Edradour | 2006 - 2018 | Côtes de Provence Cask Matured
Single Malt Scotch Whisky
54,5%vol. | aged 12 years | Côtes de Provence Cask #169
un-chillfiltered
chillfiltered
natural colour
coloured
un-peated
peated
cask strength
Single Cask
Ein Edradour, der schon lange in meiner Sammlung schlummert und den ich direkt in der Distillery gekauft habe, als diese noch für Besucher:innen geöffnet war, tolle Führungen angeboten hat und einen netten Shop hatte, in dem es neben Edradour auch Signatory Vintage Abfüllungen gab. Das ist leider seit Corona vorbei. Der Aufwand der Öffnungen von Shop, Bar und Distillery war für Andrew Symington und seine Frau, die auch auf dem Gelände wohnen am Ende wohl zu belastend. Das ist verständlich – aber auch schade, denn Edradour ist eine der schönsten Distilleries in Schottland. Und es war die erste Distillery, die ich bewusst besucht habe. Damals gehörte sie noch Pernod Ricard und hatte einen eher schlechten Ruf.
Nosing
Im Nosing hat der Whisky komplexe und satte Aromen, da ist Rotwein , da sind schwarze Johannisbeeren, reife rote Trauben direkt von den Weinstöcken an einem sonnigen Nachmittag in der Provence. Da ist aber auch eine funkige Note mit mineralischen Aspekten, die zu Edradour gehört, vielleicht ein Hauch Trester aus dem Hintergrund. Insgesamt ist der Whisky in der Nase aber süß mit Karamell und Vanille als Basis.
Taste
Im Geschmack kommt nicht sofort der klare rote Wein, da ist zunächst das Fass mit oxidiertem Wein, da ist auch etwas Schwefel, der sich mit den Jahren vielleicht auch abgebaut hat. Dann kommt dunkles Karamell, es kommt etwas bittere Schokolade, dazu Konfitüre mit Kirschen und schwarzen Johannisbeeren. Es ist aber auch eine würzige Note vorhanden, da ist Kardamom, Zimtrinde, es kommen auch Kräuter der Provence mit einer Prise Estragon. Dazu kommen Noten von Orangenschalen, die kurz vor dem Beginn der Fäule sind, den Kipppunkte aber noch nicht überschritten haben.
Finish
Im Nachklang bleiben holzige Komponenten am Gaumen, die aber durch Karamell und die Konfitüre eingebunden sind. Das wird nicht zu süß, ist aber auch nicht zu trocken oder zu adstringierend und hat damit schon Aspekte von einem schweren Rotwein.
Conclusion
Das ist ein eigenständiger Edradour mit einem gewissen Schmutz, der kurz vor dem Moment ist, wo ich ihn als störenden Schwefel identifizieren würde. Es ist kein easy Dram, es ist aber ein interessanter Whisky, der viel anbietet und mit 12 Jahren auch eine Tiefe und Komplexität anbietet, die zum Rotwein passt. Irgendwie passt es zur Provence mit der Sonne auf würzigen Kräutern, harzigen Bäumen und reifen Trauben auf Feldern, deren mineralischen Boden die Sonne erhitzt. Ein toller Whisky, nicht für jeden Tag – aber heute gefällt er mir ausnehmend gut.
Edradour Distillery
founded: 1825 | Region: Highlands
Owner: Signatory Vintage
Capacity: 340.000 LPA
LPA: Litres of Pure Alcohol
Quelle: Ingvar Ronde, Malt Whisky Yearbook 2026
Vor dem Boom neuer Distillerys und kleiner Craft Distillerys firmierte Edradour gern als Scotland’s smallest Distillerys. Heute ist sie einfach Scotland’s Little Gem, was angesichts der pittoresken Farmgebäude mit den roten Türen absolut wahr ist.
2002 kauft Andrew Symington vom unabhängigen Abfüller Signatory Vintage die kleine, oberhalb von Pitlochry gelegene Brennerei. Er entwickelt das Portfolio weiter, mit dem Ballechin kommt eine rauchige Variante dazu. Die Marke entwickelt sich vom Geheimtipp zu einem gefragten Produkt.
2018 eröffnet Symington Edradour 2 auf der anderen Seite des Baches, der durch das Gelände der Brennerei fließt. Die neue Distillery ist eine exakte Kopie der ursprünglichen Brennerei. So wird die Whiskymenge verdoppelt und der Charakter bleibt erhalten.
Leider führt der Boom zu knappen Vorräten und übertriebenen Preisen für die besonderen Abfüllungen. Ebenfalls bedauerlich ist, dass das Besucherzentrum nach der Pandemie nicht mehr eröffnet wurde und es keine Führungen gibt.