Glen Scotia | Seasonal Release | 2009 - 2021

Heavily charred & Oloroso Casks | aged 12 years | 54,7%vol.

Glen Scotia again, vielleicht meine neue Lieblingsbrennerei. Dies ist eine neue Limited Edition, gereift in heftig ausgebrannten Fässern und Oloroso Casks. Die Farbe ist helles, kräftiges Gold. Und es ist ein unpeated Glen Scotia. Also schauen wir mal nach dem Campbeltown Funk und all den seltsamen Aromen, die wir Whiskyfreaks in den Whiskys dieser Hafenstadt am Ende der Kintyre Peninsula suchen.

Nosing

An der Nase ist es zunächst kein typischer Campbeltown Whisky. Zumindest sind wir hier nicht direkt am Hafen, sondern eher in einem des besseren Viertel (gibt es die in Campbeltown?). Der Kamin brennt, qualmt aber nicht in das Zimmer hinein und auf dem Teetisch steht Gebäck mit Vanillepudding. Es gibt aber auch eine Schüssel mit Fruchtcocktail und im Kamin knistert kurz ein Holzscheit (richtig, hier wird nicht mit Torf geheizt).

Taste

Nun gut, auch in den besseren Vierteln von Campbeltown bleiben wir in Campbeltown. Und auch wenn der Wind nicht vom Hafen herüberweht, bringt der Luftzug vom Land keine feinen Früchte und keine duftenden Blüten, sondern Getreide, trockene Wiesenkräuter und herbe Beeren. Und dann wird klar, das Holz im Kamin ist nicht frisch geschlagen, es war bereits im Schuppen verbaut. Der typische Campbeltown Funk ist das nicht. Aber interessant ist der Whisky. Der Tee ist zu lange gezogen, die Blumen auf dem Tisch trocken – aber der Abend kann gut werden.

Finish

Im Nachklang bleibt verwittertes Holz mit trockenen Kräutern. Das ist alles etwas brüchig – trotzdem steht das Gebäck mit dem Vanillepudding noch immer auf dem Tisch.

Conclusion

Das ist kein auf den ersten Schluck überzeugender Glen Scotia, der sofort mit seiner Campbeltown-West-Coast-Aromatik überrascht und überwältigt. Der ist sperrig. Wer in Campbeltown war, weiß, dass die Stadt nicht pittoresk ist – außer an wenigen Plätzen. Irgendwie passt dieser Whisky. Und irgendwie ist er gut. Aber er will nicht bei ersten Tasting überzeugen oder gar gemocht werden, er möchte Aufmerksamkeit über eine längere Zeit. Die wird er bekommen.

Mull of Kintyre | © Klaus Bölling, www.boelling.de

Glen Scotia Distillery

foundet: 1832 | Region:  Campbeltown
Owner: Loch Lomond Group (Hillhouse Capital)
Capacity: 800.000 litres

Quelle: Ingvar Ronde, Malt Whisky Yearbook 2022

Drei Distillerys sind von den 1825 etwa 30 Brennereien übriggeblieben. Auch wenn vor allem Springbank gehypt wird – Glen Scotia hat sich in den letzten Jahren zu einem echten Tipp entwickelt. Noch sind die Whiskys bezahlbar und verfügbar. Aber sie geraten leider immer mehr in den Fokus.

Aktuell gehört die Brennerei zur Loch Lomond Group, die wiederum der chinesischen (Hongkong) Kapitalgesellschaft Hillhouse Capital gehört.