Glenturret | Distillers Dram | Edition No. 2

Single Malt Scotch Whisky

46,0%vol. | bottled 2025 | European and American Sherry seasoned oak

un-chillfiltered

chillfiltered

natural colour

coloured

un-peated

peated

cask strength

Single Cask

Glenturret ist eine Distillery, die einst als Home of the Grouse firmierte, mit der Famous Grouse Experience lockte und den Vogel als Kupferstatue vor der Distillery plazierte. Aber diese Zeiten sind vorbei, seit der Luxuskonzern Lalique die Brennerei 2018 von Edrington übernommen hat. Wahrscheinlich ist Glenturret auch nicht mehr Bestandteil des berühmten Massenblends, der inzwischen von Edrington an William Grant (Glenlivet) verkauft wurde. Zum neuen Luxusimage der Marke würde das auch nicht passen. Da präsentiert man lieber eine alterslose Abfüllung, die zwei Destillateuren gewidmet ist, die zusammengenommen 30 Jahre bei Glenturret arbeiten. Warum ist die Beschäftigungszeit von zwei Mitarbeitern interessanter als das Alter des Whiskys? Weil der Whisky egal ist – nur die Marke zählt.

Nosing

In der Nase ist es ein mit Sherry aufgeladener Whisky mit deutlichem Holzaroma. Die europäische Eiche ist präsent. Dazu kommen Beerenfrüchte, Himbeeren und Brombeeren, auch ein paar gemischte Johannisbeeren. Auch deren künstliche Aromen aus dem Fruchtgummi sind vorhanden.

Taste

Auch im Geschmack tritt der Whisky mit präsenten Holznoten an, der Alkohol drückt, obwohl er nur 46,0%vol. hat. Die Früchte sind im Geschmack eher unterrepräsentiert, das Holz steht im Vordergrund, ist nicht unangenehm, aber auch nicht ausreichend für ein komplexes Aromenspektrum. Da ist auch etwas Schweizer Kräuterzucker, Malz kommt hinzu, aber auch angebranntes Karamell mit bitteren Aspekten.

Finish

Im Nachklang ist der Whisky eher trocken, leicht bitter und es verbleibt vor allem Holz am Gaumen. Da sind zu wenig Kakaonoten, da ist zu wenig Frucht, um den Nachklang interessant und anhaltend zu machen.

Conclusion

Dieser Whisky ist ein Blender und Poser. Auf den ersten Sip kommt er recht komplex und aromatisch rüber – das liegt aber allein am starken Holz. Wenn dieser erste Schein verfliegt, bleibt zu wenig, um den Whisky wirklich interessant zu machen. Wer Holz mag, ist hier richtig. Das Holz täuscht die Komplexität und Tiefe aber nur an. Und der zu präsente Alkohol deutet meiner Ansicht nach auch auf fehlendes Alter hin. Der Whisky kostet im Frühjahr 2026 immerhin um die 150 €. Keine Ahnung, womit die gerechtfertigt sein sollen. Vielleicht mit den Beschäftigungsjahren der beiden Distiller. Obwohl ich mir kaum vorstellen kann, dass die beiden am Erlös angemessen beteiligt werden …

Falls of Dochart, Killin, Highlands | © Klaus Bölling, www.boelling.de

Glenturret Distillery

founded: 1763 | Region: Highlands
Owner: Lalique Group/Hansjörg Wyss
Capacity: 500.000 LPA

LPA: Litres of Pure Alcohol

Quelle: Ingvar Ronde, Malt Whisky Yearbook 2026

Glenturret gehörte lange Jahre zur Edrington Group und war deren Home of the Grouse, die Referenz-Destillerie für Schottlands führenden Blend The Famous Grouse. Dabei ist Glenturret eine der kleinsten Brennereien Schottlands und es ist wohl die älteste produzierende Distillery. Glenturret produziert nicht getorften und torfrauchigen Whisky, der unabhängig abgefüllt den Namen Ruadh Maor trägt.

2018 wurde die Brennerei an den Schweizer Luxuskonzern Lalique von Hansjörg Wyss verkauft. Seitdem wird die Marke neu aufgestellt.

Berühmt ist die 1987 verstorbene Distillery Cat Towser the Mouser, die 24 Jahre im Stillhouse gelebt hat und in dieser Zeit hochgerechnet 28.899 Mäuse gefangen haben soll. Das brachte ihr nicht nur einen Eintrag im Guinness Buch der Rekorde sondern auch ein Bronzedenkmal auf dem Brennereigelände.