Edradour | aged 10 years | The Distillery Edition

Single Malt Scotch Whisky

46,0%vol. | bottled 2025 | Oloroso Sherry

un-chillfiltered

chillfiltered

natural colour

coloured

un-peated

peated

cask strength

Single Cask

Edradour 10 war einer meiner ersten Whiskys. Ich fand die kleine Distillery interessant, es war die erste Distillery, die ich 1999 besucht habe, das war noch vor der Übernahme durch Andrew Symington und ich hatte keine Ahnung von Whisky. Später wurde der Erdadour 10 für mich uninteressant, der Whisky hatte nur 40%vol. und war damit natürlich auch kühlgefiltert. Interessanter waren die von Andrew Symington unter dem Signatory Label abgefüllten 10jährigen Einzelfassabfüllungen, meist dunkle Sherrybomben, aber trotzdem interessant.

Und nun hat Edradour zum 200jährigen Brennerei-Jubiläum endlich auch bei diesem Whisky die Zeichen der Zeit erkannt: Endlich gibt es den 10jährigen Einstiegswhisky in die Core Range mit 46%vol., ungefärbt und nicht kühlgefiltert.

Nosing

Edradour hat einen eigenen Charakter, der eine Mischung aus Mineralität, etwas staubigem Dreck, leicht stumpfen Aromen ist. Vielleicht auch eine Art Funk, bedingt durch die gestauchten Brennblasen und die Worm Tubs. Hier kommt diese Note recht direkt zur Geltung. Der Whisky reifte in Oloroso Butts, die hier aber nicht so überbordend zur Geltung kommen, wie in den Einzelfassabfüllungen. Destillat und Reifung sorgen für einen deutlichen Brennreicharakter und Wiedererkennbarkeit. Mit der Zeit werden auch süße Aromen deutlicher, da sind jetzt Früchte, heißer Zirtronensaft mit dunklem Honig, dann aber auch trockene Kräuter, etwas Estragon und Himbeeren. Dazu auch Holz.

Taste

Im Mund ist der Whisky kräftig, aber der Alkohol ist gut eingebunden. Und der Oloroso Sherry ist deutlich, er ist aber nicht aufgesetzt und lässt dem Brennerei-Charakter Platz. Er ist nicht süß, sondern hat eine leichte Bitterkeit von dunkler Schokolade. Frühere Campino-Bonbons mit schwarzer Johannisbeere und ein Stück Bitterschokolade. Im Hintergrund kommt etwas Holz, es kommen Gewürze, getrocknete Kräuter. Und es ist ein besonderer Geschmack, der Funk ist irgendwie auch vorhanden, ohne zu sehr im Vordergrund zu stehen.

Finish

Im Nachklang bleibt etwas Holz, es bleiben nussige Aromen mit Kräutern.

Conclusion

Das ist endlich ein echter Edradour, er hat deutlich den Edradour Charakter, ist irgendwie wiedererkennbar. So sollen Whiskys einer Core Range sein. Dieser 10jährige Edradour ist essentieller und typischer als die s herryüberladenen 10jährigen Einzelfässer von Signatory. Und er ist ursprünglicher, trockener, etwas funkiger und staubiger als der 12jährige Caledonia.

Das ist ein Whisky, der wunderbar in die Reihe der Fifty Whiskys passt. Edradour schafft es mit dieser Abfüllungen, einen integren Whisky als Einstieg in die Core Range zu präsentieren, der nicht gefärbt, nicht kühlgefiltert ist, mit 46%vol. eine gute Trinkstärke aufweist und ein deklariertes Alter von 10 Jahren hat. 

2026 kostet der Whisky knapp unter 50 €. Das ist sicherlich nicht günstig für einen 10jährigen Core Range Whisky – es ist auf der anderen Seite aber angemessen für einen handwerklich gut gemachten Whisky, der in guten Sherry Butts gereift ist.

Edradour Distillery, Highlands | © Klaus Bölling, www.boelling.de

Edradour Distillery

founded: 1825 | Region: Highlands
Owner: Signatory Vintage
Capacity: 340.000 LPA

LPA: Litres of Pure Alcohol

Quelle: Ingvar Ronde, Malt Whisky Yearbook 2026

Vor dem Boom neuer Distillerys und kleiner Craft Distillerys firmierte Edradour gern als Scotland’s smallest Distillerys. Heute ist sie einfach Scotland’s Little Gem, was angesichts der pittoresken Farmgebäude mit den roten Türen absolut wahr ist.

2002 kauft Andrew Symington vom unabhängigen Abfüller Signatory Vintage die kleine, oberhalb von Pitlochry gelegene Brennerei. Er entwickelt das Portfolio weiter, mit dem Ballechin kommt eine rauchige Variante dazu. Die Marke entwickelt sich vom Geheimtipp zu einem gefragten Produkt.

2018 eröffnet Symington Edradour 2 auf der anderen Seite des Baches, der durch das Gelände der Brennerei fließt. Die neue Distillery ist eine exakte Kopie der ursprünglichen Brennerei. So wird die Whiskymenge verdoppelt und der Charakter bleibt erhalten.

Leider führt der Boom zu knappen Vorräten und übertriebenen Preisen für die besonderen Abfüllungen. Ebenfalls bedauerlich ist, dass das Besucherzentrum nach der Pandemie nicht mehr eröffnet wurde und es keine Führungen gibt.