Bunnahabhain | 2006 - 2019 | bottled for Brühler Whiskyhaus

59,4%vol. | 1st Fill Ex-Sherry Butt | Signatory Vintage | The Un-Chillfiltered Collection Cask Strength

un-chillfiltered

chillfiltered

natural colour

coloured

un-peated

peated

cask strength

Single Cask

Whisky for Two – zwei Whiskys, getastet an zwei aufeinander folgenden Tagen und ein paar Gedanken über das Tasting hinaus.

Ein Whisky aus dem Archiv, der bereits 2019 von Signatory für das Brühler Whiskyhaus abgefüllt wurde. Er ist 13 Jahre alt und erschien in der Un-Chillfiltered Collection – allerdings mit Cask Strength. Gereift wurde er im 1st fill Ex-Sherry Butt – ob es eine Vollreifung oder Nachreifung war steht nicht auf dem Etikett. Die Farbe ist jedenfalls dunkles Gold bis Kupfer – allerdings ist er nicht unnatürlich dunkel, wie viele der aktuelleren Abfüllungen.

Nosing

Unverkennbar sind die Sherry-Aromen in der Nase mit Würze und reifer, süßer Fruchte, weichen Rosinen und ein paar Feigen. Es kommen Schokolade und Karamell, es kommt aber auch eine frische Alkoholnote, was bei fast 60%vol. nicht verwunderlich ist.

Mit Wasser wird diese Note milder, dafür kommt süßes Weingummi, Trockenfrüchte sind da, zu den Rosinen und Feigen kommt noch Aprikose mit leicht säuerlichen Aspekten.

Taste

Im Geschmack braucht er Wasser, der Alkohol ist sonst zu präsent. Mit Wasser kommen süße Fruchtaromen, reife, gelbe Pfirsiche, konzentrierte Trauben, dazu Schokolade mit Nüssen, Neapolitaner-Schnitten, Hanuta. Und der Islay-Aspekt? Das ist ein sonniger, windstiller Sommertag auf der Insel, man riecht eher die Kräuter, Blüten und das Getreide als den Strand und das wilde Meer.

Finish

Süße, etwas Holz und dann geht der Whisky in trockenere Noten über, die cremige Nussschokolade wird herber und der Nachklang ist dann nicht quietschig sherry-süß, sondern getreidig islay-herb. Das ist lecker und spannend.

Conclusion

Gefühlt sind solche Whiskys heute vom Markt verschwunden. Und das ist eine Schande. Dieser Whisky ist eine Sherrybombe – aber eben eine alte, so wie Sherrybomben vor wenigen Jahren noch waren. Heute sind das junge, coladunkle Brühen, die auch Signatory inflationär im Programm hat. Das hier ist ein leckerer Whisky, den Marco Bonn wunderbar ausgesucht hatte. Keine Ahnung, was er 2019 gekostet hat. Damals hat Whiskytrinken Spaß gemacht – heute bin ich nicht mehr so sicher, denn es ist schwer, solche Whiskys bezahlbar zu finden. Den letzten Schluck von diesem Sample werde ich genießen, Slàinte.

Bunnahabhain Distillery | © Klaus Bölling, www.boelling.de

Bunnahabhain Distillery

foundet: 1881 | Region: Islay
Owner: Burn Stewart (Distell International Ltd.)
Capacity: 2.700.000 litres

Quelle: Ingvar Ronde, Malt Whisky Yearbook 2022

Bunnahabhain ist eine Distillery an der Nord-Ost-Küste von Islay. Ursprünglich sind hier, direkt gegenüber der Isle of Jura, Caol Ila und Bunnahabhain beheimatet. Eine kleine Single Track Road führt von Port Askaig oberhalb der Küste zu den Destillen. Wer hier fährt, muss immer darauf hoffen, keinem LKW zu begegnen, der die Brennereien beliefert oder Ware abholt. Mittlerweile hat sich die neue Distillery Ardnahoe zwischen die beiden Islay-Ikonen gedrängt.

Bunnahabhain ist auch eine der Destillen mit wechselvoller Geschichte vor dem Whiskyboom. 1982-84 war sie geschlossen, geriet 1999 in die Fänge der Edrington Group und wurde erneut geschlossen (bis auf ein paar Wochen Produktion). 2003 übernimmt Burn Stewart (Deanston, Tobermory, Bunnahabhain), die dann 2013 zur Distell Group, einem südafrikanischen Konzern, kommen. Das hat zumindest Kontinuität und Qualität in die Produktion und Range der Distillery gebracht.