Glen Scotia | 2008 - 2018 | Campbeltown Malts Festival 2018

1st Fill Bourbon + Ruby Port Finish | peated | 57,8%vol.

un-chillfiltered

chillfiltered

natural colour

coloured

un-peated

peated

cask strength

Single Cask

Heute beginnt das Campbeltown Malts Festival, bevor es am Freitag hinüber auf die Isle of Islay zum weitaus gehypteren Fèis Ìle geht.

Zum Campbeltown Malts Festival 2018 erschien diese ca. 10jährige Abfüllung, die zunächst in Bourbon Fässern reifte und dann im Ruby Port Fass gefinisht wurde, was zu einem leichten Rotstich in der Farbe führt. Es ist eine getorfte Version, die mit 57,8%vol. abgefüllt wurde und zum Glück nicht nur beim Festival erhältlich war, sondern auch zu einem fairen Preis über längere Zeit in den Shops war.

Nosing

Nach dem Einschenken suche ich den Rauch, der nicht wie bei den Whiskys von der benachbarten insel Islay sofort präsent ist. Es dauert dann aber nicht lange, dann kommt der Rauch und hat einen typischen Campbeltown Charakter. Dazu kommt Vanille aus warmem, frischem Gebäck, das mit reifen, gedünsteten Äpfeln und Rosinen gefüllt ist. Ein paar Tropfen Wasser machen die Aromen zugänglicher und harmonischer. Das Ganze hat eine schöne Süße und lädt zum Trinken ein.

Taste

Im Mund ist er ölig und kräftig, auch mit etwas Wasser bleibt der Alkohol präsent. Er ist weniger süß als in der Nase und hat mit dem leicht schmutzig-maritimen Rauch einen schön kantigen Geschmack mit wiedererkennbarer Campbeltown-Note. Das Gebäckstück aus dem Nosing bekommt jetzt noch ein paar säuerliche Beeren zu den Äpfeln, die nicht gesüßt sind. Im Antritt ist Süße vorhanden, die dann aber von rauchig-herben Noten verdrängt wird. Da ist etwas Heu mit Kräutern und reifes Getreide, vielleicht auch ein paar Brombeeren, manche reif und saftig, einige aber auch noch hart und bitter.

Finish

Im Nachklang qualmt der Kamin, wird langsam kalt und auf den noch leicht glühenden Treibholzstücken, qualmen die Algenreste. Der Nachklang ist leicht adstringierend trocken.

Conclusion

Das ist ein schöner Festival-Whisky mit nicht zu stark auftrumpfendem Wein-Charakter und deutlichem Campbeltown Funk (einmal muss das Wort in dieser Review fallen …). Er könnte etwas mehr Tiefe und Komplexität vertragen, die Fruchtkomponente könnte ausgeprägter sein – insgesamt ist es aber ein interessanter Glen Scotia, der Liebhaber:innen der Campbeltown Whiskys nicht enttäuscht und mir viel Spaß macht. Da die große Flasche schon länger leer ist, habe ich mir zur Erinnerung noch ein Sample besorgt und bin wieder überzeugt von diesem Whisky.

Dunnad Fort, Power Center of Dàl Riata | © Klaus Bölling, www.boelling.de

Glen Scotia Distillery

foundet: 1832 | Region:  Campbeltown
Owner: Loch Lomond Group (Hillhouse Capital)
Capacity: 800.000 litres

Quelle: Ingvar Ronde, Malt Whisky Yearbook 2022

Drei Distillerys sind von den 1825 etwa 30 Brennereien übriggeblieben. Auch wenn vor allem Springbank gehypt wird – Glen Scotia hat sich in den letzten Jahren zu einem echten Tipp entwickelt. Noch sind die Whiskys bezahlbar und verfügbar. Aber sie geraten leider immer mehr in den Fokus.

Aktuell gehört die Brennerei zur Loch Lomond Group, die wiederum der chinesischen (Hongkong) Kapitalgesellschaft Hillhouse Capital gehört.