Glen Scotia | Victoriana | Bottling 2021

Finished In The Finest Deep Charred Oak Casks | 54,2​%vol.

Campbeltown ist eine schwierige Whiskyregion. Springbank ist der Star und versinkt im Hype. Glengyle ist noch überschätzt und produziert zu wenig. Und Glen Scotia war bisher oft übersehen. Das ändert sich rasant. Der Victoriana ist noch ein Borderliner – NAS, Farbstatus nicht angegeben, könnte aber natürlich sein, un-chillfiltered, cask strength.

Nosing

Die Nase präsentiert sofort eine präsente Nussigkeit, Popcorn und gebrannte Mandeln. Dazu gibt es Earl Grey Tea und Orangen Marmelade. Da ist nichts von dem, was man bei NAS erwartet, keine Birne, kein Metall, keine Hefe. Das könnte was werden. Es kommt Frucht, die Früchte sind reif und haben Süße mit ausreichend Fruchtsäure, es kommt Holz ohne Bitterkeit. Und es kommt der Moment, wo man darüber nachdenkt, ob der Whisky Peat hat. Sind das die ausgebrannten Fässer, ist das Rauch – not shure. Aber es ist Campbeltown! Es ist das Brackwasser im Hafen, auf dem Öl schwimmt und modriges Treibholz mit Algen. Aber das ist lecker, weil über allem das warme Popcorn und die Orangen Marmelade liegen.

Taste

Der Whisky ist cask strength – bei anderen NAS führt das zu brennenden Noten. Hier stört der Alkohol nicht, er trägt die Aromen und ist gut eingebunden. Ich verachte NAS-Whiskys – diesen nicht! Er hat Kraft und Frucht, aber die Frucht ist nicht unreif. Da ist süßer Pflaumenmost, eingedickt mit ausreichend Säure. Dazu kommen warme Fruit Scones mit clotted Cream und Strawberry und weil wir uns nicht in Cornwall sondern Kintyre befinden, sind in die Marmelade ein paar Algen gerutscht und sie ist etwas angebrannt. Darauf noch einen Schluck Earl Grey – lecker! Ich würde sagen, er ist nicht getorft und die Rauchnoten stammen aus dem Barrel Char.

Finish

Es bleibt genau das Barrel Char mit einer fruchtig-nussigen Komponente. Der Whisky verschwindet nicht bedeutungslos wie andere NAS. Das ist ein standhafter Seemann im Hafen von Campbeltown mit dem man trinken aber nicht fighten will.

Conclusion

Wow, Glen Scotia hat sich in den letzten Jahren dermaßen gut entwickelt, dass man gar nicht darüber schreiben möchte. Eigentlich soll das niemand wissen. Aber das hier ist ein NAS, der vielen Springbanks einfach die Butter vom Brot nimmt. Er hat den gesuchten Campbeltown Funk, er hat Frucht und Tiefe, er hat Komplexität. Das ist ein wunderbarer Whisky! Habe ich eine neue Lieblingsdestille?

Mull of Kintyre | © Klaus Bölling, www.boelling.de

Glen Scotia Distillery

foundet: 1832 | Region:  Campbeltown
Owner: Loch Lomond Group (Hillhouse Capital)
Capacity: 800.000 litres

Quelle: Ingvar Ronde, Malt Whisky Yearbook 2022

Drei Distillerys sind von den 1825 etwa 30 Brennereien übriggeblieben. Auch wenn vor allem Springbank gehypt wird – Glen Scotia hat sich in den letzten Jahren zu einem echten Tipp entwickelt. Noch sind die Whiskys bezahlbar und verfügbar. Aber sie geraten leider immer mehr in den Fokus.

Aktuell gehört die Brennerei zur Loch Lomond Group, die wiederum der chinesischen (Hongkong) Kapitalgesellschaft Hillhouse Capital gehört.