Mortlach | aged 17 years | A Dream of Scotland
Single Malt Whisky
55,7%vol. | bottled 2026 | 1 Fill Sherry Hogshead | Brühler Whiskyhaus
un-chillfiltered
chillfiltered
natural colour
coloured
un-peated
peated
cask strength
Single Cask
Mortlach ist eine der sechs aktiven Brennereien in Dufftown. Die Brennerei gehört zum Diageo Konzern, der seit Jahren versucht, Mortlach als Luxusmarke zu etablieren. Wirklich funktionieren tut das nicht, der Effekt ist einfach, dass Nerds die offiziellen Abfüllungen meiden. Mortlach gibt es häufig von unabhängigen Abfüllern, denn insgesamt ist der Whisky interessant – vor allem wegen der Worm Tubs, die ihm ein fleischiges Aroma geben sollen. Als Vegetarier kann ich damit nicht so viel anfangen. Für mich führen Worm Tubs oft zu einer schönen Roughness und einem gewissen Funk, der im besten Fall keine eklige Schwefelnote ist.
Nosing
In der Nase ist es genau diese Roughness, die mir auffällt. Da ist Sherry, da ist Süße, es kommen rote Früchte, reife Pflaumen. Dazu ist da aber auch ein Röstaroma, ein kleiner Schmutzmoment – oder besser: etwas Funk. Der Alkohol ist in der Nase gut eingebunden und ich habe keine Fehlnoten.
Taste
Auch im Mund funktioniert der Whisky ohne Wasser. Er hat flüssiges Karamell, ist cremig auf der Zunge, zeigt aber auch seine Stärke ohne zu brennen. Mit ein paar Tropfen Wasser wird er zugänglicher und es öffnen sich mehr Aromen. Da ist auch Schokolade, die Früchte sind süß, eher eingekocht zu Konfitüre, mehr dunkelrote Kirsche als Pflaumenmus. Insgesamt wird er aber nicht zu süß, da sind auch herbere Röstaromen, etwas Nuss. Die Roughness ist nach 17 Jahren nicht mehr zu auffällig, gibt aber Struktur und verhindert, dass er einfach nur süß und langweilig ist.
Finish
Im Nachklang kommt dann auch nochmal der Alkohol auf Gaumen zur Geltung, klingt ab und überlässt den Platz einem moment mit Holztönen, etwas dunkler Schokolade und Malz.
Conclusion
Das ist ein schöner Mortlach ohne störenden Schwefelmoment, aber mit Charakter und Komplexität. Er hat eine süße Basis, die gut gekontert wird ohne dass er zu funkig wird. Mit den 17 Jahren entfaltet dieser Mortlach auch eine schöne Eleganz.
keine eigene Website
Mortlach Distillery
founded: 1823 | Region: Speyside
Owner: Diageo
Capacity: 3.800.000 LPA
LPA: Litres of Pure Alcohol
Quelle: Ingvar Ronde, Malt Whisky Yearbook 2026
Eine der Speyside Distilleries von Diageo. Es gibt einige Distillery Bottlings in der Core Range. Gordon & MacPhail haben in der Serie der Distillery Bottlings eine gute Standardabfüllung. Diageo hat versucht, aus Mortlach ein Prestige-Bottling zu machen, was nur mäßig funktioniert hat. Die ursprünglich angedachte Abfüllung in 0,5l Flaschen musste zurückgenommen werden.
Mortlach war die erste arbeitende Distillery in Dufftown. Der kleine Ort ist mit heute sechs Destillen die Whiskyhauptstadt der Speyside. Die Vielzahl der Destillerien hat zu dem Sprichwort “Rome was built on seven hills, Dufftown stands on seven stills” geführt.
Mortlach hat eine komplizierte 2,8fache Destillation und nutzt Worm Tubs. Die Whiskys gelten als dicht und intensiv, was der Distillery den Beinamen ‚The Beast of Dufftown‘ eingebracht hat.
Brühler Whiskyhaus
Das Brühler Whiskyhaus ist durchaus ein eigenständiger deutscher unabhängiger Abfüller. Marco Bonn hat eigene Fässer, die zum Teil in Schottland, vor allem aber irgendwo in der Eifel lagern und die er individuell finisht und reift. Daher werden sie Abfüllungen grundsätzlich als Single Malt Whisky gekennzeichnet, das Wort Scotch taucht nicht auf. Er ist also nicht nur auf Broker angewiesen, sondern kann auf eigenen Stock zurückgreifen. Das führt zu eigenständigen und interessanten Abfüllungen, die über eine verschworene Internet-Community schnell vergriffen sind und – sicherlich auch aufgrund der eigenständigen, manchmal provokativen Label – stark gehypt werden. Oftmals gute Abfüllungen, auch wenn es nur begrenzte Transparenz bezüglich der genauen Reifung gibt!