Islay South Coast | aged 16 years | A Dream of Scotland

Single Malt Whisky

55,8%vol. | bottled 2023 | Refill Oloroso Sherry Butt | Brühler Whiskyhaus

un-chillfiltered

chillfiltered

natural colour

coloured

un-peated

peated

cask strength

Single Cask

Achter und letzter Tag Fèis Ìle und es geht wieder an die Südküste zu Ardbeg. Die Standard Range ist solide und hervorragend – werden die Abfüllungen älter, sind sie unbezahlbar. Und dann gibt es die NAS Sonderabfüllungen mit den tollsten Geschichten. Für mich absolut uninteressant und überteuert.  Also muss für diese kleine Fèis Ìle Serie nochmal das Brühler Whiskyhaus ran, dass in der A Dream of Scotland Reihe manchmal auch undisclosed Ardbegs anbietet. Munkelt man zumindest …

Beim Brühler Whiskyhaus hat sich das Schema der Namen ihrer Abfüllungen inzwischen etwas etabliert. Steht South Islay auf dem Etikett, könnte es sich um Lagavulin handeln. Steht wie auf diesem Etikett Islay South Coast drauf, ist es wohl Ardbeg. Als kleinen Hinweis gibt es hier noch das Steampunk U-Boot mit dem kleinen Jack Russell Terrier, das schon mal auf einer Abfüllung auftauchte. Irgendwo hat der Herr Bonn also eine Quelle für Ardbegs, die bei den unabhängigen Abfüllern ja eher selten zu finden sind. Und auch bei der Brennerei selbst bekommt man ja eher keinen Whisky mit 16 Jahren aus dem Refill Oloroso Butt, so ganz ohne tolle Geschichte und Gedöns. Zumindest wäre er bei der Distillery selbst eher unbezahlbar. Hier ist er halt teuer, ca. 170 €, aber das ist aktuell so. Ich habe ein Sample, auf das ich mich freue.

Nosing

Das ist Südküste mit Sherry, da geht auch sofort jede Objektivität flöten und es formt sich das Wort ‚herrlich‘. Der Rauch ist kräftig, er ist auch maritim mit den feucht salzigen Aspekten des Spülsaums. Hier ist er nicht medizinisch, eher schwelend feucht, ohne zu qualmig zu werden. Und dazu kommt dann der Sherry mit reifem Fruchtkompott, nussigem Karamell, Haselnuss-Sahne-Bonbons, vielleicht auch etwas Toffifee. Der Sherry ist schon präsent – er ist aber auch gut verwoben und liegt nicht nur als Decke über den Aromen.

Taste

Im Mund ist der Whisky fast dickflüssig cremig und süß – was durch den Rauch und das Holz gleich wieder relativiert wird. Auch unverdünnt ist der Alkohol gar nicht zu auffällig. Auch hier kommt das Sahnekaramell mit Nuss und Rauch, dazu ein Klecks Pflaumenmus mit Seetang. Vielleicht sollte man das wirklich mal kochen. Nach 16 Jahren ist der Rauch nicht mehr wild, er ist aber auch nicht schwach, sondern fügt sich eher gut zu den anderen Aromen.

Finish

Im Nachklang kommen erst herbe Noten, etwas Holz ohne Muff, der Mund wird trocken. Wenn das verklungen ist, klebt am Gaumen doch noch süßes Rauchkaramell.

Conclusion

Das ist ein herrlicher Islay South Coast Whisky mit Wind vom Meer und Sonnenstrahlen, die durch die Wolken brechen. Sherry und Rauch gehen hier eine gute Kombination ein, die 16 Jahre sorgen für eine gewisse Gediegenheit, die auf Islay aber immer mit einem Hauch Hafen und einem Ölfilm verbunden ist. Der ist schon lecker.
Ardbeg Distillery. Isle of Islay | © Klaus Bölling, www.boelling.de

Ardbeg Distillery

founded: 1815 | Region: Islay
Owner: The Glenmorangie Co (Moët Hennessy)
Capacity: 2.400.000 litres

Quelle: Ingvar Ronde, Malt Whisky Yearbook 2024

Ardbeg ist eine der klassischen Islay Brennereien, an deren Standort bereits vor der Etablierung der jetzigen Brennerei 1815 gebrannt wurde.

1981 wurde die Brennerei geschlossen, 1989 wurde die Produktion wieder aufgenommen, um 1996 erneut zu schließen. Ein Jahr später übernimmt Glenmorangie Co die Distillery und führt sie zu neuem Ruhm.

Heute gehört sie zu den Distilleries, die mit Sonderabfüllungen einen massiven Hype auslösen und für diese Whiskys Phantasiepreise erlösen können. 2021 wurde die Produktionskapazität verdoppelt. Trotz Hype und verachtenswerten Sonderabfüllungen verfügt die Brennerei über eine ordentliche, bodenständige Core Range, was den Ärger über die Eskapaden etwas besänftigt. Allerdings ist die Schraube irgendwann überdreht …

Brühler Whiskyhaus

Das Brühler Whiskyhaus ist durchaus ein eigenständiger deutscher unabhängiger Abfüller. Marco Bonn hat eigene Fässer, die in Schottland lagern und die er individuell finisht und reift. Er ist also nicht nur auf Broker angewiesen, sondern kann auf eigenen Stock zurückgreifen. Das führt zu eigenständigen und interessanten Abfüllungen, die über eine verschworene Internet-Community schnell vergriffen sind und – sicherlich auch aufgrund der eigenständigen, manchmal provokativen Label – stark gehypt werden. Gute Abfüllungen!