Highland Park | Single Cask Series | 2008 - 2021

bottled for Drankdozijn | First Fill European Oak Sherry Butt | 66,5%vol.

un-chillfiltered

chillfiltered

natural colour

coloured

un-peated

peated

cask strength

Highland Park, meine schwierige Lieblingsdestille in Kirkwall auf Orkney Mainland. Warum schwierig? Wegen solcher Abfüllungen. Gefühlt inflationär bringt Highland Park die Single Cask Abfüllungen in den braunen Säckchen auf den Markt. Jeder Shop, jedes Land, jede Kirmes – alle haben ein Säckchen. Die Farbe ist immer dunkel, so auch hier und der Alkoholgehalt unangenehm hoch. 66,5%vol. nach 13 Jahren? Das ist wahrlich ein Knüppel aus dem Sack. Der Whisky ist für den 10th Anniversary des niederländischen Onlinehändlers DrankDozijn abgefüllt und kostet dort inzwischen ca. 160 €. Das ist ein stolzer Preis für einen 13jährigen Whisky. Gereift wurde er im 1st fill European Oak Sherry Butt – und das hat viel Farbe hinterlassen.

Nosing

Ok, Holz und Sherry. Ist das Highland Park? Kurz ist da eine Rauchassoziation, aber sie verschwindet schnell. Dann drücken Holz, Süße und Kakao aus dem Glas. Da ist satte Pflaume, da ist Vanille, mit Sandelholz parfümiertes Puder. Das alles ist nicht elegant zurückhaltend, sondern tatsächlich ‚Knüppel aus dem Sack‘. Es ist aber auch oberflächlich süß und sirupartig, hat wenig tiefe Aromen. Man möchte auch gar nicht weiter nach den Aromen forschen, weil sie so brachial an die Nase drücken.

Taste

Der Whisky schreit natürlich nach Wasser. Ein unverdünnter vorsichtiger Schluck bringt Brennen auf der Zunge und ein ungestümes Aromenpaket, das keinen Reiz entfalten kann. Das ist süß und klebrig, entwickelt aber keine differenzierten Fruchtaromen, geht auch hier nicht zu kräftigem eingedickten Fruchtsaft, sondern zu aufgezuckertem Sirup. Es fehlt die Säure, die Tiefe, das Holz kann kein Alter beisteuern. Ledernoten und Tabaknoten sind nur sehr marginal vorhanden, Rauch ist im Mund kaum wahrnehmbar, geschweige denn als Heidetorf identifizierbar. Kräuterlikörnoten blitzen auf, Whisky aus Jägermeisterfässern.

Finish

Für den rasanten Antritt bleibt der Gaumen recht unbeeindruckt von diesem Whisky. Holz und Rauch sind nicht nachhaltig, etwas Trockenpflaume bleibt. Aber die Softpflaume, nicht die Trockenzwetsche mit Säure und herber Schale.

Conclusion

Für mich ist dieser Whisky ein Ärgernis – für andere wird er die Offenbarung sein. Das ist ein Poser, der die aufgepimpten Muskeln glänzen lässt und sich beim ersten Orkney Sturm am warmen Kamin in Sicherheit bringt. Highland Park ist für mich ein Whisky mit besonderem Aroma und feinem Rauch – eben jener Heidekraut-Note, die in keiner Besprechung fehlen darf, die die besondere Orkney Eleganz des Highland Park ausmacht. Die wird hier zugekleistert und in billigem Sherrysirup ersäuft.

Das Destillat wird mit hohem Alkoholgehalt in ‚gewürzte‘ Fässer gefüllt, aus denen es das Maximum an Farbe und Aromen herausextrahiert. Das ergibt einen überparfümierten, brachialen Whisky, dem die Eleganz abgeht. Das hat nichts mit dem zu tun, was Highland Park zu einem großartigen Whisky machen kann. Aber das ist eben auch meine ganz persönliche Einschätzung. Wer Sherrybomben mag, wird hier begeistert sein.

Standing Stones of Stenness, Orkney Mainland | © Klaus Bölling, www.boelling.de

Highland Park Distillery

foundet: 1798 | Region: Islands (Highland)
Owner: The Edrington Group
Capacity: 2.500.000 litres

Quelle: Ingvar Ronde, Malt Whisky Yearbook 2022

Highland Park ist die ikonische Distillery auf den Orkney-Inseln. Als Teil der Edrinton Group unterliegt Highland Park leider auch deren Marketing, d. h. es wird viel Gedöns gemacht, das wenig mit dem Whisky zu tun hat (hier geht es um Wikinger, die tatsächlich auf Orkney zu Gange waren – aber eben lange vor der Distillery).

Leider sind die Highland Park Whiskys – sobald sie älter sind – in den Originalabfüllungen massiv überteuert. Aber es gibt gute unabhängige Abfüllungen. Typisch für Highland Park ist eine leichter, heidebetonter Torfrauch.