Bruichladdich | The Classic Laddie
Single Malt Scotch Whisky
50,0%vol. | bottled 2024 | Scottish Barley
un-chillfiltered
chillfiltered
natural colour
coloured
un-peated
peated
cask strength
Single Cask
The Classic Laddie – das ist ja irgendwie ein Versprechen. Bruichladdich ist eine Distillery mit einer besonderen Geschichte. Stillgelegt in der Whiskykrise am Ende des 20. Jahrhunderts, wiederbelebt ab dem Jahr 2000 durch mutige unabhängige Investoren und zurückgefallen in die Hände der bösen Luxusmarken nach dem Kauf durch Rémy Cointreau 2012. Aber irgendwie konnte die Distillery ihre Reputation bewahren. Und wie sollte man dies besser spüren als in einer Abfüllung die als ‚Classic‘ definiert wird? Diese Abfüllung aus dem Jahr 2024 trägt keine Altersangabe und es gibt keine Angabe zu den Fässern. Immerhin gibt es die Angabe ‚Scottish Barley‘. Das garantiert zumindest etwas Terroir. Die Farbe des Whiskys ist hellgolden – die der Flasche vollständig türkis, wie Loch Indaal an einem sonnigen Morgen.
Inzwischen gibt es auch einen 10jährigen Classic Laddie. Ob er diese Abfüllung langfristig ersetzen wird oder ob es sich um ein zeitlich begrenztes Batch handelt, werden wir sehen …
Nosing
Ok, dies sollte eine ex-Bourbon Reifung sein. Das zeigt die Definition Classic Laddie – was ist klassischer als ex-Bourbon? Das beweist aber vor allem das Aroma mit den Noten von Overnight Oats und Vanille. Dazu kommen reife Birne, weißer Pfirsich und etwas Ananas. Die Aromen in der Nase sind nicht zu jung, sie haben Reife mit leichtem Holz und staubigem Kakao.
Taste
Es ist ein Whisky ohne Altersangabe – er ist aber im Geschmack nicht zu jung oder unreif. Er hat Kraft, die 50%vol. sind aber gut eingebunden. Im Mittelpunkt stehen nicht die Früchte, die eher im Hintergrund bleiben, sondern eine Note aus Vanillecreme mit Karamell und etwas Kakao. Und da ist Shortbread von Walkers. Und da ist die leicht rough-maritime Note von Bruichladdich.
Finish
Der Nachklang hat leicht angebranntes Karamell mit Vanille und ein paar Kräutern.
Conclusion
Das ist eine schöne ex-Bourbon Abfüllung. Vielleicht sind andere Fässer untergemischt – der Charakter ist klassisch ex-Bourbon. Vielleicht ist das tatsächlich der klassische Bruichladdich – äh, natürlich ist das der klassische Bruichladdich. Er lebt davon, dass ex-Bourbon im Vordergrund steht und sich diese Aromen gut entfalten. Dieser Whisky ist auf keinen Fall zu jung, er ist reif und lecker.
Der Classic Laddie kostet 2026 zwischen 40 und 50 € und ist ein gut trinkbarer, recht einfacher Whisky mit einem eigenen Charakter. Das ist doch genau das, was wir von einem guten, klassischen Whisky erwarten. Vom Alter her dürfte er so um die 7 – 8 Jahre sein, er ist aber reif genug, um auch erfahrene Whisky Nerds zu überzeugen. Inzwischen gibt es auch eine 10jährige Edition, die auch für um die 40 € erhältlich ist. Sollte sie dauerhaft verfügbar sein, wird sie sicherlich diese NAS Version bei den Fifty Whiskys ersetzen.
Bruichladdich Distillery
founded: 1881 | Region: Islay
Owner: Rémy Cointreau
Capacity: 2.000.000 LPA
LPA: Litres of Pure Alcohol
Quelle: Ingvar Ronde, Malt Whisky Yearbook 2026
Eine Distillery mit allen Geschichten über Glanz und Elend der Whiskyindustrie. Nach etlichen Besitzerwechseln wird die Brennerei 1995, damals im Besitz von Whyte & Mackay, geschlossen. Und es beginnt eine der großen Geschichten des Whiskys.
2000 kauft Murray McDavid, der unabhängige Abfüller mit Mark Reynier als einem der Investoren, die Distillery. Reynier wird der Mastermind, der die Distillery mit Jim McEwan and the late Duncan McGillivray zu neuem Leben und Glanz erweckt und mit Wine Cask Finishes und Fassexperimenten die Whiskyszene aufmischt.
Bruichladdich wird zu einem Kreativpool und entwickelt mit dem rauchigen Port Charlotte und dem noch rauchigeren Octomore neue Spezifikationen. Aber Reynier ist nicht allein, es sind weitere Investoren an Bord. Und die lecken Blut als Rémy Cointreau die Distillery 2012 kaufen möchte und die damals unglaubliche Summe von 58 Mio. Pfund auf den Tisch legt.
Die Distillery geht an den Konzern, die Geeks trauern, Reynier ist nur sehr bedingt einverstanden. Zwei Jahre später investiert er sein Geld in eine stillgelegte Guinness-Brauerei in Waterford und setzt fortan viele der auf Islay entwickelten Ideen in Irland um. Leider scheitert diese Distillery Ende 2024 zunächst mit einer Insolvenz, während Bruichladdich eine der angesagtesten Brennereien auf der Isle of Islay bleibt.