischen Träume von Whisky, hier werden sie Realität.

Die Kehrseite: Natürlich werden diese Whiskys gehypt und gesammelt – das Angebot ist zu knapp, die Preise steigen, die ‚Investoren‘ wittern ihre Chance. Und alle, die diese Whiskys einfach genießen wollen, können oder wollen sie sich nicht mehr leisten. Schade um diesen guten Stoff.