Edradour | 2009 - 2021 | Natural Cask Strength Cask No. 166

56,7%vol. | Ibiscio Dekanter | aged 12 years | Sherry Cask matured

un-chillfiltered

chillfiltered

natural colour

coloured

un-peated

peated

cask strength

Single Cask

Ok, Edradour aus dem Ibisico Dekanter – das steht inzwischen für coladunkle Sherrysuppen. Während eine im Januar 2021 gebottlete Abfüllung farblich noch im Rahmen lag, ist diese Abfüllung aus dem Speptember 2021 tatsächlich massiv dunkel. Edradour haut die Dinger in hoher Frequenz raus, die Base listet 2021 elf dieser Sherry-Abfüllungen der Natural Cask Strength Serie auf.

Nosing

Wie sollte es anders sein – das ist kräftiger Sherry. Und es ist kräftiger Alkohol. Der Sherry ist aber nicht süß, er ist auch nicht zu generisch. Da ist Dörrobst und es sind die echt getrockneten Früchte, nicht die Softvariante mit Glucose und Konservierungsmitteln. Dadurch bringt die Trockenpflaume auch noch einen Säuremoment mit und es sind auch würzige Aromen da, die dem besonderen Edradour Charakter Platz lassen. Dann kommt auch noch etwas Holz hinzu. Das Aroma ist jedenfalls gut.

Taste

Unverdünnt ist der Alkohol zu mächtig und lässt die Aromen nicht ausreichend durch. Mit ein paar Tropfen Wasser wird er verträglicher – bleibt aber kräftig und hat eine ordentliche Holzfracht, die feinere Aromen überbügelt. Die Früchte aus dem Aroma sind nicht mehr vorhanden, auch die leicht saure Trockenpflaume fehlt. Dafür kommt bittere Schokolade mit Nuss. Was ebenfalls fehlt, ist die Edradour-Würze.

Finish

So richtig nachhaltig bleibt er nicht am Gaumen. Die Schokolade verklingt mit zunehmender Bitterkeit, es bleibt noch etwas Holz.

Conclusion

Fässer sind nicht deshalb gut, weil sie einen dunklen Whisky machen. Bei diesem zumindest ist die Farbe kräftiger als die Aromen. Es ist ein leckerer Whisky, es ist auch ein süffiger Whisky, der nicht sehr nachhaltig ist, weshalb man das Glas gern wieder nachfüllt.

Was für mich das Erlebnis trübt, ist der Preis. Und es ist der Gedanke daran, dass die Zeiten besser waren, als Edradour die Whiskys ordentlich gereift hat und dann genügend Fässer hatte, um daraus den 15jährigen Fairy Flag zu komponieren. Klar, die dunklen Suppen verkaufen sich schneller und besser …

Edradour Distillery | © Klaus Bölling, www.boelling.de

Edradour Distillery

founded: 1825 | Region: Highlands
Owner: Signatory Vintage
Capacity: 260.000 litres

Quelle: Ingvar Ronde, Malt Whisky Yearbook 2023

Vor dem Boom neuer Distillerys und kleiner Craft Distillerys firmierte Edradour gern als Scotland’s smallest Distillerys. Heute ist sie einfach Scotland’s Little Gem, was angesichts der pittoresken Farmgebäude mit den roten Türen absolut wahr ist.

2002 kauft Andrew Symington vom unabhängigen Abfüller Signatory Vintage die kleine, oberhalb von Pitlochry gelegene Brennerei. Er entwickelt das Portfolio weiter, mit dem Ballechin kommt eine rauchige Variante dazu. Die Marke entwickelt sich vom Geheimtipp zu einem gefragten Produkt.

2018 eröffnet Symington Edradour 2 auf der anderen Seite des Baches, der durch das Gelände der Brennerei fließt. Die neue Distillery ist eine exakte Kopie der ursprünglichen Brennerei. So wird die Whiskymenge verdoppelt und der Charakter bleibt erhalten.

Leider führt der Boom zu knappen Vorräten und übertriebenen Preisen für die besonderen Abfüllungen. Das – und die Tendenz zu jungen Farbmonstern – zerstört den Charme dieser tollen Brennerei.