Southwest Islay | aged 10 years | A Dream of Scotland
Single Malt Whisky
54,7%vol. | bottled 2025 | Heavily Peated Sauternes Hogshead | undisclosed Port Charlotte | Brühler Whiskyhaus
un-chillfiltered
chillfiltered
natural colour
coloured
un-peated
peated
cask strength
Single Cask
Eine 2025er Weihnachtsabfüllung des Brühler Whiskyhauses mit schlimmer KI-Illustration. Der Whisky wird als Distilled at Southwest Islay bezeichnet. Sorry, im Südwesten der Insel liegt das nette Fischerörtchen Portnahaven, einer meiner Lieblingsplätze auf der Insel. Aber eine Distillery gibt es hier nicht. Im Westen der Insel gibt es Kilchoman – bei dieser Abfüllung soll es sich aber um einen Port Charlotte, der bei Bruichladdich distilliert wird, handeln. Und diese Brennerei würde ich bei der Gesamtlänge der Insel eher irgendwo in der Mitte verorten. Nun ja. Der Whisky ist 10 Jahre alt und reifte im Sauternes Hogshead, was zu einer kräftig gelben Farbe führt.
Nosing
In der Nase kommen die leicht grasigen Sauternesaromen. Der Rauch ist im Nosing gar nicht so heavily. Da sind helle Früchte, dazu kommen helle süße Trauben, eingeweichte Sultaninen und Assoziationen von Limoncello. Der Rauch bleibt dabei etwas im Hintergrund, zeigt aber die Port Charlotte typischen Spülsaumnoten.
Taste
Im Mund ist der Alkohol kräftig, der Rauch kommt deutlicher. Dazu auch eine zuckrige Sauternessüße, ein wenig Zuckerguss mit Limettensaft. Mit einem Spritzer Wasser wird der Whisky etwas weicher und cremiger, die Aromen werden anhaltender und die Süße ist besser eingebunden. Es bleibt die Limoncello Assoziation, die Süße wird durch den Rauch gut abgefangen.
Finish
Am Gaumen bleibt eine Mischung aus maritimen Rauch mit Zitronenbonbon.
Conclusion
Ich finde Sauternesreifung meist etwas schwierig, diese funktioniert mit einem Spritzer Wasser aber ganz gut. Der Rauch und die Süße finden gut zueinander, auch im Nachklang ist der Whisky weder zu süß noch wird er zu trocken. Der Rauch ist auch nicht zu schmutzig, die Spülsaumnote (andere sagen Kuhstall …) ist vorhanden, bleibt aber eher dezent. Er ist nicht gerade alt, verträgt aber einen Spritzer Wasser gut, der die Aromen auch etwas miteinander harmonisiert. Ein netter Whisky, der erstaunlicherweise auch Anfang 2026 noch für knapp 95 € im Whiskyhaus erhältlich ist.
Bruichladdich Distillery
founded: 1881 | Region: Islay
Owner: Rémy Cointreau
Capacity: 2.000.000 LPA
LPA: Litres of Pure Alcohol
Quelle: Ingvar Ronde, Malt Whisky Yearbook 2026
Eine Distillery mit allen Geschichten über Glanz und Elend der Whiskyindustrie. Nach etlichen Besitzerwechseln wird die Brennerei 1995, damals im Besitz von Whyte & Mackay, geschlossen. Und es beginnt eine der großen Geschichten des Whiskys.
2000 kauft Murray McDavid, der unabhängige Abfüller mit Mark Reynier als einem der Investoren, die Distillery. Reynier wird der Mastermind, der die Distillery mit Jim McEwan and the late Duncan McGillivray zu neuem Leben und Glanz erweckt und mit Wine Cask Finishes und Fassexperimenten die Whiskyszene aufmischt.
Bruichladdich wird zu einem Kreativpool und entwickelt mit dem rauchigen Port Charlotte und dem noch rauchigeren Octomore neue Spezifikationen. Aber Reynier ist nicht allein, es sind weitere Investoren an Bord. Und die lecken Blut als Rémy Cointreau die Distillery 2012 kaufen möchte und die damals unglaubliche Summe von 58 Mio. Pfund auf den Tisch legt.
Die Distillery geht an den Konzern, die Geeks trauern, Reynier ist nur sehr bedingt einverstanden. Zwei Jahre später investiert er sein Geld in eine stillgelegte Guinness-Brauerei in Waterford und setzt fortan viele der auf Islay entwickelten Ideen in Irland um. Leider scheitert diese Distillery Ende 2024 zunächst mit einer Insolvenz, während Bruichladdich eine der angesagtesten Brennereien auf der Isle of Islay bleibt.
Brühler Whiskyhaus
Das Brühler Whiskyhaus ist durchaus ein eigenständiger deutscher unabhängiger Abfüller. Marco Bonn hat eigene Fässer, die zum Teil in Schottland, vor allem aber irgendwo in der Eifel lagern und die er individuell finisht und reift. Daher werden sie Abfüllungen grundsätzlich als Single Malt Whisky gekennzeichnet, das Wort Scotch taucht nicht auf. Er ist also nicht nur auf Broker angewiesen, sondern kann auf eigenen Stock zurückgreifen. Das führt zu eigenständigen und interessanten Abfüllungen, die über eine verschworene Internet-Community schnell vergriffen sind und – sicherlich auch aufgrund der eigenständigen, manchmal provokativen Label – stark gehypt werden. Oftmals gute Abfüllungen, auch wenn es nur begrenzte Transparenz bezüglich der genauen Reifung gibt!